Sarah Joepgen arbeitet als Juristin und ist zugleich Yogalehrerin. Für die 44-Jährige ist das kein Widerspruch: Die Kombination bereichert den Alltag der zweifachen Mutter.
Keine große Lebenskrise, keine gesundheitlichen Probleme, keine Überlastung oder der Wunsch, sich neu zu erfinden, sondern einfach die pure Neugierde haben Sarah Joepgen vor ziemlich genau elf Jahren zum Yoga gebracht. „Bewegung war schon immer meine große Leidenschaft. Am liebsten draußen. Dann war plötzlich Yoga in aller Munde, und ich wollte es auch probieren.“
Also schnupperte die 44-Jährige, die mit ihrem Mann und zwei Mädels in Remshalden-Grunbach wohnt, einfach mal rein und wurde quasi sofort in den Bann gezogen. Erst einmal die Woche in einem Kurs, dann aber immer öfter auch in Eigenregie daheim, rollte sie fortan die Yogamatte aus – bald gehörten die Übungen inklusive Kopfstand wie das Zähneputzen zur täglichen Routine. „Es hat mich einfach immer mehr gereizt, und ein Mini-Zeitfenster hat sich immer gefunden. Anfangs, als die Kinder klein waren, oft morgens. Mittlerweile habe ich aber auch nachmittags mehr Luft.“
Vom Funken zur Leidenschaft: Sarah Joepgen wird Yogalehrerin
Und der Funke ist bei der 44-Jährigen so sehr übergesprungen, dass sie eines Tages beschloss, sich zur Yogalehrerin ausbilden zu lassen. Zum einen, um tiefere Kenntnisse zu erwerben, zum anderen, um selbst unterrichten zu können – nebenberuflich versteht sich. Denn eigentlich ist die Frau, die gebürtig aus Gingen an der Brenz stammt, Juristin, und das aufzugeben, stand nie zur Debatte. „Jura war auch eine eher spontane Eingebung, bei der ich hängengeblieben bin, aber es hat sich schnell als die richtige Entscheidung herausgestellt, mit der ich sehr glücklich bin.“
Doch seitdem die 44-Jährige Yoga für sich entdeckt hat, ist sie noch ein bisschen glücklicher, und vor allem ausgeglichener und resilienter. „Für mich ist das ein Mix, der sich nicht ausschließt, sondern sehr gut passt und voneinander profitiert.“ Heißt: Am Vormittag arbeitet Sarah Joepgen als angestellte Rechtsanwältin beim Arbeitgeberverband, berät Klienten und vertritt sie vor Gericht. Und mittags rollt sie die Matte aus und wird zur Yogalehrerin, die großen Wert auf eine präzise Umsetzung der Übungen legt und ganz in ihrer Rolle aufgeht. „Ich überlege mir immer genau, wie die Stunden aussehen sollen. Oft läuft Musik. Ich gehe darin auf, und danach geht’s mir richtig gut, und ich habe den Kopf frei.“
Jura und Yoga, also Kopf versus Emotion – für die 44-Jährige sind die zwei Disziplinen keineswegs Gegensätze. Vielmehr empfindet sie den Mix als gelungene Bereicherung, die sie auch anderen ans Herz legen will. „Viele suchen nach einem Neustart, wollen aus dem Hamsterrad ausbrechen und haben Sehnsucht nach etwas Anderem. Aber so ein Cut kann auch neue Schwierigkeiten bringen“, sagt Sarah Joepgen und fügt hinzu, dass manchmal vielleicht ein Ausgleich schon helfen könne.
„Schon zehn Minuten am Tag können helfen“, sagt Sarah Joepgen
Der zweifachen Mama, die sich noch gut an die Zeit erinnern kann, als sie sich selbst mühsam etwas Zeit abknapsen musste, ist es wichtig, zu betonen, dass schon zehn Minuten am Tag helfen können. „Es geht einfach darum, den Horizont zu erweitern und sich was Gutes zu tun. Dafür braucht man sich nicht mit zu großen Vorsätzen stressen, sondern muss einfach anfangen“, sagt die 44-Jährige, in deren Brust zwei Herzen schlagen. „Ich war schon früher auf der einen Seite sehr kreativ und andererseits super strukturiert.“
So sei sie einerseits kunstbegeistert gewesen, andererseits „extrem ordnungsliebend“. Gleichzeitig sei der Wunsch dagewesen, draußen zu sein und im Dreck zu spielen. „Meine Aufgabe war es deshalb, herauszufinden, in welche Richtung ich beruflich gehen soll. Spontan hab ich dann entschieden, mal in Jura reinzuschnuppern, und auch die anfängliche trockene Theorie hat mich nicht abgeschreckt“, sagt Sarah Joepgen, die erst in einer Kanzlei arbeitete und dann zum Arbeitgeberverband kam.
Auch an diesem Montag stehen bei der 44-Jährigen nach dem Videocall telefonische Beratungsgespräche als Juristin an. Für eine Yogaeinheit hat es an diesem Morgen deshalb noch nicht gereicht, umso mehr freut sie sich auf den Nachmittag. Auch ihre Mädchen hat sie teils schon angesteckt. Und was ist mit dem Ehemann? „Der macht immer im Urlaub mit, wenn mehr Zeit ist.“
Es gehe ihr bei allem darum, dem Körper mehr Aufmerksamkeit zu schenken und sich in der schnelllebigen Zeit nur auf sich, die Atmung und die Übungen zu fokussieren, sagt die Frau, die seit ihrem zwölften Lebensjahr Vegetarierin ist. „Der schönste Effekt nach dem Yoga ist, dass Körper und Geist aufgeräumt sind, wie bei einem Reset“, sagt Sarah Joepgen, die anfangs kostenlos ihre Freundinnen unterrichtete, um reinzukommen und das Gelernte so schnell wie möglich anzuwenden.
Die meisten blieben dabei, und der Hobbyraum war bald ausgelastet. Heute unterrichtet die 44-Jährige deshalb in angemieteten Räumlichkeiten und bietet auch an, sich bei Bedarf von daheim online zuzuschalten. „Ich empfehle aber immer, eher vor Ort Yoga zu machen.“
Seit viereinhalb Jahren unterrichtet sie. Aktuell zweimal die Woche – Montagabend und Freitagmorgen. Sonnengruß, Krieger, Kobra, Schulterbrücke – die 44-Jährige stellt jede Stunde unter ein Thema, leitet genau an und achtet auf Atmung und Achtsamkeit. „Kraftvoll, herzöffnend, echt“, beschreibt sie den Stil in ihrem „Green Flow Yoga Remstal“ und wünscht sich, dass ihre Kursteilnehmer die Matte genau wie sie selbst als geschützten Raum erleben. „Das hilft mir auch als Juristin. Es stauen sich keine Emotionen auf.“ Stattdessen helfe das Yoga, gelassener mit Stress umzugehen. „Es geht nicht immer um Extreme, sondern um kleine Änderungen, um Kraft und Flow. Das möchte ich vermitteln und weitergeben.“
Sarah Joepgen – Juristin und Yogalehrerin in einem
Info
Weitere Infos zu Sarah Joepgen und ihrem Yogaangebot gibt es auf ihrer Homepage unter: https://www.greenflowyoga.com Dort wirbt die 44-Jährige auch für ein besonderes Event: Am Donnerstag, 21. Mai, 17 bis 21 Uhr, macht sie mit beim „Yoga für Artenvielfalt“ in Weinstadt. Anlässlich des diesjährigen Internationalen Tages der biologischen Vielfalt wird Yoga im Grünen praktiziert. Alle Spenden sowie sämtliche Einnahmen aus dem Getränkeverkauf fließen in Artenschutzprojekte des WWF. Der Abend findet statt auf dem Bio-Weingut Leon Gold, Buocher Weg 8, in Weinstadt (Gundelsbach). Los geht’s um circa 17.30 Uhr. Im Anschluss kann gemütlich vor Ort gepicknickt werden. EIn Weinausschank ist geöffnet. Die Teilnahme erfolgt komplett auf Spendenbasis für den WWF. Teilnehmer sollten eine Yogamatte und eine Picknickdecke mitbringen.