Mehr als 100 Einsätze, viele Brände – aber auch gezielte Böller-Angriffe. Die Silvesternacht war alles andere als ruhig.
Die Raketen waren kaum gezündet, schon heulten die Sirenen: Während andere das neue Jahr feierten, kämpften Rettungskräfte gegen Flammen, Rauch und Rücksichtslosigkeit. Von größeren Katastrophen blieb der Rems-Murr-Kreis zwar verschont, aber in der Summe waren die Einsatzkräfte im Dauerstress.
So rückten laut der DRK-Leitstelle Notfallhelfer in der Silvesternacht zu insgesamt 117 Einsätzen aus – etwas weniger als im Vorjahr zwar, doch die Belastung blieb hoch.
Allein 68 Mal schlugen Notfallrettung und Notärzte an – bei Bränden, Unfällen, internistischen Notfällen. Die Feuerwehr wurde 49 Mal alarmiert, der Rettungsdienst verzeichnete 42 Einsätze, darunter sieben mit Notarztbegleitung. Auch Krankentransporte liefen weiter: 19 Mal war der entsprechende Wagen unterwegs, meldet die Leitstelle.
„Herausfordernde Nacht“: Feuerwehr Fellbach im Dauereinsatz
Von einer „herausfordernden Nacht“ spricht etwa Alexander Ernst, Sprecher der Feuerwehr Fellbach. Schon am Morgen des 31. Dezember schlugen in einem Fellbacher Ladengeschäft Mitarbeitende Alarm – Rauchgeruch statt Feuerwerk. Ein technischer Defekt hatte einen Schmorbrand ausgelöst. Die Feuerwehr war rasch zur Stelle, lüftete, sicherte – ohne größeren Schaden.
Ebenfalls noch vor Mitternacht löste eine Brandmeldeanlage der Maicklerschule einen Alarm aus. Hier waren vor einer Fassade Böller in Brand geraten, die zwar von aufmerksamen Anwohnern mit einem Feuerlöscher gelöscht wurden, aber dennoch die Brandgase nach innen gelangten. Da nicht sicher war, ob die Unterkonstruktion der Fassade noch Glutnester enthielt, musste diese geöffnet werden
Kaum war das Jahr dann offiziell gestartet, brannte ein Balkon im Fellbacher Stadtteil Lindle, vermutlich durch Pyrotechnik entfacht. Auch hier: schnelle Reaktion, begrenzter Schaden. Und das war nur einer von insgesamt sieben Einsätzen in Fellbach in dieser Nacht – Kleinstbrände, ausgelöste Brandmelder, brennender Unrat auf Baustellen.
Insgesamt waren in Fellbach 40 Feuerwehrleute mit sieben Fahrzeugen im Einsatz – ehrenamtlich, wohlgemerkt. „Wir wünschen uns mehr Achtsamkeit beim Abbrennen von Feuerwerk“, so der Appell der Wehr.
Zielgerichtete Angriffe: Wenn Feuerwerk zur Waffe wird
Nicht nur Fahrlässigkeit, auch Vorsatz machte den Silvesterabend gefährlich: In Sulzbach warfen laut Angaben des Polizeipräsidiums Aalen Unbekannte einen Feuerwerkskörper gezielt gegen ein Wohnhaus in der Murrhardter Straße. Die Folge: eine zerborstene Fensterscheibe und 500 Euro Schaden. Die Polizei Backnang ermittelt – und bittet Zeugen, sich zu melden.
Insgesamt fällt die Bilanz der Polizei so aus: 34 Einsätze im Rems-Murr-Kreis, darunter 31 Brände. Der Gesamtschaden: rund 145.000 Euro.
Feuerwehr Schwaikheim: Funkenflug mit Folgen
Schon Stunden vor Mitternacht rückten auch die Wehren in Schwaikheim und Winnenden aus. Eine Silvesterrakete hatte Kunststoffteile unter einem Balkon in Brand gesetzt, Rauch drang ins Haus. 44 Feuerwehrleute löschten, kontrollierten, sicherten – unterstützt von Rettungsdienst, Polizei und DRK.
Diese Bilanz zeigt: Zwischen den Jahren gibt es für die Rettungskräfte keine Pause. Statt Party gibt’s Bereitschaft. Statt Wunderkerzen: Blaulicht. Ihr Einsatz verhindert, dass aus Funken Flammen werden. Und aus Silvester ein Desaster.