Rainer Wieland (links) und Jürgen Müller. Foto: Silberform

Der Unternehmer Jürgen Müller hat mit Rainer Wieland diskutiert, dem Vize-Präsidenten des EU-Parlaments.

Renningen - Jürgen Müller stellt kurz seine Firma vor. Danach kommt er zum wesentlichen Thema des Tages. „EU“, sagt er. „Sprechen wir über die EU.“ Rainer Wieland sinniert kurz, nickt dann: „Fangen Sie an.“ Müller legt los: „Wie wird der Mittelstand in Straßburg gesehen und bewertet?“

Jürgen Müller, 52 Jahre alt, ist Vorsitzender der Renninger Firma Silberform, einem Automotive-Designdienstleister. Rainer Wieland (55) von der CDU ist Vizepräsident des Europäischen Parlaments und zuständig für die Region. Der Renninger Unternehmer und der Politiker aus Gerlingen mit der Gesamtperspektive Europa sind gestern in Renningen zusammengekommen. Sie führen ein Zwiegespräch über den deutschen Mittelstand im Spannungsfeld europäischer Politik; auch wollen sie Wege der Kooperation ausloten.

Wie es zu dem Treffen kam? Das IHK Wirtschafts-Magazin interviewte sowohl Müller als auch Wieland unlängst für die Titelgeschichte: „Wir leben von Europa“. Die beiden beschlossen danach, sich einmal persönlich an einen Tisch zu setzen.

Wieland hat zunächst wenig Ermutigendes aus dem Parlament zu berichten, was die „KMUs“ angeht, wie er die kleinen und mittelgroßen Unternehmen abkürzt. „Sie sind zwar ein Thema. Aber 60 Prozent der Abgeordneten beten es nach, ohne zu wissen, wovon sie reden.“ Der Grund sei einfach, dass es eine mittelständische Struktur wie in Deutschland und vor allem in Baden-Württemberg in weiten Teilen der Europäischen Union gar nicht gebe.

Dann werden die Gesprächspartner konkreter, packen Schwerpunkte an. Jürgen Müller treibt vor allem der Arbeitsmarkt um. Er wünsche sich, so der Unternehmer, dass es EU-weite Möglichkeiten der Arbeitsvermittlung gebe. „In südeuropäischen Ländern gibt es eine hohe Jugendarbeitslosigkeit, hier aber fehlen die Leute“, betont Müller. „Warum also keine europaweite Ausschreibung als Pilotprojekt?“, fragt er Wieland. Und ergänzt: „Schon jetzt haben wir übrigens Mitarbeiter aus 15 Nationen bei Silberform. Das ist gelebte Integration.“

Der Parlaments-Vizepräsident schimpft erst einmal ein bisschen. „Das Problem ist bei uns nicht vom Himmel gefallen“, sagt er. „Aber vor zwei, drei Jahren habe ich von solchen Lösungsansätzen aus dem Mittelstand noch nichts gehört, als es noch mehr Bewerber auf Stellen gab.“ Auch sehe er bei europaweiter Arbeitsvermittlung noch weitere Probleme: Sprache, Mentalität. „Die Leute haben einfach manchmal Heimweh, sie müssen sich umgewöhnen wollen.“ Zudem sei natürlich immer die Frage, so Wieland weiter, wo die Zuständigkeit des europäischen Parlaments beginne – und wo sie aufhöre.

Die Zuständigkeitsdebatte gibt es auch bei einem anderen Punkt: den Banken. Sie geben, so kritisiert Müller, mittelständischen Firmen oft keine dringend benötigten Kredite – was die Unternehmen in die Arme von Investoren mit wenig edlen Zielen treibt. Das Problem kennt auch Wieland. Aber: „Das ist eine Baustelle der Sparkassen und Landesbanken.“ Zum Ende des Gesprächs einigen sich Wieland und Müller auf ein gemeinsames Projekt: Sie wollen versuchen, Ausbilder in bestimmten Berufen fit zu machen für europaweite Einsätze. Auch wollen sie europaweite Standards für Ausbildungsberufe einführen.

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