Yves Volte im Porsche Cayman GT4: Auf dem Nürburgring gewann er einen Sprintlauf in der GT-Cup-Serie. Foto: privat

Der Renninger Rennfahrer Yves Volte strukturiert sein Leben neu, um seine Motorsport-Karriere zu beschleunigen. Um einen Startplatz in der Serie GT4 Germany zu bekommen, richtet er sich einen Business-Tag zum Netzwerken ein.

Polizeikontrolle. Auch wenn man keine Rauschmittel konsumiert hat und das Auto tipptopp in Schuss ist, steigt bei vielen der Blutdruck. Yves Volte saß gelassen in seinem Mercedes, zeigte seine Papiere und war auf einmal völlig baff. „Ich kenne Sie. Sie sind doch Autorennfahrer. Ich habe in der Zeitung über Sie gelesen“, sagte der Polizeibeamte. Alles war in Ordnung, der Renninger durfte weiterfahren.

 

Solche Menschen wie diesen Polizisten sollte es häufiger geben auf der Welt. Millionenfach nicht unbedingt, aber tausendfach, wenn es nach dem 22-Jährigen ginge. „Ich kämpfe darum“, sagt Yves Volte, „meinen Bekanntheitsgrad zu steigern – es geht um meine Zukunft im Motorsport.“

Mittlerweile hat sich auch über die Grenzen eines Motodroms hinaus herumgesprochen, dass Motorsport ein teures Vergnügen und eine millionenschwere Profession ist – wird doch allein ein Frontflügel eines Formel-1-Boliden auf 100 000 Euro taxiert, der Heckflügel auf 65 000 Euro, das Chassis auf 500 000 Euro und der Motor auf summa summarum zehn Millionen Euro.

Yves Volte weiß, dass seine Leidenschaft nichts für einen billigen Jakob ist. Der Mann aus Renningen betreibt den Sport von klein auf, saß mit fünf erstmals auf einem Kart, startete in der Formel 4, in der China-GT-Serie und ist mittlerweile in der GT4 angekommen, wo er im Porsche Cayman des Grazer Razoon-Rennstalls im Gran-Turismo-Cup (GTC) fährt – und wo er kürzlich auf dem Nürburgring einen Sprint-Laufsieg feierte.

Etat rund 100 000 Euro pro Saison

„Diese Erfolge“, sagt er, „sind wichtig, denn nur so bin ich präsent.“ Nichts geht über Siege im Sport, für Yves Volte sind Podiumsplatzierungen eine unabdingbare Überlebensversicherung als Rennfahrer. Nur mit ihnen steigert man seinen Marktwert bei Sponsoren und wird attraktiv für neue Geschäftspartner. Denn im Motorsport verdienen nur die wenigsten Piloten ordentlich Geld – die talentierten Jungs und Mädels, die eines dieser Cockpits ergattern wollen, müssen sich durch Nachwuchsklassen nach oben bugsieren. Sie müssen sich in aller Regel in Teams einkaufen, indem sie Sponsorengelder auftreiben oder einen der begehrten Förderplätze von Motorsport-Organisationen oder Rennställen ergattern.

Eine Saison in der GTC-Serie schlägt, so ist zu hören, mit einem niedrigen sechsstelligen Betrag zu Buche, ein Startplatz in der GT4 Germany ist noch ein paar zehntausend Euro teurer. Dort will Yves Volte hin, deshalb hat er sogar das Leben umgekrempelt. In seinem Job als Groß- und Außenhandelskaufmann arbeitet er nur noch von Montag bis Donnerstag (bei gleichbleibender Wochenarbeitszeit), der Freitag ist von September an sein Motorsport-Business-Tag. „Ich habe dieses Ziel und ich muss einen Weg finden“, betont der Renninger, „dahin zu kommen."

Marktrecherche für einen Sponsor

Seine Route führt über eine holprige Strecke. Yves Volte nutzt künftig den Freitag, um sein Netzwerk zu erweitern, um Kontakte zu knüpfen, um potenzielle Sponsoren zu erkennen, anzusprechen und – bestenfalls – zu verpflichten. „Das geht nicht mehr nebenher abends nach dem Job“, erzählt er, „da muss man dranbleiben, sich engagieren.“ Dazu gehört die Marktrecherche, welche Unternehmen überhaupt infrage kommen für eine Partnerschaft mit einem Motorsportler – das beste Konzept ist wertlos, wenn Racing und Unternehmensphilosophie nicht kompatibel sind. Genauso könnte man Diesel in den Tank eines Benziners kippen.

Yves Volte gibt zwar Gas und geht auf Kurs, aber noch viel zu häufig knallt er gegen eine Wand. An die entsprechenden Stellen vorzudringen, um sein Anliegen persönlich zu verkaufen, ist wie ein Regenrennen in undurchsichtiger Gischt. „Zu den entscheidenden Stellen vorzudringen“, erzählt er, „ist unendlich schwierig. Mails bleiben oft unbeantwortet.“ Beispiel? Um zum Marketingchef des Energydrink-Herstellers Monster durchzudringen, benötigte Volte ganze zwei Jahre. An seinem Motorsport-Freitag will er von September an das holprige Feld kontinuierlich und nachhaltig beackern.

Ziel ist die Rennserie GT4 Germany

Im Portfolio stecken alle möglichen Angebote – von Logos auf Overall oder Auto, über Taxifahrten und Präsentation des Porsche Cayman beim Unternehmen bis hin zu Track-Days, an denen die Partner an der Rennstrecke Einblicke in seinen PS-Kosmos erhalten. „Ich bin maximal flexibel“, sagt der 22-Jährige, „ich kann maßgeschneiderte Pakete zusammenstellen – ganz nach Wunsch der Sponsoren.“

Der Rennstall Razoon hat durchblicken lassen, dass er Yves Volte 2025 ein Auto in der GT4 Germany hinstellen würde. Zusatz: Wenn er eine bestimmte Summe von Sponsoren auftreibt. Der Renninger ist sicher, dass er dort „um den Titel mitfahren würde“, betont er, „weil ich die Zeiten der Konkurrenz kenne und ich die auch fahren kann.“ Aber im Motorsport genügt es nicht, Benzin im Blut vorweisen zu können – man benötigt auch Geld im Tank als Treibstoff.