60 000 Tonnen Olivenöl jährlich werden mit einfachsten Mitteln in Bekarzala produziert. Die Abfälle – Ölwaschwasser und Trester – landen jedoch in der Umwelt – das könnte sich mit Schorndorfer Hilfe ändern. Foto: Privat

Die Städte Schorndorf und Schwäbisch Gmünd wollen auf kommunaler Ebene Entwicklungshilfe leisten – im Norden des Libanon. Die beiden Bürgermeister haben sich vor Ort ein Bild von der Lage gemacht.

Schorndorf - Probleme hat der kleine Ort Bekarzala im Norden Libanons direkt an der Grenze zu Syrien wahrlich genug: Die Stromversorgung funktioniert nur unzuverlässig. Die zusätzlichen Dieselaggregate stinken und sind teuer. Die Reste der Olivenölproduktion landen direkt in der Landschaft und verunreinigen das Grundwasser. Und auf 1500 Dorfbewohner kommen noch rund 500 syrische Flüchtlinge, die notdürftig in Garagen oder provisorischen Hütten untergekommen sind. „Das kann man sich kaum vorstellen“, berichtet der Schorndorfer Oberbürgermeister Matthias Klopfer.

Nun ist Hilfe in Sicht: Vier Tage waren Klopfer und sein Amtskollege aus Schwäbisch Gmünd, Richard Arnold, Anfang November im Libanon. Es war der zweite Besuch in der kleinen Kommune Bekarzala, zu der die Remstäler bereits 2017 Kontakte geknüpft und dort eine erste kleine Stippvisite gemacht hatten.

So sieht die Hilfe für das libanesische Dorf aus:

Dieses Jahr hatte die achtköpfige Delegation einen konkreten Projektvorschlag im Gepäck: Eine Biogasanlage soll nicht nur bei den Energieproblemen helfen, sondern auch die Umwelt entlasten. Finanziert werden soll das Projekt über Mittel des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. 700 Millionen Euro Bundesgelder stünden für verschiedene interkommunale Projekte bereit, sagt Matthias Klopfer. Die Bundesregierung suche dafür kommunale Partner. Im Sommer hat die Stadt Schwäbisch Gmünd deswegen die Initiative ergriffen und gemeinsam mit Schorndorf den Projektantrag zur fachlichen Unterstützung von Bekarzala gestellt.

Helfen können die schwäbischen Städte im Nahen Osten unter anderem mit ihrem Know-How: So reisten nicht nur die Stadtoberhäupter in den Libanon, sondern auch Andreas Seufer, der Geschäftsführer der Stadtwerke Schorndorf, sowie Steffen Johner von der Gesellschaft für Abfallbewirtschaftung im Ostalbkreis (GOA). Gemeinsam machten sie sich ein Bild von der Lage in Bekarzala, suchten nach Ansatzpunkten – und fanden sie in den zehn Olivenölmühlen, die in dem Dorf betrieben werden. „Im Trester steckt wahnsinnig viel Energie drin“, sagt Andreas Seufer. Diesen Abfall könnte man in einer Biogasanlage verwerten und mit dem entstehenden Gas Strom produzieren.

Diese Elektrizität könnte in dem 2000-Bewohner-Dorf für eine stabilere Stromversorgung sorgen. Das hätte wiederum mehrere Vorteile: Der mit Polyphenolen belastete Trester-Abfall käme dann nicht mehr in die Umwelt. Und die libanesische Kommune müsste weniger Diesel für die Notstromaggregate verbrauchen.

Bis die Biogasanlage läuft, werden drei bis fünf Jahre vergehen

Doch auch außerhalb der Olivenölernte müsste die Anlage mit Biomasse gefüttert werden. Diese könnte – und da kommt das Know-How der GOA ins Spiel – aus Küchenabfällen bestehen. Allerdings gibt es in Bekarzala noch keine Mülltrennung. Nur drei Mal im Monat kommt ein Müllauto, das 124 Kommunen gehört, vorbei und sammelt den Abfall ein, der auf einer zentralen Deponie landet. „Wir brauchen ein Gesamtkonzept für den Ort“, sagt Seufer. Daran wird nun in Schorndorf und Schwäbisch Gmünd gearbeitet. Bis die Biogasanlage tatsächlich steht und läuft, wird es noch dauern. Klopfer rechnet mit drei bis fünf Jahren.

Nur bei dem einen Projekt wollen es die beiden Kommunen nicht belassen. Denn bei ihrem Besuch in Bekarzala ist der Delegation aufgefallen, in welch marodem Zustand die örtliche Grundschule ist. „Sie platzt aus allen Nähten, und es regnet herein“, berichtet Matthias Klopfer. Auch die Ausstattung lasse zu wünschen übrig. Mithilfe der Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ) mit Sitz in Beirut wollen Klopfer und Arnold schnelle Hilfe leisten. Auch Spenden sollen die Schule unterstützen. „Mit unserem Engagement wollen wir auch Fluchtursachen bekämpfen“, betont Klopfer. Die Idee der Kanzlerin sei richtig, die Region zu stabilisieren.

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