Das Jugendblasorchester spielt beim Jubiläumskonzert. Da zeigt es einmal mehr, dass es weit davon entfernt ist, altbacken zu sein. Foto: factum/Granville Foto:  

Der Liederkranz Malmsheim feiert seinen runden Geburtstag mit einem fulminanten Konzert. Begonnen hat alles, als sich 16 musikbegeisterte Malms­heimer am 28. Juli 1925 im Gasthaus „Zur Traube“ trafen.

Renningen - Als sich 16 musikbegeisterte Malms­heimer am 28. Juli 1925 im Gasthaus „Zur Traube“ trafen, um ein gemeinsames Hobby auszuüben, konnten sie nicht wissen, dass 90 Jahre später halb Malmsheim und Umgebung (sogar Ditzinger wurden gesichtet) zu ihren Konzerten pilgern würden. Heute gehören fast 150 Aktive und Jung-Musiker zum Musikverein Malmsheim und präsentieren ihre Heimatstadt erfolgreich im In- und Ausland. 90 Jahre Musikverein Malmsheim, das muss gefeiert werden – so richtig mit Jubiläumskonzert, Festschrift und reichhaltigem Buffet.

Knallrote Weihnachtssterne, Tannenreisig und Kerzen verbreiten adventliche Stimmung in der voll besetzten Schulturnhalle. Auch das Partnerorchester aus Ville-la-Grand, dem Musikverein seit 30 Jahren freundschaftlich verbunden, war zur Feier des Tages schon frühmorgens um 5 Uhr mit dem Bus angereist und wird vom Vorsitzenden Martin Warth begrüßt.

Zweisprachige Moderation

Zwei junge Musikerinnen übernehmen auf Deutsch und Französisch die Moderation. Den schwungvollen Auftakt macht das Jugendblasorchester unter Leitung von Jochen Unselt mit „The Magnificant Seven“, den Glorreichen Sieben aus dem Wilden Westen. Hochdramatisch wird es mit „Nessun dorma“ aus der Oper „Turandot“. Das Orchester präsentiert sich sehr konzentriert und mit einer vollen, warmen und ausdrucksstarken Klangfarbe. Nach Westernmelodie und Oper folgt Dixieland-Jazz in der „Dixieland Parade“, wobei die vier Solisten mit Tuba, Posaune, Trompete und Klarinette durch kecke Rhythmen und Charleston-Fieber besondere Aufmerksamkeit erzielen.

Bürgermeister Wolfgang Faißt hebt in seinem Grußwort die Rolle der Musikerziehung für die Persönlichkeitsbildung, die Überwindung nationaler und gesellschaftlicher Grenzen und ein besseres gegenseitiges Verständnis hervor. Die Partnerschaft mit dem Musikverein aus Ville-la-Grand gehöre zu dieser Erfolgsbilanz.

Passend zum Start des neuen Bond-Films „Spectre“ geht es mit Musik aus James Bond weiter: Der spannungsgeladene Sound erweckt die Illusion, als komme „007“ mit seinem Revolver gleich um die Ecke: „Mein Name ist Bond, James Bond“, aber vielleicht flirtet er auch nur mit Miss Moneypenny.

Das Jugendorchester verabschiedet sich mit „The Lord of the Dance“ mit irischem Flair, soften Tönen, tänzerisch-leicht, bis das Stück in einem Klein-Accelerando gipfelt. Die Franzosen von der „Harmonie Espérance de Ville-la-Grand“ unter Leitung von Timothée Sache stehen den Gastgebern in nichts nach und verbreiten mit „Happy together“ viel Gute-Laune-Sound. Mit französischer Eleganz und Raffinesse liefern sie ein Feuerwerk an spritzigen lateinamerikanischen Rumba-Rhythmen. Der französische Musikverein hatte 2014 sein 110. Jubiläum und somit noch ein paar Jährchen mehr auf dem Buckel als die Malmsheimer Freunde: Gastgeschenke werden ausgetauscht und es wird ein bisschen französisch parliert. Mit Esprit interpretieren die Franzosen aber auch melancholische Stücke und verabschieden sich, begeistert beklatscht, mit Michael Jacksons „Thriller“.

Vom Choral über Popsongs bis zum Salsa

Das Sinfonische Blasorchester betritt unter Leitung von Michal Schanz mit einem feierlichen Choral die Bühne, der mit raffinierten Trillern und funkelnden Trompetenklängen daher kommt: „Dance celebration“. Mit „Without You“, einem Pop-Song von Mariah Carey bringen Jasmin Haller und Karin Grübele am Saxofon groovige Klänge auf die Bühne. Bei „Danzas Cubanas“ kann das Publikum in Mambo- und Salsa-Rhythmen schwelgen: Das Orchester musiziert mit Temperament und Vitalität. Gerhard Weißenböck überbringt als Vorsitzender musikalische Grüße vom Blasmusik-Kreisverband. Auch die Kreissparkasse unterstützt den Musikverein und hat eine Überraschung parat: Marcel Kuß, selbst langjähriger Saxofonist, überreicht einen Scheck über 900 Euro, der widerstandslos akzeptiert wird.

Der Musikverein Malmsheim hat sich beim Jubiläumskonzert und der anschließenden Party trefflich präsentiert. Ob aber der martialische Militärmarsch „Preußens Gloria“ angesichts der Geschichte des Marsches und der derzeitigen Lage als Abschluss so recht geeignet war, darf bezweifelt werden – die französischen Gäste waren zum Glück jung genug, um sich nichts dabei zu denken. Warum nicht lieber ein vertrautes Adventslied zum Ausklang? Bald wird nun sowieso Neues geprobt: Am 12. März 2016 ist Wunschkonzert.

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