Jay Alexander begeistert sich seit seiner Kindheit für Kirchenlieder. Foto: Veranstalter

Jay Alexander singt in der Martinus-Kirche Malmsheim Kirchenlieder aus vielen Epochen.

Renningen - Seit er in Kindertagen die Sonntagsschule besuchte, ist Jay Alexanders Liebe zu Kirchenliedern stets angestiegen. Adrian Werum (Harmonium, Piano, Orgel), Klaus Jäckle (Gitarre), Eberhard Hahn (Flöte) und Anna Lenda (Cello) begleiteten den hochbegabten Sänger in der Malmsheimer Martinus-Kirche als wunderbares Orchester, das alle Klangschattierungen in reizvoller Weise auslotete.

Dies bemerkte man sogleich zu Beginn bei Johann Pachelbels weltberühmtem Kanon mit seinen fein nuancierten Ostinato-Rhythmen, die sich tief einprägten. Und bei der Weise „Nun danket alle Gott“ war Jay Alexander mit weichem Timbre und schlanken Kantilenen voll in seinem Element. „Ich singe dir mit Herz und Mund“ und „Geh aus, mein Herz“ nach Paul Gerhardt erreichten dank seiner Interpretation zusammen mit dem Ensemble eine geradezu erstaunliche harmonische Vielseitigkeit, die sich immer mehr steigerte.

„Harre, meine Seele“ wurde als Komposition des Laien Johann Friedrich Räder vorgestellt, den dieses Kirchenlied wohl vor dem drohenden finanziellen Ruin rettete. „Sehn wir uns wohl einmal wieder“ bewies einmal mehr seine Fähigkeit zu feinen Legato-Bögen und einer ausgewogenen Belcanto-Gestaltung, die er aber stets dezent und leuchtkräftig einsetzte. An Martin Luther erinnerte dann „Ein feste Burg ist unser Gott“ aus dem Jahre 1529, während „Ich bete an die Macht der Lieder“ mit voluminösen Ausdruckssteigerungen und dynamischen Kontrasten die berühmte Komposition von Dmitri Bortnjanski beschwor.

„Tut mir auf die schöne Pforte“ lebte in der subtilen Wiedergabe durch Jay Alexander ganz von schlank geführten Gesangslinien und einer ausgefeilten Mezza-voce-Technik. „Befiehl du deine Wege“ gemahnte an Johann Sebastian Bach, wobei Jay Alexander hier auch auf eine suggestive Veränderung der Klangfarben großen Wert legte.

„So nimm denn meine Hände“ in der Vertonung von Friedrich Silcher besaß dank Alexanders Wiedergabe eine besondere Ausdruckskraft. Besonders eindrucksvoll gestaltete er Dietrich Bonhoeffers von Siegfried Fietz vertonten Text „Von guten Mächten wunderbar geborgen“, den er 1944 aus dem Konzentrationslager schrieb. „Näher, mein Gott, zu dir“ interpretierte er auch mit wunderbar leuchtkräftigem Impetus, denn diese Weise wurde von den Musikern im Jahre 1912 auf der untergehenden „Titanic“ laut Überlieferung bis zum Schluss gespielt.

Mit „Welch ein Freund ist unser Jesus“ und „Großer Gott, wir loben dich“ verabschiedete sich Jay Alexander von seinem Publikum, das begeistert applaudierte.

Zuletzt musizierte Adrian Werum sogar auf der Orgel. Der Gitarrist Klaus Jäckle, der in diesem Jahr den Nürnberger Kulturpreis erhält, musizierte noch die Fantasie über Webers letzten Gedanken von Johann Caspar Mertz sowie Frederic Chopins „Regentropfen-Präludium“ in Des-Dur mit feinen chromatischen Figurationen und pochenden Akzenten. Es gab Standing Ovations des Publikums. Jay Alexanders neues Album steht übrigens seit März 2015 auf Platz 1 der Klassik-Charts.