Renovierung eines 200 Jahre alten Backhauses: Familie Leitner aus Adelstetten kämpft mit der Sanierung – ein Experte und das SWR-Team sind dabei.
Daniela Leitner kann sich selbst ganz gut einschätzen: „Ich bin ein kreativer Mensch mit vielen Ideen und muss immer was tun. Wenn ich meinem Mann sage, es gebe geschwind was zu machen, wird er hellhörig und weiß, was los ist.“ Doch das Ausmaß des jüngsten Vorhabens – ein Herzens-Großprojekt mit tatkräftiger Unterstützung mehrerer Generationen und Profihilfe – haben sowohl die 42-Jährige als auch ihr 40-jähriger Mann ordentlich unterschätzt.
Denn seit sie vor mehr als drei Jahren beschlossen haben, das alte Backhaus auf dem familieneigenen Anwesen von Daniela Leitner in Adelstetten – dort leben sie mit ihren Söhnen seit 2016 – zu sanieren, drehte sich neben dem normalen Alltag mit den Jungs und ihren Jobs, quasi alles darum. „Vor etwa zwei Jahren ging die Wand des Backhauses kaputt und man konnte nicht mehr backen. Vor etwa eineinhalb Jahren haben wir deshalb angefangen, umherzutelefonieren, um einen Fachmann für die Sanierung zu finden“, erklärt Timo Leitner.
Backofenbauer Reisinger bringt frischen Wind nach Adelstetten
Doch das stellte sich als schwierig heraus. Erst fand sich niemand, dann war es zu teuer. „Wir mussten uns schon überlegen, welcher Aufwand und welche Summe sich lohnen, wenn man dreimal im Jahr den Ofen anschmeißt“, sagt Daniela Leitner und fügt hinzu, dass erst dann alles konkreter wurde, als sie Daniel Reisinger, Backofenbauer und selbsternannten Botschafter für den Backofenbau in Europa, kennenlernten. „Er hatte sofort Bock, und nach einigem Hin und Her war klar: Er macht es. Mein Mann, sein Vater und unsere Söhne helfen mit, und der SWR hält das Ganze für seine Serie ,Handwerkskunst’ fest. Wir waren voller Vorfreude“, erinnert sich Daniela Leitner.
Kurz vor dem Start des Projekts sah die Sache dann aber ein bisschen anders aus. Daniela Leitner und ihr Mann freuten sich natürlich immer noch über die besondere Sanierung, aber sie waren auch ganz schön fertig. „Wir haben unterschätzt, wie viel das zusätzlich ist. Es ist alles too much, und wir sind ziemlich am Anschlag.“ Während die 42-Jährige das sagte, stand sie mit dicker Jacke in besagtem Backhaus und schaute ihrem Mann beim Werkeln zu. Der versuchte wenige Tage vor dem Projektstart alles so gut es geht, vorzubereiten. „Am härtesten Tag habe ich bis 1 Uhr nachts im Backhaus gestanden, und um 6 Uhr fange ich an zu arbeiten.“
Doch das Ehepaar weiß auch, dass sich das alte Handwerksprojekt am geliebten Backhaus, das von Daniela Leitners Großeltern übernommen wurde, auf jeden Fall lohnen wird: „Die Jugendfeuerwehr kommt einmal im Jahr zum Pizza backen vorbei. Und generell ist die Dorfgemeinschaft eng, und alle freuen sich, wenn der Ofen wieder funktioniert“, sagt Daniela Leitner und spricht aus, was den Backofenbauer Daniel Reisinger antreibt: „Ein Backofen ist kein Gerät. Er ist ein Ort, an dem Menschen zusammenkommen. Früher war der Dorfbackofen ein Treffpunkt – man hat gebacken, geredet, gefeiert. Das Gefühl steckt noch immer drin, man muss es nur wieder wecken“, sagt Daniel Reisinger.
Seine geplanten Arbeitsschritte hat der Kachelofen- und Luftheizungsbauer, der seit 2024 selbstständiger Backofenbauer und Dozent ist, schon im Vorfeld auf vier Tage aufgeteilt und strukturiert. „Das Backhaus der Familie Leitner ist zwischen 180 und 250 Jahre alt.“ Solche Öfen hätten ihren eigenen Charakter und ihre eigenen Problemstellen.
„Nach einem ersten Überblick und Gesprächen fange ich an, Abplatzungen und Risse auszubessern. Timo und seine Helfer kümmern sich derweil um den Rückbau des Dachstuhls und der Rauchgaszüge. An Tag zwei baue ich die Rauchgaszüge neu auf, mit Schamottesteinen und einem sauberen Anschluss an den Schornstein. Danach kommt eine Schicht Feuerbeton auf die Kuppel. Am dritten Tag wird gedämmt.“ Auch der Einbau einer Zeitkapsel mit einer Glasflasche inklusive aktueller Tageszeitung wurde geplant und erfolgreich durchgeführt.
Die aufwendige Sanierung wirbelte bei der vierköpfigen Familie nicht nur Baustaub auf. Auch emotional war das Handwerksprojekt ziemlich aufwühlend. „Wir hatten eine sehr enge Bindung zu Oma und Opa. Ich habe einige Erinnerungsstücke anders dekoriert. Dabei habe ich für den Geschmack meiner Söhne Ben und Leo schon zu viel verändert von Uroma und Uropa. Es hat schon ein paar Mal ordentlich geknallt, die letzte Zeit bei uns, weil bei allen die Nerven blank liegen, so schön das Projekt auch ist.“
Deshalb sind Timo und Daniela Leitner auch froh, dass alles so gut lief, seit der SWR und Daniel Reisinger angereist waren. „Es klappt super, und die Jungs werden toll integriert und sind voll bei der Sache.“ Für das Großprojekt hat das umtriebige Paar mal eben noch die Zimmer der Jungs in Jugendzimmer umgewandelt. „Wir brauchten ja Platz, damit Daniel übernachten kann. Und ich habe mir im Vorfeld noch überlegt, was ich an den einzelnen Tagen für alle kochen werde. Jeder soll sich ja wohlfühlen“, sagt Daniela Leitner, die auch so besondere Köstlichkeiten wie eine selbst gebackene Schwarzwälder Kirschtorte zum Krafttanken für die Gäste bereit hielt.
Ein Datum für das offizielle Einweihungsfest gibt es auch schon: Am Vorabend des 26. April wird der frisch sanierte Ofen vorgeheizt. „Das ist wichtig. Ein großer Ofen braucht Zeit, um die Wärme tief ins Mauerwerk aufzunehmen“, erklärt Daniel Reisinger. Am Tag selbst gehe bereits ab 6 Uhr das Heizen weiter. „Und ab 13 Uhr feiern wir dann mit Familie, Freunden und Nachbarn mit frischem Brot, Salzkuchen und einer Segnung durch den Pfarrer.“
Daniela und Timo Leitner blicken sich an und sind sich einig: „Das wird richtig cool. Es ist eine tolle Wertschätzung der alten Handwerkskunst. Vielleicht können wir andere inspirieren, es uns gleichzutun mit so einer Sanierung, auch wenn es ganz schön anstrengend war.“ Zum Glück würden Familie, Freunde und Nachbarn von Anfang an tatkräftig mithelfen, sagt die 42-Jährige und klopft sich den Staub von der Kleidung. Über Dreck musste sie dieser Tage immer wieder großzügig hinwegsehen. Über Wetterkapriolen auch. „Aber seit Ostern war das Wetter ja ziemlich perfekt für so ein Herzensprojekt.“