Renningen Pitzal und Faißt werden zum Teil der Krippe

Von Rafael Binkowski 

Die Aussendung der Sternsinger vor dem Renninger Rathaus mit  Franz Pitzal (hinten links, weißes Gewand) und Wolfgang Faißt (Mitte, blauer Anzug). Foto: Bartek Langer
Die Aussendung der Sternsinger vor dem Renninger Rathaus mit Franz Pitzal (hinten links, weißes Gewand) und Wolfgang Faißt (Mitte, blauer Anzug). Foto: Bartek Langer

Novum: Bei der 35. Neuauflage verewigen sich der Pfarrer und der Bürgermeister selbst. Ansonsten geht es in der Malmsheimer Martinuskirche bis Anfang Februar erneut um die Krisenherde dieser Welt.

Renningen - So langsam gehen einem die Superlative aus, wenn man über die Renninger Krippe schreiben möchte. Mit einer schönen Unvermeidlichkeit beglückt der Pfarrer Franz Pitzal rund um Weihnachten die Welt – und das muss man wirklich so sagen – mit einer Botschaft, und unglaublich liebevoll gestalteten Krippen-Basteleien. Bereits zum 35. Mal. Und doch immer wieder ganz neu. Das Lebenswerk ist längst in einer Stiftung gesichert.

Der inzwischen fast 79-jährige Geistliche schafft es immer wieder, alle mitzureißen und zu begeistern. „Was ist der Unterschied des alten Golfs von Franz Pitzal und der Kirchengemeinde?“, fragt der Bürgermeister Wolfgang Faißt etwas neckisch bei der Eröffnungsfeier am Sonntagabend. „Die Gemeinde hat längst aufgegeben.“

„. . . wenn alle machen, was er will“

Und das meint er im positiven Sinne, auf die Beharrlichkeit und unermüdliche Energie, aber auch die Entschiedenheit von Franz Pitzal gemünzt. „Er ist immer gut zu haben, wenn alle machen, was er will“, schmunzelt der Schultes. Und jeder weiß, wie es gemeint ist: freundlich-wohlwollend. Und als Krönung haben sich die beiden dann auch gleich in der aktuellen Ausstellung in der Martinuskirche verewigt. „Ich bin jetzt schon selbst Teil der Krippe“, meint der Bürgermeister. Und das gilt auch für Pitzal. Denn in diesem Jahr feiern die Sternsinger ihr 50-Jahr-Jubiläum, und die alljährliche Aussendung vor dem Rathaus ist jetzt ein Motiv. Und so sind beide wie in Madame Tussaud’s Wachsfigurenkabinett als Ebenbilder vor der Fachwerkkulisse der Rankbachstadt zu sehen. Eine Figurenschnitzerin aus Backnang hat den Fundus entsprechend erweitert.

Aber genug der Nabelschau – es gibt zur Renninger Krippe natürlich wieder viele tiefgründige, ernsthafte Botschaften. Und darum geht es Franz Pitzal ja auch. Angesichts der Weltlage ist die Botschaft ziemlich düster: Krieg, Not, Vertreibung, die Konflikte in der Ukraine und im Nahen Osten prägen die Aufbauten.

Nicht nur frohe Botschaften

„Wir wollen eigentlich immer eine frohe Botschaft schicken“, sagt der Pfarrer selbst. Das ist auch gelungen, etwa mit dem Geburtsort Jesu selbst, der in einen verfallenen Turm versetzt wurde – eine durchaus gängige Darstellung, um dem Machtverfall des Staates zu symbolisieren. Das passt zu den sich auflösenden Ländern Irak oder Syrien. Das Elend, die Zerstörung, all das kommt im rechten Bild der Krippe zum Vorschein. „Wir haben sogar eine Mauer gebaut“, meint Pitzal. Denn eine solche ist in Deutschland ja vor 25 Jahren gefallen. Und so ist eben doch die frohe Botschaft erkennbar, trotz der zerschossenen Häuser in der Ost-Ukraine auf der linken Seite der Krippe. Leuchtend rot der Feuerschein, der dank blinkender Lampen flackert.

Aber über allem schwebt die Friedenstaube, kunstvoll aus einer Engelsfigur geschnitzt. Und Frieden, das war und ist das Hauptanliegen von Franz Pitzal, wie der Bürgermeister in seiner Einführung sagt. „Der ungerechteste Frieden ist besser als der gerechteste Krieg“, zitiert Faißt den römischen Philosophen Cicero und appelliert an die gut 400 Zuhörer: „Frieden fängt bei uns allen an. Bei jedem Einzelnen von uns. Wir müssen uns ändern.“ Dazu kommen acht Motive mit großen geistigen Führern von allen acht Kontinenten, von Albert Schweitzer über Mahatma Gandhi, Papst Johannes Paul II. bis Mutter Theresa oder Martin Luther King. Aber auch der Papst-Attentäter wird als Figur dargestellt. Nur mit Versöhnung kann es Frieden geben, auch das mahnt Pitzal an.

Krippe steht bis Anfang Februar

Aber es soll ja nicht zu ernst werden. Trotz der schweren Themen wird viel gelacht in der Martinuskirche. Wenn Franz Pitzal etwa von dem dunkelblauen Sternenhimmel erzählt, mit seinen 1500 Lichtern. „Das Tuch dafür wird langsam knapp, das gibt es nicht mehr“, schmunzelt er. Eigentlich sei das dafür gedacht, Blumen einzupacken. So muss Tuch gespart werden – zu oft darf man also beim Lampenanbringen nicht daneben pieksen.

Somit ist das große Spektakel eröffnet, das nun bis Anfang Februar viele, viele Besucher anlockt. Tony Marshall ist natürlich wieder da am 25. Dezember, an den folgenden Tagen Gerhard Raff und Michael Broch, am 4. Januar der ZDF-Vizechefredakteur Elmar Theveßen, am 11. Januar Ex-Daimler-Vorstand Matthias Kleinert. Nur der Ministerpräsident Winfried Kretschmann muss erneut passen. Vielleicht dann nächstes Jahr? Auch hier gilt vermutlich: Die Hoffnung stirbt zuletzt . . .

Lesen Sie jetzt