Die Blumenkübel sind baden gegangen. Foto: factum/Bach

Eine Odyssee der Kübelgärten und Kippen am Strand – es gibt Neues an der Rems. Was, das verrät Harald Beck in der Gartenschau-Kolumne.

Remstal - Dass bei einer Gartenschau an einem ganzen Fluss entlang so manches den Bach runter geht, das versteht sich von selbst. So allerdings, wie es bachabwärts bereits in der zweiten Remstal-Gartenschau-Woche abgegangen ist, haben es sich diejenigen, die eine schöne, freundliche und nahbare Rems an Mann und Frau bringen wollen, mit Sicherheit nicht gedacht. Räumt das wild gewordene Gewässer doch tatsächlich einen ganzen Teil der schwimmenden Gärten in Remseck ab – mit purer Wassergewalt.

Nein, die Remstal-Gartenschau ist natürlich nicht völlig den Bach runtergegangen, die Schäden haben sich flussaufwärts in Grenzen gehalten. Und inzwischen strahlt zwischen Remsquelle und den jenseits von Remseck im Neckar dümpelnden Gartenkästen zeitweise längst wieder etwas Mai-Sonne.

Die Remsgärten schwimmen im Neckar

„Freischwimmende Gärten“ würden wir da als neuen Namen für die Gartenschau-Attraktion mit Migrationshintergrund vorschlagen, wenn nicht der Leiter des Schifffahrtsamtes wäre, der derlei Freischwimmer als tendenziell lebensbedrohlich für seine Wehranlagen einstuft und weg haben möchte. „Remstal-Gartenschau setzt Neckarschiffer aufs Trockene“ – die Schlagzeile hätten wir natürlich auch schnell parat gehabt.

Aufgeatmet haben dürfte man speziell in Weinstadt. Wären dort die einst als alleinstellungsmerkmalverdächtiges Remsschmankerl angepriesenen Floating Stages tatsächlich auf dem Fluss vor Anker gegangen, dann hätte man diese in der Nacht zum Dienstag wahrscheinlich auch nicht schnell genug aus dem reißenden Nass lupfen können. „Geflutete Stages“ – auch diese Wortschöpfung zu deren quasi bühnenreifem Untergang ist uns verwehrt geblieben – das „leider“ dazu verkneifen wir uns anstandshalber.

Station mit kunstvoller Staunässe

Nass ist, so wird uns erzählt, regelmäßig auch der Boden des Kaminhauses, der architektonischen Station an der Weinstädter Birkelspitze. Auf der Betonplatte des luftigen Metallfachwerks mit Grillkamin braucht es keinen Starkregen für die Überschwemmung, da reicht normaler Mai-Niesel, damit sich angesichts der etwas höheren Metallumrandung eine knapp ein Zentimeter hohe, geschlossene Wasserfläche bildet. Kein Abflussloch im architektonischen Stationskunstwerk, wir haben es eigenfüßig überprüft.

Eine Passantin – „da werden ja ihre Schuhe ganz nass!“ – hatte dort ein noch viel drängenderes Problem. Drunten, dort wo die breite Ufertreppe direkt zum Zusammenfluss von Rems und Haldenbach führt, da gebe es keinen Abfallkübel und irgendwelche Saukerle hätten schon die ersten Kippen in die neue Uferidylle geschmissen. Das müsse man dem Herrn Oberbürgermeister doch unbedingt sagen, bricht es, trotz vorsichtigem Hinweis auf die unweit platzierten, je drei Kübel starken „Müllinseln“, geradezu heraus aus der schwäbischen Seele.

Ein dringlicher Gartenschauauftrag, der – hallo Rathaus – hiermit erledigt sei. Auch wenn jene Kippen, nehmen wir einfach mal an, vom reinigenden Wildwasser längst zu den in Seenot befindlichen Kastengärten im Neckar gespült sein dürften.

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