Nur die Sanierung des in den 80er-Jahren erstellten Anbaus des Landratsamts scheint noch strittig. Foto: Gottfried Stoppel

Der SPD-Kreisrat Jürgen Hestler wähnt sich in einem Märchen, ansonsten scheint eine deutliche Mehrheit der Kreisräte zufrieden mit dem von Landrat Richard Sigel vorgelegten Konzept für die Kreisliegenschaften – und bereit, gut 100 Millionen Euro zu investieren.

Waiblingen - Es war einmal ein König mit Namen Richard, dessen Schloss war in die Jahre gekommen. Und so beschloss er, ein neues Schloss für sich und seinen Hofstaat zu bauen – größer und schöner als je zuvor. . .“ Der SPD-Kreisrat Jürgen Hestler hat sich in der jüngsten Sitzung des Kreistags-Verwaltungsausschusses zum Vortrag eines Märchens bemüßigt gefühlt – inspiriert durch eine Vorlage des Landrats zur Konzentration und Sanierung der kreiseigenen Immobilien in Waiblingen. Bisher sei die Geschichte nur bis zur Mitte bekannt, wenn aber er ein Happy-end schreiben dürfte, dann werde dieses neue Schloss nie gebaut. „Wir können es uns momentan schlicht nicht leisten“, sagt Hestler.

Insgesamt breite Zustimmung für die Pläne

Damit indes scheint der pensionierte Lehrer recht alleine da zu stehen. Zwar soll eine Empfehlung über das weitere Vorgehen erst im Juni und eine Grundsatzentscheidung im Juli gefasst werden, dennoch haben bereits mehrere Räte in der Ausschusssitzung schon jetzt angedeutet, dass der Verwaltungsvorschlag in ihren Fraktionen auf Zustimmung stoßen werde.

Wie berichtet, möchte die Landkreisverwaltung ihre zurzeit auf zehn Standorte verteilten Niederlassungen in Waiblingen auf zwei Arealen versammeln. Dazu sollen das Landratsamt auf dem Parkdeck neben der Polizei am Alten Postplatz erweitert und die aus den 50er- und 80er-Jahren stammenden bestehenden Gebäude nacheinander generalsaniert werden. Ein zweites Verwaltungsgebäude soll in der Rötestraße zwischen Bosch-Niederlassung und Jobcenter von der Kreisbaugruppe errichtet und angemietet werden. Die Kosten für Neubauten und Sanierung werden auf 100 Millionen Euro geschätzt.

Von einem noch unter seinem Vorgänger Johannes Fuchs angedachten Neubau eines Sozialdezernates auf dem ehemaligen Klinikgelände, aber auch einer zwischenzeitlich in Erwägung gezogenen Nutzung des Post-Areals an der Mayenner Straße will der Landrat Richard Sigel hingegen Abstand nehmen. Das jetzt vorgelegte Konzept bietet für ihn den Vorteil, stufenweise vorgehen und einzelne Schritte verschieben zu können – anders als etwa im Nachbarlandkreis Esslingen, wo laut Sigel „alles platt gemacht und auf einen Schlag neu gebaut“ werden soll.

Sanierung des Anbaus in Frage gestellt

Seine Fraktion stehe hinter der Parkdeck-Lösung betonte der Vorsitzende der CDU im Kreistag, Reinhold Sczuka. Das Immobilienkonzept sei schlüssig, seine Umsetzung dringend notwendig. Was in der öffentlichen Darstellung ein wenig zu kurz komme, sei die Tatsache, dass auch Nichtstun viel Geld koste. Statt in Mieten und Flickschusterei zu investieren, sei deshalb sinnvoller, eigene Werte zu schaffen. Allerdings: Über die mutmaßlich letzte Stufe des Immobilienkonzepts, die Sanierung des in den 1980er-Jahren erstellten pagodenförmigen Anbaus am Alten Postplatz, solle man vielleicht noch einmal nachdenken. Sczuka: „Ich bin mit nicht sicher, ob wir das Wahnsinnsgeld in eine Sanierung stecken sollten.“ Die Kosten dafür werden von der Verwaltung auf knapp 29 Millionen Euro geschätzt.

Genau diese Frage stellt sich auch Ulrich Lenk (FDP), ansonsten trage seine Fraktion das Konzept aber voll mit – auch, weil es Zug um Zug und ohne Interimsbauten umgesetzt werden könne. Auch die Freien Wähler stünden hinter den Plänen, sagte deren Sprecher und Waiblinger Oberbürgermeister Andreas Hesky. Es habe den zusätzlichen Charme, dass man je nach Haushaltslage über die Umsetzung der einzelnen Stufen entscheiden könne.

Während Jürgen Hestler die Bau- und Sanierungspläne grundsätzlich ablehnt, warnte sein Fraktionskollege Klaus Harald Kelemen vor vorschnellen Entscheidungen. Viel zu viele Detailfragen seien noch nicht beantwortet.

Das hingegen kann Christel Brodersen (Grüne) nicht verstehen, schließlich sei nach zwei Jahren Tüfteln an einem Konzept nun die Zeit gekommen, Farbe zu bekennen. Das sieht auch ihre Fraktionskollegin Christine Besa so: „Wenn wir die Arbeitsbedingungen der Mitarbeiter verbessern wollen, dann müssen wir da jetzt dringend ran.“

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