Franz Pitzal (links) und Walter Supernat sorgen für den Feinschliff am Corcovado-Berg Foto: factum/Bach

Die Aufbauarbeiten zur Renninger Krippe in der Malmsheimer Martinuskirche laufen auf Hochtouren. Ob schließlich alle Gebäude und Figuren einen Platz gefunden haben, zeigt sich allerdings erst bei der Eröffnung am 16. Dezember.

Renningen - Tim Widmaier ist mit seiner Mutter Monika zur katholischen Martinuskirche in Malmsheim gekommen. In der Hand hält der kleine Junge einen bunten Plastikbagger. Extra für die Renninger Krippe gibt er sein Spielzeug her. „Das brauchen wir auch dringend für unseren Außenbereich“, sagt der Pfarrer Franz Pitzal und bedankt sich bei dem jungen Spender. Dort, vor den Türen der Kirche, entsteht bis zum 16. Dezember eine Miniatur der Bosch-Baustelle – und dafür fehlen noch allerlei Baufahrzeuge.

Der Hauptteil der Krippe wächst aber im Innern des Gotteshauses heran. Doch im Kirchenschiff herrscht noch leichte Unordnung. Hinter den Bänken steht etwa das Renninger Rathaus aus Pappe neben unzähligen anderen Gebäuden. „Markgröningen und Herrenberg hätten wir auch anzubieten“, sagt Pfarrer Pitzal, „nur wissen wir noch nicht, ob wir die alle unterbringen.“ Denn im Mittelgang reihen sich weitere Häuser aneinander. Vorab einen genauen Plan der Krippe zu machen, sei unmöglich, räumt der Geistliche ein. Auch für die vier bärtigen Puppen, die auf einer Kirchenbank liegen, steht der Verwendungszweck noch nicht fest. „Vielleicht nehmen wir eine davon als unseren Moses“, überlegt Pitzal laut.

Das diesjährige Motto der Krippe lautet „Uns allen zum Heil“. Es widmet sich einerseits den zehn Geboten, andererseits den Werten, die Europa zusammenhalten. Den Blickfang bilden jedoch zwei große Gebäude aus Pappe und Holz, die rechts und links des Altars fast bis zur Decke reichen. Pitzal klärt auf: „Der Petersdom soll an das Zweite Vatikanische Konzil erinnern, das vor 50 Jahren dort begann.“ Ebenso lang besteht die deutsch-französische Freundschaft. Also haben die Krippenbauer als zweiten Hingucker die Kathedrale der Ardennenstadt Reims auserkoren. Dort trafen vor 50 Jahren Konrad Adenauer und Charles De Gaulle zusammen.

Noch sieht es in der Martinuskirche aber aus wie auf einer Baustelle. Am Petersdom klemmt ein Gerüst, der Reimser Kathedrale fehlen noch die Türme. Dazwischen soll in den nächsten 14 Tagen der Berg Sinai Gestalt annehmen. „Das könnte aber noch etwas kritisch werden“, sagt Hubert Klug. Er steht der Konstruktion aus Papier und Holzlatten noch etwas skeptisch gegenüber. Der 75-jährige ist bereits 33 Jahre lang mit dabei. Er hilft vor allem als „Chefbeleuchter“ bei allen Lichtfragen – schon seit der ersten Renninger Krippe.

Franz Pitzal werkelt in der Zwischenzeit an einem ganz anderen Bereich. Direkt an der Eingangstür entsteht der Abschnitt, der die verschiedenen Reisestationen von Papst Benedikt XVI. zeigt. „Wir machen den einen Teil mit Fotos“, sagt er, als er mit der Leiter zwischen New York und Rio de Janeiro herabsteigt, „und den anderen mit Modellen.“ Nur haben die noch nicht alle ihren endgültigen Platz. Er wisse auch noch nicht, wo genau zum Beispiel die Fabrik hinkomme, die noch recht herrenlos herumsteht. Nur eines sei sicher: „Die steht für die Solidarität in Europa.“

Gewiss sei ebenfalls, dass die Krippe die Menschen zum Nachdenken bringen solle. „Und zwar Kinder und Erwachsene“, sagt Pitzal. Dafür sei die Weihnachtszeit nämlich auch da. Für die entsprechende Stimmung sorgt in der Martinuskirche ein Sternenhimmel aus rund 1500 elektrischen Lichtlein. Leben hauchen der Krippe die mehr als 600 Figuren von Hildegard Buchhalter ein. Mit ihnen will das Aufbauteam, zu dem unter anderem auch Martin Wratsch, Manfred Schremm und Walter Supernat gehören, außerdem den Tanz ums goldene Kalb darstellen. Das Götzenbild aus der Bibel lagert allerdings noch hinter dem Petersdom.

Zeitdruck bestehe noch keiner, versichert Walter Supernat. „Der kommt dann, wenn es gegen Ende an die ganzen kleinen Änderungen geht“, weiß der 78-Jährige. Doch es hilft alles nichts: Am Sonntag, 16. Dezember, muss der Aufbau fix und fertig sein, innen wie außen. Dann steht sicherlich auch Tim Widmaiers bunter Plastikbagger dort, wo er hingehört.

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