Der dritte Bauabschnitt der B 464 ist bald fertig, der Lückenschluss bleibt erst mal ein Provisorium. Foto: Archiv

Monatelang haben die Kommunalpolitiker auf diese Auskunft gewartet: Wie geht es weiter mit dem Lückenschluss, nachdem der Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) die große Lösung im Herbst wieder in Frage gestellt hat? Jetzt ist klar: Die Lösung mit ampelfreien Abfahrten kommt nicht. Erst wird das Provisorium fertiggestellt, dann überprüft, vielleicht in fünf Jahren könnte eine abgespeckte Variante folgen.

Renningen - Volles Haus in der Renninger Begegnungsstätte: gut 200 Zuhörer sind gekommen. Monatelang haben die Kommunalpolitiker auf diese Auskunft gewartet: Wie geht es weiter mit dem Lückenschluss, nachdem der Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) die große Lösung im Herbst wieder in Frage gestellt hat? Die Antwort gibt seine Staatssekretärin Gisela Splett: Die Lösung mit ampelfreien Abfahrten kommt nicht. Erst wird das Provisorium fertiggestellt, dann überprüft, vielleicht in fünf Jahren könnte eine abgespeckte Variante folgen.

Gisela Splett stammt selbst aus Holzgerlingen, wohnt aber schon viele Jahre in Karlsruhe. Nach dem Regierungswechsel wurde sie Staatssekretärin. Nun erteilt sie der sogenannten „Variante 10b“ eine Absage. Auf diese hatten sich alle politischen Kräfte im Landkreis eigentlich verständigt. Sie würde eine direkte Verbindung von Renningen zur Kreuzung bringen, und große „Ohren“ mit Abfahrten etwa bei der Abzweigung nach Warmbronn, die ohne Ampeln auskämen.

„Hier hat wohl jeder das reingeschrieben, was er gerne hätte“, sagt Splett. Daher sei die Lösung mit 18 Millionen Euro auch die teuerste und bringe die stärksten Eingriffe in die Landschaft. „Wie passt das zu den Zielen, zukunftsträchtigen Straßenbau effizient und umweltverträglich zu bauen?“, sagte sie. Daher habe man sich schon am 10. Dezember im Verkehrsministerium darauf verständigt, die kleine Lösung 8 weiter zu verfolgen. Hier blieben die Ampeln bestehen, Renningen hätte aber keine Südanbindung – hier will das Ministerium der Kommune aber entgegenkommen.

Die große Lösung lehnt das Ministerium ab

Zunächst aber soll das „Provisorium“ mit den Erdaufschüttungen an der B 295 fertig gebaut werden. „Wir werden dann überprüfen, wie sich der Verkehr dadurch entwickelt“, erklärt die Staatssekretärin. Der dritte Abschnitt der B 464 werde im Frühjahr fertig (siehe Grafik). Dann habe man eine Lösung, die funktioniere. Auf Nachfrage erklärte Splett, frühestens in fünf Jahren könne mit dem Bau einer abgespeckten Variante begonnen werden.

Dies wird nun von den Akteuren ganz unterschiedlich bewertet. Der grüne Abgeordnete Bernd Murschel sagte: „Ich finde es super, dass diese Lösung von allen getragen wird. So kommen wir voran.“ Straßenbau und Umweltschutz seien so im Einklang. Das sieht der Bürgermeister Wolfgang Faißt aber ganz anders: „Wir tun so, als redeten wir zum ersten Mal darüber. Wir suchen aber seit 13 Jahren nach einer Lösung.“ Man habe schließlich einen breiten Konsens für Variante 10 b gefunden.

„Wir brauchen einen Anschluss von Renningen nach Süden, etwa für die Daimler-Pendler“, forderte der Rathauschef, „sonst fahren 3000 bis 4000 Fahrzeuge mehr durch die Stadt.“ Die geplanten Kreisverkehre würden die 34 000 Fahrzeuge auch nicht tragen. Sein Fazit: „Diese Lösung bringt etwas für den Verkehrsfluss, aber nicht für Renningen.“ Auch die Weiler Beigeordnete Susanne Widmaier sagte: „Auch wir drängen, dass es vorangeht. Wir brauchen bald eine Entlastung.“ Man könne nicht noch lange das Provisorium prüfen, sondern man müsse bei dem Thema endlich vorwärts kommen.

Die Bürgerinitiativen sind recht zufrieden

Die Lärmschutz-Bürgerinitiativen aus Leonberg und Renningen sind hingegen eher froh, dass die Ampeln stehen bleiben. Sie waren ohnehin gegen die große Lösung. „Der Konsens, dass keine Ersatzautobahn entstehen soll, wurde dadurch aufgekündigt“, erklärte etwa Ewald Thoma. Er forderte aber, realistische Verkehrszahlen zu errechnen, das Bosch-Zentrum sei bislang nicht berücksichtigt. Außerdem müsse jetzt schon der Lärmschutz geplant werden. Dem erteilte Gisela Splett allerdings eine Absage: „Das gibt das Gesetz nicht her.“ Die Debatte ging hin und her – und das wird sie noch ein paar Jahre lang tun.

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