Schwäne, Wasser, glückliche Menschen: so stellen sich die Planer das neue Zentrum von Remseck vor. Foto: Büro für Stadtplanung und Architektur Düsseldorf

Remseck will direkt am Neckar ein komplett neues Stadtzentrum bauen. Zuvor müsste jedoch das Verkehrsproblem gelöst werden. Ein Lichtblick kommt nun aus Stuttgart.

Remseck - Auch an die Schwäne haben die Planer gedacht. Langgezogene Treppen bis an den Fluss, dahinter hochmoderne Gebäude, spielende Kinder, Bäume auf einer schicken Promenade und überhaupt: viele glückliche Menschen. So stellt sich das Düsseldorfer Architekturbüro, das den Ideenwettbewerb zur Neuen Mitte in Remseck gewonnen hat, eben diese Neue Mitte vor. Am Hechtkopf, dort, wo die Rems in den Neckar fließt, soll ein komplettes Stadtzentrum entstehen: mit Rathaus, Bibliothek, Bürgersaal, Wohnungen, Gewerbe und einem Park.

Kürzlich wurden die Modelle, auf deren Basis das Großprojekt voran getrieben werden soll, im Remsecker Gemeinderat präsentiert. Einige Bürger, die in zwei Planungswerkstätten ihre Wünsche formulieren durften, träumen schon von „mediterranem Flair“ in der Stadt.

Es gibt einen Haken. Mitten durch die Neue Mitte verläuft eine Landesstraße mitsamt Brücke, über die nach Angaben der Verwaltung täglich bis zu 32 000 Fahrzeuge donnern, darunter viele Pendler zwischen dem Kreis Ludwigsburg und dem Rems-Murr-Kreis. Weil das neue Remsecker Zentrum frei von Durchgangsverkehr sein soll, müsste die Straße verlegt werden. Nur wohin?

Die Bürger träumen von „mediterranem Flair“

Remseck setzte bis dato alle Hoffnungen in den Bau der so genannten Andriofbrücke zwischen Aldingen und Stuttgart-Mühlhausen. Diese könnte, in Kombination mit einem seit langer Zeit geplanten Nordostring, die Automassen aufnehmen. Doch daraus wird nichts. „Was den Nordostring angeht, ist die Lage fast aussichtslos“, sagt der Grünen-Landtagsabgeordnete Daniel Renkonen. Für Straßenprojekte dieser Größenordnung fehlten dem Bund und dem Land schlicht das Geld. Zumal Renkonen, und nicht nur er, die Straße „für absolut unsinnig hält“. Der Flächenverbrauch sei enorm, der Nutzen umstritten.

Voraussichtlich im Juni wird das Land eine Prioritätenliste veröffentlichen, erst dann steht fest, welche Verkehrsvorhaben in den nächsten Jahren gefördert werden. Dass die Andriofbrücke, deren Planung immer an den Nordostring gekoppelt war, dazu gehört, glaubt niemand mehr. „Wir müssen der Realität ins Auge sehen“, sagt der Remsecker Oberbürgermeister Karl-Heinz Schlumberger. „Unter dieser Regierung werden wir die Brücke nicht bekommen.“

Der Nordostring wird vermutlich nie gebaut

Aber vielleicht eine andere. In den nächsten Tagen treffen sich Experten des Verkehrsministeriums mit der Remsecker Verwaltungsspitze, um über Alternativen zu sprechen. Im Fokus steht eine neue Neckarquerung, ebenfalls in Remseck und nicht weit von der alten Brücke entfernt, aber außerhalb der Neuen Mitte. „Es gibt im Ministerium entsprechende Überlegungen“, bestätigt Claus Schmiedel, der Chef der SPD-Landtagsfraktion. Die Brücke müsste an das bestehende Straßennetz angebunden werden, so dass eine Querverbindung zwischen dem Kreis Ludwigsburg und dem Rems-Murr-Kreis entsteht. „Ohne eine solche Investition wird es nicht gelingen, die Verkehrsströme dort zu optimieren“, glaubt Schmiedel. Dies aber sei notwendig angesichts der angespannten Situation auf den Straßen. Das Konzept, sagt Schmiedel, müsste mit den anderen Kommunen im Umfeld abgestimmt werden. „Das ist kein Projekt, das in einem oder zwei Jahren umgesetzt werden kann.“

Aber für Remseck ist es ein Lichtblick. Zwar hätte die Andriofbrücke den ungeliebten Verkehr weit an der Stadt vorbei geführt. Aber um die Neue Mitte zu retten, würde man inzwischen auch eine deutlich näher am Zentrum liegende Querung mit Kusshand nehmen. „Die Zeit drängt“, sagt Schlumberger. Der OB hofft, dass schon in drei Jahren mit den ersten Bauabschnitten für den Stadtteil begonnen werden kann.