Der katholische Priester Franz Pitzal ist der Initiator und die treibende Kraft der Renninger Krippe. Bis nachts legt er bisweilen Hand an für den letzten Schliff.Foto: Bartek Langer Foto:  

Die Malmsheimer Krippe beginnt am 13. Dezember, dabei geht es auch um Angela Merkel und Flüchtlinge. Bis nachts legt der katholische Priester Franz Pitzal, Initiator und treibende Kraft der Krippe, bisweilen noch Hand an.

Renningen - Die Aufbauarbeiten in der Malms-heimer Martinuskirche laufen auf Hochtouren. Etliche Miniatur-Bauten aus aller Welt müssen aufgestellt, Dutzende Gemälde an den Kirchenwänden angebracht und mehrere Hundert Figuren an der richtigen Stelle platziert werden. „Diesmal ist auch erstmals Kanzlerin Angela Merkel dabei“, berichtet Franz Pitzal. Der Renninger Pfarrer brachte die vergangenen Wochen in der Werkstatt des Pfarramts nicht selten bis spät in die Nacht damit zu, der liebevoll gestalteten Dekoration den letzten Schliff zu verpassen.

Bis zum 13. Dezember muss alles stehen. Dann werden wieder Menschen, ob gläubig oder nicht, zu der Renninger Krippe in die Malmsheimer Martinuskirche strömen. In diesem Jahr steht die Ausstellung unter dem Motto „Pforte der Barmherzigkeit“. „Papst Franziskus hat das Thema Barmherzigkeit in den Mittelpunkt des kommenden Jahres gestellt, das er mit der Öffnung der Heiligen Pforte in Rom ausrufen wird“, erklärt der katholische Pfarrer und Initiator Pitzal den Hintergrund.

Die Wände zieren soziale Einrichtungen

Den Mittelpunkt der Ausstellung bildet im Altarraum die in ein Herz eingebettete Krippe mit einem Nachbau der Heiligen Pforte als Eingangstor. „Umgeben ist diese von vier Häusern, die mit ihren Figuren und Darstellungen stellvertretend sind für die Kontinente Asien, Afrika, Amerika und Europa“, erklärt der Pfarrer. Die Wände der Martinuskirche sind sozialen Einrichtungen wie etwa Krankenhaus, Hospiz oder Altenheim gewidmet, sie werden als Miniatur-Bauten dargestellt und durch Bilder des Pfarrers ergänzt. „Das sind Orte, wo Bedürftige das Wohlwollen anderer benötigen“, sagt Pitzal. Im hinteren Bereich der Kirche zeigen die Macher derweil, wie sich Menschen jeglichen Standes auf den Weg nach Bethlehem machen.

Nicht zuletzt findet auch das Thema Flüchtlinge Eingang in die diesjährige Krippenausstellung – zumal diese immer das aktuelle Geschehen aufgreift. „Neben zerstörten Häusern und einer Zeltstadt gehen wir am Kircheneingang auch auf die allererste Flucht in der Bibel ein – die der Heiligen Familie nach Ägypten“, erklärt der Pfarrer.

Das Krippenopfer kommt übrigens Projekten in den Flüchtlingsländern Irak, Syrien, Eritrea und Äthiopien zugute, wohin der Pfarrer langjährige Beziehungen unterhält. „Wir wollen etwas Vernünftiges vor Ort aufbauen, damit die Menschen in ihrer Heimat bleiben oder dorthin zurückkehren“, sagt er. „Das ist mehr, als sie bei uns in Turnhallen unterzubringen.“

Dass vor allem das von Krieg zerrüttete Syrien eine Zukunft hat, davon ist er nach einer Unterredung mit dem Patriarchen Gregorius III. von Damaskus überzeugt – diesen traf er jüngst bei dessen Besuch in Neckarsulm. „Wenn sich die Großmächte USA und Russland einig werden, wird der Islamische Staat innerhalb von wenigen Wochen verschwinden“, sagt der Pfarrer. Trotz seiner Verbrechen am eigenen Volk sei der Machthaber Assad aber Teil der Lösung. „Wenn das Ergebnis ist, dass man Menschen retten kann, dann muss es auch wert sein, mit einem solchen Mann zu verhandeln“, so Pitzal.

Außerdem: „Laut dem Patriarchen sympathisieren viele Syrer mit Assad, weil es unter ihm eine große Religionsfreiheit gab.“ In der Flüchtlingsdebatte vertritt der Pfarrer ohnehin eine klare Meinung. „Mir ist egal, was in Berlin entschieden wird. Mich interessiert nur, was wir mit den Flüchtlingen in unserer Stadt machen“, sagt der Mann, der das Erntedankfest mit vielen Schutzsuchenden in der Martinuskirche feierte. Bei der Gestaltung, beim Aufbau und bei der Betreuung der Renninger Krippe sind insgesamt mehr als 50 ehrenamtliche Helfer im Einsatz.

Die Proportionen müssen stimmen

Vor allem die richtigen Proportionen machten dem Team um Pfarrer Pitzal, das sich nach den Sommerferien der Ausgestaltung angenommen hatte, zu schaffen. „Es kann nicht sein, dass wir eine Tür haben, die der Figur nur bis zum Bauchnabel geht, das muss der Wirklichkeit entsprechen“, betont er. „Und nach Kitsch darf es schon mal gar nicht aussehen!“

Die Krippe in der Martinuskirche kann vom 13. Dezember bis 2. Februar zwischen 9 Uhr und 18 Uhr besichtigt werden. Neben Chören und Musikgruppen aus der Region werden sich auch diesmal wieder viele Prominente aus Kirche, Politik und Showbusiness die Ehre geben, darunter der frühere Erzbischof von Freiburg und Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz Robert Zollitsch, der CDU-Bundestagsabgeordnete Clemens Binninger, Schlagersänger Tony Marshall sowie Vatikan-Reporter Andreas Englisch.

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