Die Sternsinger werden entsandt. Foto: factum/Granville

Der Bürgermeister Wolfgang Faißt und der katholische Pfarrer Franz Pitzal haben die Sternsinger ausgesandt. Der Einsatz des Geistlichen bei der traditionellen Wette: für jeden Spenden-Tausender will er einen Meter Schokolade springen lassen.

Renningen - Zwischen dem Renninger Rathaus und dem hell beleuchteten Weihnachtsbaum auf dem Vorplatz liegen noch einige wenige Überreste der Silvesternacht. Ausgebrannte Böllerhülsen zeugen von lauter Knallerei, von buntem Feuerwerk.

Doch so schrill es zum Jahreswechsel in der Stadt zugegangen sein mag, um so besinnlicher ist die Stimmung nun. Zu den Klängen des evangelischen Posaunenchores senden der Bürgermeister Wolfgang Faißt und der katholische Pfarrer Franz Pitzal die Sternsinger aus. „Es gibt Engel mit Flügeln, manche haben aber auch keine“, sagt der Verwaltungschef an die zahlreichen Kinder und Jugendlichen gewandt, die in ihren bunten Gewändern vor dem Rathaus stehen. „Kleine Engel ohne Flügel, das seid ihr“, so Bürgermeister Faißt weiter. Ganz nach dem diesjährigen Leitspruch „Segen bringen, Segen sein“.

In den kommenden Tagen besuchen rund 100 Sternsinger die Renninger und Malmsheimer Bürger. Unzählige Male werden sie die Buchstaben- und Zahlenfolge „20 C+M+B 13“ mit Kreide über die Haustüren schreiben – Christus mansionem benedicat: Christus segne dieses Haus. Und wie in jedem Jahr gibt es auch diesmal ein besonderes Hilfsprojekt, dem die Spendeneinnahmen der Sternsinger zu Gute kommen. In diesem Jahr geht das Geld an ein Kinderheimprojekt in Tansania .

Der Bürgermeister Wolfgang Faißt weiß derweil aus eigener Erfahrung, dass es kein Zuckerschlecken ist, als Sternsinger unterwegs zu sein. „15 Jahre lang bin ich selbst dabei gewesen“, berichtet er. „Ich kann sagen, dass es ein paar anstrengende Tage werden.“ Dennoch wünsche er den Kindern nur das Beste: „Offene Türen und offene Herzen.“

Und natürlich eine gewonnene Wette gegen den Pfarrer. Denn in Renningen ist es Tradition, dass Franz Pitzal gegen seine Sternsinger wettet. So hat sich der Geistliche in der Vergangenheit unter anderem bereits ein Engagement beim Autowaschen und beim Backen einer 30 Meter langen Pizza eingehandelt. „Diesmal“, verspricht Pitzal, „gibt es für jeden Tausender einen Meter Schokolade, die wir auf dem Malms­heimer Ostermarkt präsentieren.“ Eine richtige Wette ist das zwar nicht, dennoch wird sich der Pfarrer wohl auf mindestens 30 Meter, also rund 30 000 Euro, gefasst machen müssen. „Dabei ist das Süße eigentlich gar nicht meine Welt“, sagt Pitzal, „ich mag nicht mal Kuchen.“

Die Sternsinger sind in Renningen fest verwurzelt, wurden bereits mehrfach Sieger im bundesweiten Vergleich. Und ebenfalls ein festes Ritual ist, dass der Bürgermeister mit seiner Spende den Anfang macht. Und so findet sich Wolfgang Faißt bald in einer Traube von Kindern mit Pappkronen und Sternstäben wieder.

Schließlich segnet Franz Pitzal noch die Ausrüstung der Sternsinger: Kreide und Weihrauch. „Ihr wisst, dass man Kreide auch schnell wieder wegwischen kann. Aber ihr könnt sicher sein, dass die Buchstaben und Zahlen, die ihr schreibt, bei vielen ein ganzes Jahr lang stehen bleiben.“

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: