Foto: Horst Rudel

Die Nachfrage nach der privaten Skilift-Vermietung auf der Schwäbischen Alb geht in Corona-Zeiten durch die Decke. Die Skifahrer müssen früh aufstehen.

Lenningen/Bissingen - Skifahrer sind es in der Regel gewohnt, früh aufzustehen. Wer allerdings in diesem Corona-Winter das Schneevergnügen auf seinen Carving-Brettern genießen will, muss den Wecker noch ein bisschen früher stellen. Die Skiliftbetreiber auf der Schwäbischen Alb, die ihre Anlagen stundenweise und den Kontaktbeschränkungen entsprechend nur an einzelne Haushalte vermieten, können dem Ansturm kaum Herr werden.

 

Am vergangenen Wochenende waren die zur Verfügung stehenden Zeitfenster der Lifte in der Region komplett ausgebucht. Sowohl in Bissingen-Ochsenwang, als auch an der Pfulb bei Lenningen-Schopfloch, dem Bläsiberg bei Wiesensteig im Kreis Göppingen und der Wintersport-Arena Lichtenstein-Holzelfingen (Kreis Reutlingen) liefen die Anlagen vom frühen Morgen bis zum Beginn der abendlichen Ausgangssperre. An den kommenden Wochentagen sind die Aufstiegshilfen vielerorts nur noch in den Frühstunden verfügbar.

In den Sonnenaufgang carven

„Wir schalten das Flutlicht jetzt nicht nur am Abend, sondern auch schon am frühen Morgen an. Der Liftbetrieb startet um 7 Uhr. Da können die Skifahrer dann in den Sonnenaufgang fahren“, sagt Jochen Gekeler, der Sprecher der Wintersport-Arena Holzelfingen. Hier, auf der Reutlinger Alb, haben sie es erfunden, das Geschäftsmodell „Rent a Lift“. Ein Haushalt, eine Stunde exklusiver Skispaß, 150 Euro – so funktioniert das inzwischen nicht nur von den Nachbarn auf der Schwäbischen Alb, sondern auch bundesweit nachgeahmte Konzept.

„Dass die Idee auf Anhieb so einschlägt, damit haben wir nicht gerechnet“, sagt Gekeler. Als die Holzelfinger ihre Online-Buchung im Dezember zum ersten Mal freischalteten, hatten sie noch gewettet, wie viel Zeit nach Mitternacht verstreichen würde, bis alle Stunden vergriffen seien. „Nach drei Minuten waren alle Termine weg“, erinnert sich Gekeler.

Inzwischen verteilt sich die Nachfrage

Noch immer gehen die attraktiveren der drei Tage des im Voraus geöffneten Zeitfensters in Holzelfingen kurz nach Mitternacht weg, doch inzwischen hat der Druck nachgelassen. Das liegt auch daran, dass nach und nach beinahe alle Skiliftbetreiber auf der Schwäbischen Alb auf den Zug aufgesprungen sind. Eine, wenn auch nicht ganz vollständige Liste der Rent a Lift-Angebote hat der Schwäbische Alb Tourismusverband auf seiner Internetseite www.schwaebischealb.de zusammengetragen.

„Von Tag zu Tag haben mehr Liftbetreiber nachgezogen, zuerst die Großen, zuletzt immer mehr Kleine“, sagt Julia Metzmann, die Sprecherin des Tourismusverbands. Der Preis sei überall gleich. „Die 150 Euro für die Stunde haben sich eingespielt. Es bringt ja nichts, wenn sich die Anbieter kannibalisieren“, sagt sie.

„Wir waren am Wochenende mit beiden Liften ausgebucht“, sagt Sven Güntzel, der Skiliftverantwortliche der Arbeg Wernau. Die Arbeg, eine hundertprozentige Tochter der gemeinnützigen Werkstätten Esslingen-Kirchheim, hat die Anlage im vergangenen Jahr übernommen, um Menschen mit und ohne Handicap Raum zu bieten, ihre Freizeit zu genießen. Pro Lift hatte das Inklusionsunternehmen zum Start am Wochenende zwei Mitarbeiter im Einsatz gehabt. Ein Ordner hat sich darum gekümmert, dass sich Skifahrer und Schlittenfahrer nicht in die Quere kommen. „Das hat reibungslos geklappt“, sagt Güntzel. Vom Hang sei noch genug für die schlittenfahrenden Ausflügler übrig gewesen. Die Arbeg will die Lifte an der Pfulb so lange laufen lassen, wie es die Nachfrage und die Schneelage einerseits und die Corona-Bestimmungen andererseits zulassen.

Alle Hände voll zu tun, um Schlitten-und Skifahrer auseinander zu halten

Für Michael Mall in Bissingen-Ochsenwang war der Einstieg in das Rent-a-Lift-Geschäft eher eine Flucht nach vorn. „Wenn alle aufmachen, dann bleiben mir nur die Schlittenfahrer hier. Da ist dann nichts verdient und die ganze Arbeit mit dem Aufräumen habe ich trotzdem“, sagt der Einzelkämpfer. Auch der Skilift in Ochsenwang war am Wochenende komplett ausgebucht, wobei Mall alle Hände voll zu tun hatte, um Schlitten-und Skifahrer auseinander zu halten. „Ich habe abgesperrt und trotzdem sind die Leute immer wieder quer über den Hang gelaufen“, klagt er. Angesichts der vielen Anfragen will er jedoch den Lift weiterhin öffnen, wenn auch voraussichtlich nur am Wochenende.