Der Riese Dundu war der Star beim Lichterfest der Gemeinde Kernen, das am 31. August im Rahmen der Remstal-Gartenschau. Foto: Patricia Sigerist

Blumenliebhaber und Kinder können auf erlebnisreiche Monate zurückschauen, nicht aber Jugendliche.

Kernen - Seine Remstal-Card hat Andreas ­Colosi, der neue Fraktionsvorsitzende des Parteifreien Bündnisses (PFB), nie genutzt. Ähnlich mag es manchem jungen Menschen gegangen sein, der das Eintritts- und Gutschein-Abo erworben hatte und nicht zufällig ein ausgesprochener Freund von üppigen Blumenschauen ist. „Das hat mich tatsächlich wenig interessiert“, sagt der 31-Jährige.

Da waren gut zur Hälfte auch jüngere Gesichter zu sehen

Viele Veranstaltungen der Remstal-Gartenschau in Kernen waren deutlich besser besucht als erwartet, aber eine bestimmte Altersgruppe jüngerer Menschen hat der Kernener Anteil an der großen Schau wohl tatsächlich nicht ebenso ansprechen können, vielleicht gerade noch mit Ausnahme des von 1000 Menschen besuchten Konzerts der Band „Glasperlenspiel“ im Schlosspark in Stetten. Da waren gut zur Hälfte auch jüngere Gesichter zu sehen, ganz anders als bei manchen anderen großen Events von der Schlagerparty über die Blasmusiker von Polizei und Bundeswehr, die Kabarettgrößen und andere gefühlte Senioren-Abende. Deren Besucher, das muss man etwa über die „Meilensteine der Rockmusik“ im Steinbruch Bayer sagen, bewegten sich nicht selten so, als seien sie jung geblieben, jedenfalls im Geist.

Die Angebote für Kinder waren wohl tatsächlich einer der größten Aktivpunkte dieser Gartenschau

Auch Andreas Colosi, dessen Fraktion dem Großereignis stets kritisch gegenüber stand, hat aber seine Freude über die Remstal-Gartenschau gehabt. Denn er hat einen Sohn: „Mein Sohn liebt die Herzogliche Kugelbahn. Die ist genial umgesetzt.“ Das werden viele Eltern unterstreichen können. „Einmal die Woche will mein Sohn hochfahren, um die Kugeln zu rollen.“ Die Angebote für Kinder waren wohl tatsächlich einer der größten Aktivpunkte dieser Gartenschau. Remstalauf und Remstalab sind meist schon vorhandene Kinderspielplätze zu beeindruckenden Kletterlandschaften ausgebaut worden. Während die neue Outdoorküche im Bürgergarten nach einer einzigen großen Kochshow ein langes Schattendasein führte und der dort angepflanzte Salat unbeachtet ins Kraut schoss, entpuppte sich das vergrößerte Kinderreich daneben als ein kleines Paradies.

Stets umzingelt von den Kleinen war aber der Lichter-Riese Dundu

Colosi fällt noch ein Spielplatz in Grunbach ein, der ihn begeisterte, es gab weitere in Waiblingen, in Schorndorf und anderswo. Der Spielplatz im Tal in Stetten hat sich sogar unter den vielen Fantasie- und Bewegungsflächen des Remstals noch durch seine Kletterfelsen hervorgetan. Das mit 1500 Besuchern fast überfüllte Lichterfest im Schlossgarten war mit Leuchtobjekten und Lasershow ein Augenschmaus. Stets umzingelt von den Kleinen war aber der Lichter-Riese Dundu, der für sie das größte Erlebnis darstellte. Die Kinder waren ohne Zweifel die größten Gewinner der Gartenschau.

Ob die weit auseinander liegenden Anziehungspunkte von Kernens Gartenschau im Außenbereich tatsächlich erwandert worden sind wie erhofft, lässt sich, weil es keine Kartenhäuschen gab, nicht so recht feststellen. Andreas Colosi ist davon überzeugt: „Das erlebe ich so, wenn ich im Ort unterwegs bin.“

Von der Remstal-Gartenschau könnten viele Bürger Kernens auch nach dem Finale mehr haben als schöne Erinnerungen

Immerhin wird berichtet, der Parkplatz in der Nähe der Glockenkelter, ein idealer Ausgangspunkt für Spaziergänge in die Flur, der früher tagsüber kaum benutzt wurde, sei zu Gartenschau-Zeiten voll gewesen. Colosi bemerkte viele Leute im Ort, die feiertags oder sonntags von außerhalb gekommen waren. „Die Gartenschau hat Stetten touristisch aufgeweckt. Er wäre schön, wenn man was draus machen könnte“, sagt er. Und auch wenn der Jugend Wanderslust fremd sein sollte: Das Wengerter-Häuschen beim abgelegenen, aber schönen Dichterblick oberhalb von Stetten, Kernens Exponat in der Reihe der 16 architektonisch hoch gelobten, aber wenig beachteten Remstal-Stationen, scheint ein häufiger Treffpunkt von Jugendlichen geworden zu sein. Es bietet Schutz vor Regen.

Die wenigen herausgegriffenen Beispiele zeigen: Von der Remstal-Gartenschau könnten viele Bürger Kernens auch nach dem Finale mehr haben als schöne Erinnerungen, ganz abgesehen von den Pflastern, dem Blütenreichtum an Kreisverkehren und straßenbegleitenden Beeten, den Mobilitätseinrichtungen oder Park- und Straßensanierungen, die auf Dauer eingerichtet worden sind. Die Abende an der Weintheke auf dem Platz der Klosterstraße oder Afterwork-Partys im Pfarrgarten rufen geradezu nach einer Neuauflage im nächsten Jahr. Wenn sich das Sommerfest vor Rommelshausens Bürgerhaus samt Open-Air-Kino auf Dauer etablieren lässt, wäre dies ein Gewinn.

Im Überschwang der Freude über den Besucherzustrom hat der inzwischen abgewählte Bürgermeister Stefan Altenberger einen kompakten Kultursommer für das nächste Jahr angekündigt. Man muss vielleicht seinen Nachfolger Benedikt Paulowitsch beizeiten darauf hinweisen, dass ein solches Versprechen auch einen Amtswechsel überstehen darf.

Der Bürgermeister zieht ein positives Resümee

Die Gemeinde Kernen hat sich in den vergangenen Monaten mächtig ins Zeug gelegt, um sich für Bürger und Besucher in Szene zu setzen. Das hat sich auf jeden Fall gelohnt, sagt Noch-Bürgermeister Stefan Altenberger auf Anfrage unserer Zeitung: „Rund drei Jahre beschäftigten uns Planung und Umsetzung. Den Besuchern hat es gut gefallen, mir auch.“ Nachhaltige bauliche Projekte und viele Grünprojekte seien verwirklicht worden. „Außerdem haben wir ein Veranstaltungsprogramm auf die Beine gestellt, das sensationell gut angenommen worden ist“, sagt Stefan Altenberger.

Beeindruckt hat den Bürgermeister die Unterstützung durch begeisterte Ehrenamtliche, durch Vereine und Organisationen sowie ein motiviertes Rathaus-Team. „Ohne dieses große Engagement wäre das alles gar nicht möglich gewesen. Die Freude in den Augen der Besucher zu sehen und die vielen Gänsehautmomente live mitzuerleben – ob bei Konzerten, dem Lichterfest oder den großartigen Blumenschauen – war für alle den Einsatz wert.“

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