So friedlich wie hier ist die Rems nicht immer. Doch über den Schutz vor Hochwasser gibt es Streit. Foto: Frank Eppler/Archiv

Die Pläne des Wasserverbands Rems, ein Hochwasserrückhaltebecken zwischen Schorndorf und Urbach zu bauen, sind umstritten. Naturschutz und Hochwasserschutz stehen sich gegenüber.

Schorndorf/Urbach - Für die einen ist es ein Muss, für die anderen ein Tabu: Das geplante Hochwasserrückhaltebecken 5 (HRB 5) zwischen Schorndorf und Urbach ist heftig umstritten. „Wir kommen um das Becken nicht herum“, betont Hans-Peter Sieg, technischer Geschäftsführer des Wasserverbands Rems. „Es gäbe fatale Schäden, wenn das Becken gebaut wird“, sagt hingegen Wolfgang Bogusch, Vorstandssprecher des Naturschutzbundes Schorndorf (Nabu).

Das Problem: Das geplante Becken liegt in einem hochwertigen Naturschutzgebiet, das sogar unter strengem europäischen Schutz steht. Artenreiche und seltene Flachland-Mähwiesen sowie Auwald in den Gebieten „Morgensand“ und „Seelache“ wären von dem Bau bedroht, so der Nabu. Aus Sicht des Wasserverbands Rems werden allerdings diese 75 Hektar Einstaufläche gebraucht, um die Bewohner des Remstals vor Hochwasserschäden zu schützen. „Wir würden ja statistisch gesehen nur alle 20 Jahre einstauen“, sagt Sieg. Bereits jetzt trete die Rems an dieser Stelle mehrmals pro Jahr über ihre Ufer.

Ein Mediator soll vermitteln

In Siegs Augen liefert das HRB 5 die 1,1 Millionen Kubikmeter Rückhaltepotenzial, die das Remstal unbedingt brauche. „Mit dem Bau der bisherigen vier Becken erreichen wir noch immer nicht die geforderten 5,5 Millionen Kubikmeter, die wir im Ernstfall brauchen. Aber wir kommen unserem Ziel näher“, so Sieg. Deswegen hat er einen Plan für das Becken und den Verlauf der Rems davor und danach entwickelt und dem Wasserverband in seiner jüngsten Sitzung präsentiert. Auch Sieg macht deutlich: „Es ist ein Eingriff in ein ökologisch hochwertiges Gebiet. Nachher steht ein technisches Bauwerk in einem Naturschutzgebiet.“ Doch die 1,5 Hektar Fläche, die man während der Bauzeit brauche, erholten sich danach wieder. Zudem renaturiere der Verband die Rems auf insgesamt 1,9 Kilometern, etwa zwischen der historischen Wieslauftalbahnbrücke und dem Sportpark Schorndorf sowie südlich von Urbach. „Das wäre ein hochwertiger Ausgleich“, so Sieg.

Dieses Jahr möchte er für weitere Planungen und Abstimmungen nutzen und sich mit allen Betroffenen an einen Tisch setzen. Dabei soll ein Mediator vermitteln: „Der Wasserverband möchte eine Lösung finden, damit alle zufrieden sind“, betont der Geschäftsführer.

Naturschutzbund klar dagegen

Leicht wird das nicht, wenn man sich die Position des Nabu Schorndorf anschaut. Denn der Naturschutzbund stellt sich klar gegen das geplante HRB 5: „Das Becken würde das letzte großflächige Naturschutzgebiet im Remstal regelrecht in ein technisches Bauwerk verwandeln“, warnt Wolfgang Bogusch. „Bei einer mehrfachen Nutzung des Beckens würde der natürliche Charakter leiden“, sagt der Schorndorfer Vorstandssprecher. Seltene Tiere wie etwa die Feldspitzmaus seien bedroht. Dieses Nagetier sucht Zuflucht vor den natürlichen Fluten der Rems, indem sie Schilfstängel hinaufklettert. Bogusch befürchtet: Wenn das HRB 5 geflutet wird, steigt das Wasser über das Schilf, die Maus wird weggespült und ertrinkt.

„Wir sind nicht gegen den Hochwasserschutz“, betont Bogusch. Der Nabu favorisiert aber eine andere Lösung, nämlich ein Alternativbecken im Wieslauftal zwischen Miedelsbach und Haubersbronn. „Das Hochwasser der Wieslauf ist das große Problem für die Rems an dieser Stelle“, sagt Bogusch.

Aus Sicht des Nabu hat seine Alternative mehrere Vorteile. Nicht nur, dass das Naturschutzgebiet an der Rems unangetastet bliebe. Es wären auch die Bewohner der beiden Ortsteile Schorndorfs vor Hochwasser geschützt. Dem Nabu ist es so ernst mit seinem Vorschlag, dass er bereits 2015 für 12 000 Euro eine Machbarkeitsstudie zu dem alternativen Becken mit einem maximalen Einstauvolumen von 700 000 Kubikmetern Wasser in Auftrag gegeben hat. Damit auch nachgewiesen werden kann, dass der Standort auch technisch machbar ist, hat der Nabu nun für weitere 40 000 Euro eine technische Machbarkeitsstudie und Vorplanung samt Bodenuntersuchungen in Auftrag gegeben. „Diese Alternative ist ernst zu nehmen“, sagt Wolfgang Bogusch. „Wir sind für einen sinnvollen Hochwasserschutz.“

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