Mehr Renten: Im Westen sollen die Reten um 1,9 Prozent steigen, im Osten um 3,6 Prozent. Foto: dpa


Die Rentensteuer ist systematisch richtig. Doch in der Praxis zeichnen sich Probleme ab, meint unserer Rentenexperte Roland Pichler.

Stuttgart - Als die rot-grüne Bundesregierung im Jahr 2005 die Rentenbesteuerung einführte, war dies mit dem Versprechen verbunden, dass der Durchschnittsrentner von der Steuer nicht betroffen ist. Das mag zum damaligen Zeitpunkt richtig gewesen sein. Die Steuer wurde so gestaltet, dass die meisten Rentner anfangs davon nicht merkten. Weil die Steuerfreibeträge zunächst hoch waren, wurden nur wenige Ruheständler vom Fiskus belangt. Das ändert sich allmählich. Mit jeder Rentenerhöhung wird der Kreis der Älteren größer, die vom Finanzamt zur Kasse gebeten werden. Das führt bei den Betroffenen zu Überraschungen.

Steuersystematisch ist an der Regelung wenig auszusetzen. Weil das Verfassungsgericht 2002 die ungleiche steuerliche Behandlung von Renten und Pensionen beanstandete, musste der Gesetzgeber handeln. Er entschied sich dafür, die Renten über einen langen Zeitraum stärker zu besteuern. Im Gegenzug werden die Arbeitnehmer entlastet, indem sie einen steigenden den Anteil der Rentenbeiträge als Vorsorgeaufwendung bei der Steuer absetzen können. Die Umstellung auf die nachgelagerte Besteuerung hat Vorteile für die Betroffenen: In der aktiven Erwerbsphase findet eine Entlastung statt, dafür muss ein immer höherer Rentenanteil versteuert werden. Da die Einkommen im Alter niedriger sind, führt dies zu einer geringeren Steuerprogression als im Erwerbsleben.

Immer Senioren mit mittleren Renten müssen dem Fiskus etwas abtreten

So überzeugend das Modell zunächst klingt, führt es in der Praxis doch zu Problemen. Der Gesetzgeber hat die demografischen Folgen zu wenig bedacht. Die negativen Begleiterscheinungen werden die Jüngeren mit voller Wucht spüren. Sie müssen mit ihren Beiträgen nicht nur mehr Rentner versorgen, sondern zusätzlich Steuerlasten schultern. Es stimmt zwar, dass auch in Zukunft die steuerlichen Freibeträge kleine Renten verschonen werden. Gleichwohl werden immer mehr Senioren mit mittleren Renten dem Fiskus etwas abtreten müssen. Damit wird deren knappes Budget geschmälert. Gerade weil das System kompliziert ist, bleibt eine wichtige Botschaft auf der Strecke: Die Arbeitnehmer müssen die steuerliche Entlastung in der Berufsphase für private Vorsorge nutzen. Nur so werden sie die Belastungen später tragen können. Die Politik sollten für die Zusatzvorsorge mehr Anreize schaffen.

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