Ein Untersuchung zeigt: An diesen Stellen entlang der großen Flüsse in der Region könnten Laichgebiete entstehen. In Stuttgart gibt es kein einziges!
Das Musterbeispiel findet sich zwischen Edingen und Neckarhausen im Rhein-Neckar-Kreis. Nach anderthalbjähriger Bauzeit ist dort bereits 2018 im Rahmen des interkommunalen Projekts „Lebendiger Neckar“ eine Fisch-Kinderstube entstanden. Auf einer Länge von 320 Metern und bis zu 55 Metern Breite findet sich ein 13 000 Quadratmeter großer Nebenarm des Neckars, der seither Fischen als Fortpflanzungs- und Rückzugsort dient. Gleichzeitig hat sich das Gebiet zum attraktiven Ziel für Spaziergänger entwickelt.
Wer Ähnliches in der Nähe der Landeshauptstadt sucht, wird immerhin an einer Stelle fündig: Auch bei Remseck (Kreis Ludwigsburg) ist in den vergangenen Jahren ein Fischlaichgebiet entstanden. Diesem sollen nun noch möglichst viele ähnliche Fischkinderstuben folgen.
Ziel ist es, den Artenreichtum zu verbessern.
Die CDU/ÖDP-Fraktion hat in der Regionalversammlung beantragt, eine Studie zu den Möglichkeiten zum Bau solcher Fischkinderstuben erstellen zu lassen. Es gehe dabei darum, den Artenreichtum in den Flüssen zu verbessern. Denn dieser sei besonders durch Stauwehre und das dadurch bedingte Fehlen von naturnahen Uferbereichen gefährdet.
Die Grundidee ist, geeignete Stellen am Neckar und der in ihn mündenden größeren Nebenflüsse zu identifizieren und zu erfahren, wo solche Laichplätze Sinn ergeben. Nun hat das beauftragte Büro am Fluss aus Wendlingen das Ergebnis präsentiert. In einer umfänglichen Analyse haben die Expertinnen 29 Plätze ausgemacht, die für ein solches Projekt in Frage kommen.
Viele geeignete Plätze liegen im Kreis Ludwigsburg
Am besten schneidet dabei ein Uferbereich der Enz bei Vaihingen an der Enz ab, gefolgt von zwei Bereichen am Neckar bei Mundelsheim und Hessigheim. Was besonders auffällt: Auf Stuttgarter Gemarkung haben die Wissenschaftler keine einzige geeignete Fläche für eine Fischkinderstube entdeckt. Dafür gibt es allein im Kreis Ludwigsburg 18 potenzielle Laichplätze, wobei die Enz das größte Potenzial besitzt.
Im Rems-Murr-Kreis gibt es immerhin sechs potenzielle Strandorte. Der am besten bewertete findet sich in Schorndorf an den Rems. Im Kreis Esslingen kommen vor allem Standorte in Neckartenzlingen und Neckartailfingen in Frage, für die Fils gibt es zwei Optionen bei Göppingen und Eislingen.
Jetzt sucht die Region das Gespräch mit den Kommunen
Der Verband Region Stuttgart will die Studie nun nutzen, um mit den Gemeinden ins Gespräch zu kommen. Wenn es dort die Bereitschaft zur Umsetzung der Pläne gibt, besteht im Rahmen des Programms Landschaftspark Region Stuttgart die Möglichkeit an regionale Fördermittel zu kommen.
Christine Baumgärtner, die Referentin für Landschaftsentwicklung und den Landschaftspark bei der Region, möchte aber noch einen Schritt weitergehen und das Projekt mit der gerade entstehenden Naherholungskonzeption für die Region verknüpfen. „Für uns geht es darum, so zentrale Themen wie Biodiversität und Geotopverbünde mit dem Naherholungskonzept zu verbinden.“ Baumgärtner: „Es geht also um mehr als eine reine ökologische Aufwertung der Flusslandschaften.“