Noch enden die Gleise der alten Schwarzwaldbahn kurz vor Weil der Stadt. Foto: factum/Archiv

Der Renninger Bürgermeister Wolfgang Faißt ist sauer, und mit ihm etliche seiner Gemeinderäte. Die geplante Bahnverbindung von Calw bis Renningen sorgt für Ärger – wie auch am Dienstag im Kreistag. Der Landkreis will kein Geld im nächsten Jahr dafür ausgaben.

Renningen/Weil der Stadt - Der Renninger Bürgermeister Wolfgang Faißt ist sauer, und mit ihm etliche seiner Gemeinderäte. Die geplante Bahnverbindung von Calw bis Renningen sorgt für Ärger – wie auch am Dienstag im Kreistag. „Wir sind grundsätzlich für die Hermann-Hesse-Bahn, aber nur unter gewissen Rahmenbedingungen“, betont der Bürgermeister Wolfgang Faißt. Ohne die dürfte der Zug nur bis Weil der Stadt fahren, erklärt er. Aus Calw höre man bereits, dass man die Renninger Forderungen nicht erfüllen könne.

Kurz zur Erinnerung: in Renningen und auch in Weil der Stadt befürchtet man, dass der Takt der ohnehin oft verspäteten S-Bahn-Linie 6 durch eine zusätzliche Hesse-Bahn auf dem eingleisigen Streckenabschnitt zwischen Weil der Stadt und Malms­heim durcheinandergewirbelt werden könnte. „Etliche S-Bahn-Züge müssten dann bereits in Renningen wieder nach Stuttgart umkehren und würden erst gar nicht mehr bis Weil der Stadt fahren“, so die Sorge im Gemeinderat.

Auf der anderen Seite befürchten die Renninger Bürger im nahe am Gleis liegenden Wohngebiet Schnallenäcker Belästigungen durch Dieselabgase. „Wir wollen keine Diesellok bis Renningen“, machte Wolfgang Steudle (CDU) deutlich. „Wenn eine Diesellok kommt, dann soll die bis Weil der Stadt fahren, aber nicht zu uns nach Renningen.“ Doch eine Dieselvariante ist wirtschaftlicher.

Und genau hier liegt auch der Punkt des erneuten Ärgers beim Renninger Rathauschef. Der wurde nämlich Ende Juli bei einem Termin mit seinem Weiler Bürgermeisterkollegen Thilo Schreiber und Mitarbeitern des Landkreises Calw über die sogenannte „standardisierte Bewertung“ unterrichtet. Das ist die Studie, die die Wirtschaftlichkeit der Bahn nachweisen soll. Liegt der Wert über 1,0, ist sie wirtschaftlich – die Dieselvariante liegt bei 1,37, die Elektrobahn nur bei 1,15. Wenn die Bahn nur bis Weil der Stadt fährt, liegt der Wert sogar deutlich unter 1,0 – die Bahn ist also unwirtschaftlich. „Bei diesen Zahlen müssen wir davon ausgehen, dass nur die Variante Calw nach Renningen kommen kann“, sagte Faißt, der die Berechnung als ein theoretisches Konstrukt bezeichnete. Denn die Ausgangsdaten halte Calw weiterhin geheim. „Wir müssen uns fragen, wie ein solcher Wert von 0,5 auf 1,1 ansteigen kann, nur weil der Zug noch von Weil der Stadt nach Renningen weiterfährt“, sagte Faißt und vermutete gar, dass Fahrgäste der S 6 mit hinzugerechnet worden seien.

Doch Faißt machte den Räten auch Hoffnung: So seien seine Bürgermeisterkollegen in Leonberg und in Ditzingen nun auch hellhörig geworden. Der Verkehrsverbund Region Stuttgart (VVS) sei mit im Boot. Auch im Kreis Calw gebe es kritische Stimmen wegen der Finanzierung.

Eine „Expertenrunde“ soll nun Licht ins Dunkel bringen. In der Runde werden Vertreter der Landratsämter Böblingen und Calw und des VVS sitzen. Die erste Herausforderung für die Experten könnte der sogenannte Stresstest sein. Dieser soll zeigen, ob beide Bahnen hier fahren können, ohne sich im Takt zu behindern.

„Wir müssen sicherstellen, dass die Expertenrunde vor einem Stresstest tagt“, forderte Faißt. Dies wiederholte er am Dienstag auch im Kreistag. „Wir müssen Calw mit sanfter Gewalt dazu bringen, uns die Daten mitzuteilen“, forderte er. Faißt forderte den Landrat Roland Bernhard intensiv auf, doch die Expertenrunde einzuladen, um Druck zu machen. „Die Calwer wollen das nicht“, sagte der Renninger Bürgermeister im Verwaltungsausschuss. Man müsse klarmachen, dass die 40 000 Fahrgäste auf der S 6 wichtiger seien als die 2000 auf der Hesse-Bahn.

Auch der FWV-Fraktionschef im Kreistag, Wilfried Dölker, stimmte mit ein: „Ich bin leicht kribbelig, weil wir uns vom Kreis Calw an der Nase herumführen lassen.“ Der Landrat betonte: „Die Calwer haben Hausaufgaben zu machen.“ Der Stresstest müsse vorliegen, auch die Frage nach Lärm müsse geklärt werden und die nach einem gemeinsamen Betriebshof mit der Schönbuchbahn. Für den Kreishaushalt 2015 sei kein Geld für die Hesse-Bahn eingeplant.

Allerdings will Bernhard die Tür nicht ganz zuschlagen. Mit Wolfgang Faißt leistete er sich ein kleines Wortgefecht über die Frage, wer welche Initiative ergriffen hat. „Wir sollten uns nicht verzetteln“, mahnte der Landrat. Der SPD-Fraktionschef Tobias Brenner musste da ein wenig schmunzeln und sagte zum FWV-Fraktionschef Wilfried Dölker: „Sie können ja die Expertenrunde ins Holzgerlinger Rathaus einladen.“ Klar ist, dass es im Kreistag erhebliche Widerstände gegen das Projekt gibt – vor allem, wenn es um eine finanzielle Beteiligung geht. Der CDU-Sprecher Helmut Noë meinte nur: „Zur Hermann-Hesse-Bahn sage ich jetzt nichts mehr.“

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