Joachim Frangen (rechts) und Sven Hamann Foto: factum/Bach

Bis zum Jahr 2030 könnten 7000 statt 5000 Menschen in Malmsheim arbeiten – das ist zumindest im neuen Flächennutzungsplan der Rankbachstadt vorgesehen. Damit stimmen aber Verkehrsberechnungen für Perouse nicht mehr.

Renningen/Rutesheim - Es sind eigentlich erfreuliche Zahlen. Der Automobilzulieferer Bosch könnte im Entwicklungszentrum in Malmsheim bis zum Jahr 2030 sogar 7000 statt der bisher anvisierten 5000 Mitarbeiter beschäftigen. So jedenfalls steht es im neuen Flächennutzungsplan, den Renningen bis zum Jahr 2030 aufgestellt hat und zu dem Rutesheim Stellung nehmen muss. Beim Nachbarn, der ebenfalls über einen kleinen Bosch-Standort verfügt, stößt diese Entwicklung auf zweigeteiltes Echo. Einerseits Freude und die Hoffnung, auch davon zu profitieren. Andererseits: „Wir müssen uns jetzt fragen, ob die Verkehrsgutachten noch in Ordnung sind oder ob sie auf Grundlage der neuen Zahl neu berechnet werden müssen“, erklärt der Rutesheimer Bürgermeister Dieter Hofmann.

Konkret geht es um den Verkehr, der von der Abfahrt Rutesheim der A 8 am Ortsteil Perouse vorbei nach Malmsheim rollt. Und der spielt beim Bau der Ortsumfahrung eine wichtige Rolle, aber auch bei der Gestaltung der Autobahnzu- und -abfahrt. „Sollte eine neue Verkehrsplanung erforderlich sein, dann aber eine, bei der die Stadt nicht der Zahlmeister ist“, sagt Hofmann in Richtung Regierungspräsidium, Landratsamt und vor allem der Stadt Renningen.

Vereinbarung zwischen Renningen und Bosch

Renningens Bürgermeister Wolfgang Faißt verweist auf eine schriftliche Vereinbarung der Stadt mit dem Automobilzulieferer. Darin hat sich Bosch verpflichtet, sich an Verkehrsgutachten zu beteiligen, wenn die Mitarbeiterzahl im Entwicklungszentrum 5000 übersteigen sollte. Konkreter: wenn ein weiterer Ausbau ansteht. „Das ist dann auch der richtige Zeitpunkt, sich darüber Gedanken zu machen“, sagt Faißt. In Rutesheim sieht man das anders. Denn dort wird derzeit weiter an der Ortsumfahrung Perouse geplant.

„Wir sind aber der Meinung, dass sich Bosch auch jetzt schon beteiligen sollte“, sagt Dieter Hofmann. Der Renninger Rathauschef kann den plötzlichen Eifer der Nachbarn jedoch nicht nachvollziehen. „Erstens hat der Flächennutzungsplan keinerlei Außenwirkung. Entscheidend ist der Bebauungsplan. Und dort sind sogar 8000 Arbeitsplätze zugelassen“, erläutert Wolfgang Faißt. Zwar werde sein Gemeinderat den Rutesheimer Vorstoß natürlich behandeln. Doch kommt jetzt schon eine klare Absage für die Forderung.

Und als wäre die Sache nicht schon kompliziert genug, ist man sich im Rutesheimer Rathaus eigentlich darüber im Klaren, dass eine neue Verkehrsberechnung im Moment wenig Sinn macht. Denn je weiter der Zeitpunkt, für den gerechnet werden soll, in der Zukunft liegt, desto mehr unkalkulierbare Faktoren spielen eine Rolle. „Wer von den Bosch-Mitarbeitern ist dann bis 2030 auch nach Renningen gezogen?“, nennt Hofmann ein Beispiel.

Auswirkungen auf Straßen vermutlich gering

Christina Almert (CDU) spricht sich im Gemeinderat dennoch für ein neues Gutachten aus. „Damit haben wir etwas in der Hand“, lautet ihre Begründung. Fritz Schlicher (Gabl) findet die Diskussion sinnlos: „Man kann nicht bauen und schon währenddessen sagen, dass es nicht ausreicht.“ Dass an den Plänen für die Ortsumfahrung Perouse etwas geändert werden müsse, damit rechnet der Rathauschef nicht. Die Straße habe genug Luft für mehr Autos. Im schlimmsten Falle müssten wohl die Abbiegestreifen rund um den Autobahnanschluss verlängert werden.

Dennoch wolle Rutesheim ein klares Zeichen setzen. „Wir stehen hinter Bosch. Aber wenn man eine Firma ansiedelt, muss man auch sehen, wie die Leute ins Geschäft und nach Hause kommen“, sagt Hofmann.

Dieser Haltung folgte der Gemeinderat bei einer Enthaltung. Man wolle jetzt die offizielle Reaktion aus Renningen abwarten und danach überlegen, ob man ein neues Gutachten beauftragt oder nicht.

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