Das Foto: factum/Granville

Ein Grundstückseigentümer will seine Wiesen nicht verkaufen. Kommt es hart auf hart, kann die Stadt deswegen das geplante neue Baugebiet bei Malmsheim nicht entwickeln – dort sollen unter anderem für Bosch-Mitarbeiter Wohnhäuser entstehen.

Renningen - Noch immer weigert sich ein Grundstückseigentümer, der Stadt sein Land für das geplante Baugebiet Schnallenäcker II zur Verfügung zu stellen. Der stellvertretende Bürgermeister Peter Müller sagt zwar: „Die Gespräche laufen noch, die Tür ist nicht zugeschlagen.“ Dennoch: die Zeichen mehren sich, dass die Stadtverwaltung und der Gemeinderat in Sachen Schnallenäcker umplanen müssen. Eigentlich wollte die Stadt im Winter ausschreiben; vom nächsten Frühjahr an sollten die Bagger rollen, um das Gebiet zu erschließen. „Selbst wenn wir zu einer Lösung finden, wird dieser Zeitplan wohl nicht mehr zu halten sein“, sagt Müller.

Eine Pressemitteilung aus dem Rathaus bestätigt die missliche Lage, heute traf sie in unserer Redaktion ein. Für laufende Verhandlungen ungewohnt deutlich wird darin von einem „Verfahrensstillstand“ gesprochen, der mittlerweile eingetreten sei. Bisher haben zwar 107 von 110 Grundstückseignern die erforderlichen Verträge unterzeichnet. Aber: die fehlende Bereitschaft eines Eigentümers mitzuwirken sei problematisch, heißt es in der Mitteilung weiter. Dieser habe die Vertragskonditionen nicht akzeptieren wollen.

Aus kommunalpolitischen Kreisen heißt es, der Landbesitzer wolle schlicht mehr Geld für seinen Grund und Boden sehen. Die Stadt aber macht dabei nicht mit. „Wir haben von Anfang an gesagt, dass für alle Grundbesitzer die gleichen Konditionen gelten“, betont Müller auf Nachfrage unserer Zeitung.

Auch der Renninger Bürgermeister Wolfgang Faißt äußert sich entsprechend: „Schon beim Gebiet Schnallenäcker I und bei den Wohnbaugebieten Keltenstraße und Pfarrtor IV haben wir die gleichen Quadratmeterpreise für alle festgesetzt.“ Würde man einzeln verhandeln, gäbe die Stadt das Heft bei der Stadtplanung aus der Hand, so der Schultes weiter. Und: „Fair wäre das ja auch nicht.“ Für die Stadt sei nicht nachvollziehbar, dass ein Einzelner nicht mitziehe. Wolfgang Faißt: „Die Argumente drehen sich im Kreis.“

Besonders delikat ist, dass das Grundstück des betreffenden Eigentümers mit 2500 Quadratmetern recht groß ist, und noch dazu zentral inmitten des geplanten Wohngebietes liegt. Außerdem drängt die Zeit: Auf der Malmsheimer Bosch-Baustelle wachsen die ersten 14 Gebäude des neuen Entwicklungszentrums der Firma Bosch in die Höhe. 2014 sollen die ersten von vielen tausend Wissenschaftlern und Ingenieuren hier ihre Arbeit aufnehmen. Die Arbeitsplätze dieser Forscher werden aus ganz Baden-Württemberg, ja sogar aus ganz Deutschland nach Renningen verlegt. Und daher benötigen sie Platz, um Häuser für sich und ihre Familien zu bauen. Auch aus diesem Grund will die Stadt das Gebiet Schnallenäcker II mit seinen 14,4 Hektar und 440 Wohneinheiten erschließen.

Manch einer, vor allem aus den Bosch-Standorten um Stuttgart, würde schon jetzt gerne ein Grundstück erwerben und die Architekten beauftragen. „Das sich das weiter herauszögert ist ärgerlich“, verrät ein potenzieller Schnallenäcker II-Bauherr. Auch werde die Verzögerung teuer für ihn, ergänzt er. „Ich würde gerne so bald wie möglich loslegen, stattdessen muss ich länger als geplant Miete zahlen“.

Wolfgang Faißt kündigt an, nun schnell mit dem Renninger Gemeinderat das weitere Vorgehen besprechen zu wollen. „Im Januar oder Februar muss eine Entscheidung her“, sagt der Bürgermeister. Den Grundstücksbesitzer schlicht zu enteignen, das will man im Rathaus nicht, auch wenn juristische Schritte geprüft würden. Auch hatte der Rat hatte schon 2010 beschlossen, dass die Verträge mit den Grundbesitzern auf freiwilliger Basis geschlossen werden müssen.

Eine Alternative wäre, das Gebiet Schnallenäcker II anders zuzuschneiden, oder gleich mit den Erweiterungen Schnallenäcker III oder Schnallenäcker IV weiter zu machen. „Allerdings hatten wir schon hohe Planungskosten für das Baugebiet, außerdem haben sich die anderen Grundbesitzer auf den Verkauf ihres Baulandes eingestellt“, gibt Faißt zu Bedenken. Wie es genau weitergehe, könne er nicht sagen. Faißt: „Wir hoffen weiterhin, dass Gespräche eine Lösung bringen.“

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: