In der Rettungsleitstelle des DRK in Waiblingen können Ersthelfer jetzt noch zielgerichteter angeleitet werden. Foto: Gottfried Stoppel

Die Rettungsleitstelle der Deutschen Roten Kreuzes in Waiblingen hat jetzt eine Neuerung eingeführt, die einigen Menschen das Leben retten könnte.

Waiblingen - Jeder kann sich das mulmige Gefühl beim Anblick eines ohnmächtig am Boden liegenden Menschen vorstellen. Was kann ich tun? Was besser nicht? Soll ich beatmen oder nicht? Das Projekt „Gemeinsam gegen Herzinfarkt“ hat in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Roten Kreuz (DRK) in den vergangenen Monaten die Standorte von etwa 150 Defibrillatoren im Rems-Murr-Kreis zusammengetragen und in einer interaktiven Karte verzeichnet, auf welche die Notrufleitstelle des DRK in Waiblingen nun zugreifen kann.

Ziel ist, die Helfer von der Leitstelle aus anzuleiten

Das Ziel ist, den Ersthelfer vor Ort von der Leitstelle aus über das Telefon anzuleiten, welche Maßnahmen er ergreifen soll und ihm gegebenenfalls den Standort des nächstgelegenen Defibrillators zu übermitteln. „Bislang wussten wir zwar, dass es bei Firmen oder in öffentlichen Einrichtungen solche Elektroschockgeber zur Stabilisierung des Herzschlags von Menschen mit einem Herz-Kreislauf-Stillstand gibt“, erklärt der Mitorganisator, der Kardiologe Thomas Eul vom Rems-Murr-Klinikum Winnenden, „wir wussten allerdings nicht, wo diese sich genau befinden.“

Das habe sich durch die tatkräftige Mithilfe vieler Ehrenamtlicher geändert. Geht jetzt in der Leitstelle ein Notruf ein, bei dem es sich um einen Herz-Kreislauf-Stillstand handelt, könne ein Ersthelfer zu einem Defibrillator geschickt werden, um ihn dann unter telefonischer Anleitung fachgerecht einzusetzen.

Das Ziel sei, die Zeit, die zwischen einem Herzstillstand und dem Eintreffen des Rettungsdienstes vergeht, entscheidend zu verkürzen, so die Organisatoren. Im Grunde seien die ersten sechs bis sieben Minuten entscheidend, betont Andreas Jeron, der Chefarzt der Kardiologie im Winnender Rems-Murr-Klinikum. Nach zehn Minuten sei es zu spät und deshalb umso wichtiger, dass man den potenziellen Ersthelfern die Angst vor einem beherzten Eingreifen nehme. Gemeinsam mit der AOK veranstaltet der Verein „Gemeinsam gegen Herzinfarkt“ regelmäßige Infoveranstaltungen zu dem Thema in Firmen und anderen Einrichtungen.

Defibrillator nur acht Mal im Jahr benutzt

Für den Landrat Richard Sigel stellt das neue Netzwerk, welches unter seiner Schirmherrschaft steht, einen wichtigen Baustein für eine optimale Gesundheitsvorsorge im Kreis dar, während der zweite Schirmherr, Landtagsvizepräsident Wilfried Klenk, die Datenbank als eine innovative Idee und Vorbild für andere Regionen ansieht. Insgesamt erhoffen sich die Projektpartner einen deutlich höheren Einsatz der Defibrillatoren, als bisher. Im Jahr 2016 wurde bei 479 Notarzteinsätzen zu Herz-Kreislaufstillständen nämlich in lediglich acht Fällen ein solches Gerät vor dem Eintreffen des Rettungsdienstes benutzt.

Herzprobleme erkennen und richtig reagieren

Herzinfarkt
Bei einem Herzinfarkt zählt jede Minute. In den meisten Fällen lässt er sich an einem oder mehreren Alarmzeichen erkennen. Schwere, länger als fünf Minuten anhaltende Schmerzen im Brustbereich, die mit einem Engegefühl, heftigem Druck und Brennen im Brustkorb einher gehen, können ein Anzeichen sein. Ein weiteres Alarmsignal können plötzliche Atemnot, begleitet von Übelkeit, Brechreiz, kaltem Schweiß und blasser Gesichtsfarbe darstellen. Vor allem bei nächtlichem Erwachen mit Schmerzen im Brustkorb sollte laut Experten unbedingt ein Notruf abgesetzt werden, da diese Symptome klar auf einen Infarkt hindeuten.

Herzstillstand
Wichtig ist zunächst, die Person anzusprechen. Dabei sollte der Ersthelfer die Person an den Schultern schütteln und die Atmung überprüfen. Wenn die Atmung nicht normal zu sein scheint, raten Experten unbedingt den Notruf zu wählen oder jemand anderen darum zu bitten. Danach ist es wichtig, sofort mit der Herzdruckmassage zu beginnen. Dazu muss der Brustkorb zunächst freigemacht werden. Danach legt man eine Handfläche auf die Mitte der Brust und die zweite auf die erste Hand. Mit durchgestreckten Armen drückt man nun mit den Schultern über dem Druckpunkt das Brustbein etwa fünf Zentimeter nach unten. Dieses Prozedere wiederholt man 100 bis 120 mal pro Minute. Dabei muss die Person nicht beatmet werden.

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