Mathias Graner im Gespräch mit der Moderatorin Petra Thaidigsmann. Foto: factum/Granville

Ein Fernsehteam vom SWR-Landesschau-Mobil ist in diesen Tagen in der Stadt unterwegs. Neben der Malmsheimer Krippe und der Boschbaustelle steht auch ein historischer Stadtrundgang auf dem Programm. Der SWR zeigt die Folgen ab 17. Dezember.

Renningen - Winterliche Temperaturen herrschen in der Rankbachstadt, durch die Straßen bläst ein eisiger Wind. Es ist elf Uhr, das Fernsehteam bespricht im warmen archäologischen Museum im Realschulgebäude den weiteren Drehtag. Mittlerweile hat es aufgehört zu schneien. „Dann können wir jetzt mit dem Außendreh beginnen“, sagt die Reporterin Petra Thaidigsmann. Eingepackt in eine dicke Winterjacke, die Hände in wärmenden Handschuhen, und mit einem Regenschirm gegen Schnee und Regen bewaffnet, macht sich die Reporterin auf zur Bahnhofstraße. Dort trifft sie sich mit dem Renninger Stadtarchivar Mathias Graner zu einem Rundgang durch die Stadt.

Fünf Tage lang dreht das Fernsehteam vom SWR-Landesschau-Mobil in Renningen. Das Team, das sind neben der Stuttgarter Redakteurin und Moderatorin Petra Thaidigsmann der Kameramann Wolfgang Breuning und der Toningenieur Michael Hofer, der aus Renningen stammt und sozusagen Heimvorteil hat.

Drehort Wörnetstraße. Die Reporterin und der Stadtarchivar warten darauf, dass der Dreh anfängt. Auf der anderen Straßenseite haben der Ton- und der Kameramann Stellung bezogen. Michael Hofer verkabelt Thaidigsmann und Graner noch schnell, steckt ihnen Mikrofone an die Jacken. Dann kann es los gehen. Der Ton läuft, die Kamera ist bereit. „Und bitte“, ruft der Kameramann. Graner und Thaidigsmann stiefeln los.

Ein lautes „Stop“ hallt plötzlich über die Wörnetstraße. Das Team muss abbrechen, zu viele Autos fahren vorbei. Bis es weiter geht, dauert es eine Weile. „Für ein paar Sekunden Filmmaterial müssen wir manchmal mehrere Minuten drehen“, erzählt der Kameramann Wolfgang Breuning.

So ein Fernsehdreh bedeute vor allem eines: Warten auf den richtigen Moment. Einige Szenen müssen mehrfach aufgenommen werden, bis alles passt. „Gerade bei Außenaufnahmen kommt häufig etwas dazwischen“, erklärt Breuning. So wie die neugierigen Schüler, die sich langsam durch das Kamerabild schieben und gar nicht daran denken, schneller zu laufen. „Kommen wir jetzt ins Fernsehen?“, wollen die Halbwüchsigen wissen. Als keine Antwort kommt, ziehen sie ab. „Da kann ja jeder kommen“, ruft ihnen der Tonmann Hofer hinterher und lacht.

Dann endlich überqueren Petra Thaidigsmann und Mathias Graner die Straße, machen vor dem alten Bauernhaus mit der Nummer Fünf Halt. „Vor 80 Jahren standen hier im Areal zwei, drei Bauernhäuser, ansonsten waren hier nur Wiesen, Felder und Obstbäume“, erzählt der Stadtarchivar. Die Bebauung sei erst nach dem Zweiten Weltkrieg in Fahrt kommen. Heimatvertriebenen und Flüchtlinge hätten sich in Renningen angesiedelt, die Industrie aus Stuttgart, Sindelfingen und Böblingen hätte sich entlang der Eisenbahn ausgeweitet. „Renningen hat eine strategisch günstige Lage“, erklärt Graner der Reporterin.

Der Kameramann Breuning hält voll auf das alte Backsteinhaus aus einem längst vergangenen Jahrhundert, als im Erdgeschoss plötzlich ein Fenster aufgeht. Ein Mann streckt verwundert den Kopf raus. „Filmen Sie etwa mein Haus?“, fragt er. „Ja klar, wir sind doch von der SWR Landesschau Mobil“, antwortet der Kameramann. „Ha ja dann“, sagt der Mann, grinst und schließt das Fenster wieder.

Auf dem Drehplan von Petra Thaidigsmann steht auch ein Rundgang mit der Heckennaturführerin Bärbel Ruof. „Auf der Boschbaustelle sind wir natürlich auch unterwegs“, erklärt die Reporterin. Wie der SWR auf Renningen gekommen ist? „Weil diese Region jetzt wieder an der Reihe war“, sagt sie. Außerdem biete sich so kurz vor Weihnachten die Malmsheimer Krippe als Thema gut an. Der Reporterin gefällt Renningen. „Hier gibt es sehr viel Interessantes zu entdecken“, sagt sie.

Noch bis einschließlich Samstag ist die taffe Fernsehfrau samt Team in Renningen auf Entdeckungstour unterwegs. Am Ende haben sie viele Bilder und Eindrücke für mehrere Vier-Minuten-Beiträge. Die laufen dann in der Woche vor Weihnachten in der Landesschau. „Für eine Episode von vier Minuten sind wir oft einen ganzen Tag unterwegs“, erklärt die Reporterin.

Ortswechsel. Das Filmteam steht auf der Brücke in der Hindenburgstraße. Der Tonmann Michael Hofer schwelgt in Erinnerungen. „Da drüben war die Molkerei“, erzählt er mit leuchtenden Augen und zeigt auf ein Haus, „da habe ich als Kind immer Milch geholt. Der Kameramann Breuning hat derweil die schnatternden Enten im Rankbach vor der Linse.

Dazwischen tummelt sich auch eine Schneegans, das Symbol der Renninger. Als Graner zur Geschichte über die „Schnaigas“ ansetzt, legt Petra Thaidigsmann die Finger auf die Lippen. „Die Kamera nimmt jeden Ton über ihr Mikro auf“, flüstert sie Graner zu. Inzwischen ist es nach 13 Uhr. Alle sind durchgefroren, haben kalte Füße und rote Ohren. Kurz aufwärmen, dann geht es weiter. Bis zur Dämmerung muss der Stadtrundgang im Kasten sein.

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