Die Hexen gucken gar grimmig. Foto: factum/Granville

Die Renninger Schlüsselgesellschaft hat eine neue Brauchtumsgruppe ins Leben gerufen. Mit den maskenlosen „Maisenburg-Hexen“ wollen die Karnevalisten allerdings der örtlichen Narrenzunft keine Konkurrenz machen.

Renningen - Eigentlich fühlen sie sich eher den rheinischen Traditionen verpflichtet. Die Karnevalisten der Renninger Schlüsselgesellschaft (RSG) sind stolz auf eine große Tanzgarde inklusive der Mariechen, bei den Prunksitzungen gibt es Büttenreden und ein Elferrat darf natürlich auch nicht fehlen.

Aber: das ein oder andere Einsprengsel der schwäbisch-alemannischen Fasnet hat es ebenfalls in die RSG-Reihen geschafft. So treibt der maskierte „Narr von der Maisenburg“ in seinem schwarz-gelben Häs alljährlich seinen Schabernack. Und statt eines Prinzenpaares regiert zur Karnevalszeit der „Ritter“ – ebenfalls von jener Maisenburg, die einst vor rund 600 Jahren auf der Renninger Gemarkung stand.

Dass die Karnevalsgesellschaft nun mit den „Maisenburg-Hexen“ eine neue Brauchtumsgruppe ins Leben gerufen hat, passt daher zumindest so halb ins Bild. Wobei der RSG-Präsident Jürgen Heugel klarstellt: „Wir wollen der 1. Narrenzunft Renningen keinesfalls Konkurrenz machen.“ Dafür klappe die Arbeit mit der Gruppe, die zur Fasnet als „Schenderklenga-Narra“ und „Schenderwald-Goischter“ ihr Unwesen treibt, viel zu gut. Heugel selbst hat in diesem Jahr sogar deren Narrentaufe über sich ergehen lassen. Im ersten Jahr ihres Bestehens war die Narrenzunft sogar ein Teil der RSG. Jedoch trennten sich im Jahr 1999 die Wege.

Dementsprechend sind es Hexen der etwas anderen Art, welche die Schlüsselgesellschaft bei ihrer Prunksitzung am vergangenen Wochenende vorgestellt hat. „Es ist eine Brauchtumsgruppe ohne Masken“, sagt Jürgen Heugel. Das erlaube Aktionen außerhalb der Fasnetszeit, die in Schwaben traditionell vom 6. Januar bis zum Aschermittwoch dauert. Nur in diesem Zeitraum ist es den Zünften erlaubt, ihre Masken zu tragen. „Wir können so auch an Halloween oder in der Walpurgisnacht kostümiert auftreten“, so Heugel weiter. Er verspricht sich von der neuen Gruppe vor allem eines: die Jugend, die keine Lust mehr auf Gardetanz hat, in der RSG zu halten.

Das könnte allerdings noch eine Zeit lang dauern. Denn gegründet wurden die „Maisenburg-Hexen“ von Müttern der Gardemädels. „Bislang liegt der Altersdurchschnitt bei über 30“, schätzt Heugel. Und bis die Jugend die Gruppe für sich entdeckt, könne es noch dauern. „Wir haben im Moment eine sehr junge große Garde“, so der 52-jährige Präsident.

Nachwuchssorgen hat der Verein also keine. Von 70 Tänzern sind 68 Frauen und Mädchen. „Und die eine tanzt eben länger, die andere hört früher auf“, tut sich Heugel mit einer Einschätzung schwer. Er hofft, in naher Zukunft zunächst weitere Eltern – auch Väter – für die Hexen gewinnen zu können. „Allerdings glaube ich, dass es eher etwas für unsere Frauen ist“, sagt Heugel, „alleine durch die Tatsache, dass es keine Masken gibt.“ Apropos: die Idee für die maskenlosen Hexen hat sich Heugel in seiner früheren Heimat geholt. Im pfälzerischen Sausenheim existiert eine ganz ähnliche Gruppe, die rund 50 Mitglieder zählt.

Bei der RSG legen die Verantwortlichen Wert darauf, dass es für die Mitglieder erschwinglich bleibt. „Woanders werden für ein Outfit mit Maske für einen Hästräger bis zu 1000 Euro fällig“, sagt Heugel, „bei uns zahlt der Verein das Material.“ Und daraus schneidern sich alle Hexen ihre eigenen Kostüme zurecht. Wichtig sind dabei nur die RSG-Farben schwarz und gelb und der Hexenhut. Eigene Namen für die einzelnen Mitglieder sollen ebenfalls folgen. „So weit sind wir aber noch nicht fortgeschritten“, sagt Heugel. Auch einen Hexentanz wird es irgendwann einmal geben. „Mit fünf Mitgliedern lohnt sich das aber noch nicht“, so der Präsident.

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