Sonnige Tage, trockene Pisten, da sind natürlich auch die Biker wieder auf Achse – und die Beschwerden über die Lärmbelästigung an den einschlägigen Kurvenpisten häufen sich
Lärm kann zermürbend sein, konstatiert der SPD-Landtagsabgeordnete Gernot Gruber in einer Mitteilung zum Thema Motorradkrach. „Die einen nervt der stetig tropfende Wasserhahn, andere sind dem Lärm hochtourig betriebener Verbrennungsmotoren ausgesetzt, bei dem man kaum schlafen oder auf dem Balkon sitzen kann.“ Besonders stark sei man dieser Art der Belästigung durch Lärm seit Jahren an der Sulzbacher B-14-Steige nach Großerlach und zwischen Kirchberg und Affalterbach durch hin und her fahrende Motorradfahrer ausgesetzt – vor allem am Wochenende. Er hat in dieser Sache eine Anfrage an die Staatssekretärin Elke Zimmer im Verkehrsministerium des Landes geschickt – mit der Frage nach möglicher Abhilfe kontroll- und straftechnischer Art.
Sind Lärmanzeigen auf Kreis- oder Ortsstraßen erlaubt?
Die Sulzbacher Gemeinderätin Edelgard Löffler habe ihn auf der Kreisversammlung der Obst- und Gartenbauvereine in Sulzbach angesprochen, berichtet der Landtagsabgeordnete und darauf hingewiesen, dass der Lärmpegel zwischen Sulzbach und Berwinkel sich in immer größere Höhen schraube. „Das Thema Verkehrslärm kocht immer wieder hoch, zumeist im Zusammenhang mit Motorrädern“, sagt dazu der SPD-Landesparlamentarier. Daher stehe er mit dem Verkehrsministerium immer wieder im Austausch. Aktuell habe er bei der Staatssekretärin angefragt, ob es einem Landkreis oder einer Gemeinde erlaubt sei, Lärm-Anzeigen am Straßenrand anzubringen, die ähnlich wie die Geschwindigkeitsanzeigen den Fahrern auf einer Tafel anzeigen, ob sie zu laut unterwegs sind.
Bußgeld mithilfe von im Ausland erprobten Lärm-Blitzern?
Sollte der Einsatz von derlei andernorts im Rems-Murr-Kreis bereits getesteter Anzeigetafeln keine Besserung schaffen, so Gruber, wären Bußgelder mithilfe von sogenannten Lärm-Blitzern, die zu laute Fahrzeuge aufnehmen, der nächste Schritt. „Solche Geräte werden derzeit in Paris in Frankreich und in der Schweiz erprobt“, sagt Gruber. Deshalb möchte er von der Staatssekretärin auch erfahren, ob der Einsatz von Lärm-Blitzern in Baden-Württemberg bereits rechtlich zulässig ist.
Lesen Sie aus unserem Angebot: Appell der Lärmgeplagten an die Bundesregierung
Dass die Sulzbacher Steige zwischen Sulzbach und Großerlach eine beliebte Route bei Motorradfahrern ist, das sei nicht neu, heißt es quasi zeitgleich auch in einer Mitteilung aus dem Rems-Murr-Landratsamt zum leidigen Thema Motorradlärm. Dieses sorgt im Remstal vor allem auch an den kurvigen Anstiegen bei Schnait und Stetten regelmäßig für Ärger. Seit Jahren beklagten dort – ebenso wie an der Sulzbacher Steige – Anwohner massive Lärmbelästigung durch den Missbrauch als Rennstrecken und, so die Mitteilung, „dort kommt es auch gehäuft zu schweren Unfällen“.
Kommen neue Ideen am Runden Tisch mit betroffenen Kommunen?
Nachdem Maßnahmen wie eine Reduzierung der zulässigen Geschwindigkeit, regelmäßige Verkehrskontrollen, das Aufbringen von Rüttelstreifen und Banner mit Appellen keine spürbare Verbesserung gebracht hätten, haben nun die Bürgermeister der im Norden des Kreises betroffenen Kommunen Sulzbach, Großerlach und Spiegelberg Vertreter des Landesverkehrsministeriums, des Regierungspräsidiums Stuttgart, des Polizeipräsidiums Aalen und des Landratsamts zu einem Runden Tisch eingeladen.
Führt ein „umfassendes Gutachten“ zu konkreten Maßnahmen?
Dabei wurde, so die Mitteilung der Kreisverwaltung, beschlossen, dass das Landratsamt in Kürze ein umfassendes Gutachten in Auftrag gibt, das sich im Wesentlichen auf die Sulzbacher Steige konzentriert. Neben einer messtechnischen Bestandsaufnahme über einen längeren Zeitraum sollen darin auch verkehrstechnische und bauliche Optionen beleuchtet werden. Konkrete Maßnahmen, so lautet die bisherige Planung, sollen dann voraussichtlich im Frühjahr 2023 folgen.
Was tut die Verkehrspolizei auf den berüchtigten Raserstrecken?
Unabhängig davon hat wiederum das Polizeipräsidium Aalen, zu dessen Zuständigkeitsbereich die Landkreise Rems-Murr sowie Ostalb und Schwäbisch Hall gehören, angekündigt, in seiner Verkehrsüberwachungskonzeption ein Hauptaugenmerk auf die Überwachung und Kontrolle von Motorrädern und der beliebten Motorradstrecken im Präsidiumsbereich zu legen. Im vergangenen Jahr wurden demnach im Präsidiumsbereich bei insgesamt 284 Kontrollen 4536 Motorräder unter Einsatz von Videofahrzeugen, Handlasermessgeräten, Lichtschranken und Dienstmotorrädern überprüft. Das Resultat waren dabei 794 Beanstandungen.
Ein zunehmendes und in der Bevölkerung deutlich merkbares Problem stelle die Lärmbelästigung durch Motorräder dar, sagt auch der Polizeipräsident Reiner Möller. Nicht selten seien Motorräder lange Zeit vor ihrem Erscheinen deutlich zu hören. Grund seien in vielen Fällen technische Veränderungen an der Abgasanlage. Im Jahr 2021 seien gezielt Lärmmessungen an auffälligen Motorrädern durchgeführt und dabei 205 Verstöße wegen technischer Mängel festgestellt und zur Anzeige gebracht worden. Die Überprüfung der Lärmentwicklung und somit des technischen Zustands der Maschinen bleibe auch in diesem Jahr ein Schwerpunkt bei Motorradkontrollen.
Was meinen die Motorradfahrer selbst zum Dauerproblem?
„Man darf nicht alle über einen Kamm scheren“, hat kürzlich Kernens Bürgermeister Benedikt Paulowitsch auf seiner Facebook-Seite geschrieben. Bei einer Kreisputzete im März habe er mit jungen Motorradfahrern geredet, die bei der Flurputzete gerade am Aussichtspunkt „Tor ins Remstal“ Abfälle aufsammelten. „Diese Gruppe hat keine aufgemotzten Maschinen, sondern ärgert sich selber über aggressive Fahrer“.
In Kernen hätten sich bereits Initiativen gegründet, die sich für Lärmschutz einsetzen. Außerdem messe ein Lärmdisplay seit zwei Jahren am Ortsausgang die Lärmbelastung. Doch der Konflikt scheine inzwischen direkt auf der Straße angekommen zu sein. Die jungen Motorradfahrer hätten ihm von mehreren nicht ungefährlichen Aktionen berichtet. Von möglicherweise bewusst gelegten Ölspuren, Nägeln an Stellen, wo Motorräder wenden, oder auch gefährlichem Ausbremsen mit dem Auto und Werfen von Äpfeln. Er, so Paulowitsch, verurteile derlei Aktionen auf das Schärfste und habe die jungen Leute ermutigt, solche Vorfälle zur Anzeige zu bringen.