Die Funktionärinnenriege des neuen, rein weiblichen VfB-Fanclubs „NeckarMädelz 1893“: Diane Hobusch (Pressearbeit), Manuela Spallek-Biegelsky (zweite Vorsitzende) und die Vorsitzende Melanie Reichle (von links) Foto: Eva Herschmann

Die „NeckarMädelz 1893“ sind ein bunter Haufen von Frauen und Mädchen. Seit Ende April sind die rund 50 Mitglieder ein offizieller Fanclub des VfB Stuttgart. Der Sitz ist in Remshalden.

Zum deutschen Fußball-Pokalfinale zwischen dem VfB Stuttgart und dem FC Bayern München werden Melanie Reichle aus Remshalden (Rems-Murr-Kreis) und Diane Hobusch, die in Wendlingen (Kreis Esslingen) wohnt, nicht nach Berlin fahren. Die beiden VfB-Anhängerinnen werden das Spiel an diesem Samstag gemeinsam mit rund 16.000 anderen Fans beim Public Viewing auf der Großleinwand verfolgen, die auf dem Museumshügel des Mercedes-Benz-Museums aufgebaut ist. Und natürlich werden sie die Kluft der „NeckarMädelz 1893“ tragen, die seit drei Wochen ein offizieller Fanclub des Vereins für Bewegungsspiele ausschließlich für Mädchen und Frauen sind.

 

Auch beim Treffen in Remshalden, dem Sitz des Frauen-Fanclubs, haben Melanie Reichle, die erste Vorsitzende der NeckarMädelz, Manuela Spallek-Biegelsky, die zweite Vorsitzende, und die für die Öffentlichkeitsarbeit zuständige Diane Hobusch ihre T-Shirts und Jacken an – mit der Aufschrift „NeckarMädelz 1893“, darunter ein dicker roter Strich, der den Brustring symbolisiert, und ein rotes Herz. „Den Namen und unser Logo geben wir nicht mehr her“, sagt Diane Hobusch stolz.

NeckarMädelz 1893: Kein Ticketverein, klare Prioritäten

Ihr Erkennungszeichen prangt nicht nur auf T-Shirts, Hoodies und Jacken sowie auf ihrem Banner. Auch Buttons, Sticker, Taschen oder Schlüsselanhänger gibt es. Obwohl sie noch ein junger Fanclub sind, sind sie bestens organisiert und aufgestellt. Und die NeckarMädelz 1893 wissen, was sie wollen. „Wir unterstützen die Profis, aber auch die Frauen und die Jugend unseres Vereins“, sagt Melanie Reichle.

Die NeckarMädelz 1893 beim Stadionrundgang, an diesem Tag wurde der Grundstein für den Frauenfanclub gelegt. Foto: z

Auch, was sie nicht wollen, wissen sie genau. „Wir sind kein Ticketverein, davon distanzieren wir uns.“ Seitdem die Profis des VfB mit ihrem Trainer Sebastian Hoeneß nicht nur in der Bundesliga gut performen, und es immer schwieriger wird, Tagestickets zu ergattern, haben sich viele neue Fanclubs gebildet, um an Karten zu kommen. Und nach einer Sperre – sechs Monate für Heimspiele, ein Jahr für Auswärtsspiele – erhalten die offiziellen Fanclubs, kurz OFC, ein Kartenkontingent für ihre Mitglieder. Wie die NeckarMädelz ab der nächsten Saison die ihnen zustehenden Tickets verteilen werden, ist noch nicht endgültig geklärt. Aber größere Chancen habe, wer auch mal vor Ort die VfB-Frauen oder die U21 unterstütze, sagt die erste Vorsitzende.

Frauenpower beim VfB: NeckarMädelz stärken weibliche Fankultur

Alle Mädchen und Frauen, die älter als 16 Jahre und VfB-Fan sind, sind bei den NeckarMädelz willkommen. „Wir sind ein überregionaler Fanclub“, sagt Manuela Spallek-Biegelsky, die in Neudenau (Landkreis Heilbronn) lebt. Die mittlerweile fast 50 Mitglieder der NeckarMädelz 1893 kommen aus dem ganzen süddeutschen Raum. „Wir haben Leute aus Ulm oder Freiburg, und ein Mitglied ist aus Frankreich.“

Allen gemein ist, dass sie den roten Brustring auf dem Trikot und im Herzen tragen. „Wer genau hinschaut, sieht, dass im Stadion unheimlich viele Frauen sind, und diese weibliche Fankultur wollen wir stärken“, sagt Diane Hobusch. Die männlichen VfB-Anhänger fänden reine Frauenclubs auch cool. „Die Jungs vom Commando Cannstatt, einem der größten Fanclubs, freuen sich, dass es uns gibt.“

Auf dieses Bild hoffen die NeckarMädelz auch an diesem Samstag: Die Spieler des VfB Stuttgart recken – wie im vergangenen Jahr – den DFB-Pokal in die Höhe. Foto: Tom Weller/dpa

Melanie Reichle weiß, dass viel Potenzial in der weiblichen Anhängerschaft steckt. Sie ist Administratorin der Facebook-Gruppe „VfB Mädelz Olé“, in der sich ausschließlich Frauen über Fußball austauschen – und auch mal über die Spieler und ihre Leistungen ablästern. „Frauen unter sich können einfach lockerer plaudern“, sagt sie. Die Facebook-Gruppe ist auch die Keimzelle der NeckarMädelz 1893. Dort sei der Wunsch aufgekommen, eine Stadionführung zu machen, erzählt Melanie Reichle. „Die habe ich dann Anfang vergangenen Jahres organisiert.“ 30 Frauen erlebten mit dem „Stadionguide Dave“ einen „tollen Tag“ in der MHP-Arena, so die Vorsitzende. „Und am Ende habe ich versprochen, dass ich einen Frauenfanclub gründe.“

Seit dem 29. April 2026 sind die NeckarMädelz 1893 einer von mehr als 850 OFC des VfB Stuttgart. Auf ihrer Agenda stehen Teamgeist, Fairness und soziales Engagement. Sie tauschen sich mit anderen OFCs aus und beteiligen sich an Faninitiativen. „Wir sind gemeinnützig, tolerant und gewaltfrei und stehen für Respekt, Vielfalt und Zusammenhalt“, sagt Melanie Reichle.

Gewisse Grenzen der Toleranz gibt es aber bei den NeckarMädelz 1893. Wenn es an diesem Samstag für ihren Herzensverein im Pokalfinale in Berlin gegen den FC Bayern München geht, gelten ihre Sympathien und ihre Unterstützung ausschließlich den Männern in Weiß mit dem roten Brustring.