Das Netzwerk ist an einem eigenen Logo zu erkennen. Foto: privat

In etlichen Betrieben in der Region Stuttgart steht der Firmeninhaber kurz vor dem Rentenalter. Damit die Unternehmensnachfolge rechtzeitig geplant wird, haben die Kammern, das Landratsamt und die örtlichen Banken im Rems-Murr-Kreis jetzt eine gemeinsame Anlaufstelle geschaffen.

Rems-Murr-Kreis - In den kommenden fünf Jahren steht laut Schätzung des Bonner Bundes­instituts für Mittelstandsforschung in rund 135 000 Betrieben Deutschlands eine Unternehmensnachfolge an. Rund zwei Millionen Beschäftigte werden davon betroffen sein. In der Region Stuttgart geht allein die Industrie- und Handelskammer von jährlich rund 3400 ihrer Mitgliedsbetriebe und 14 000 Mitarbeitern aus. „Wir stehen vor einem Generationswechsel“, sagt der Präsident der Bezirkskammer Rems-Murr, Claus Paal.

Nicht nur für den Einzelfall, auch für die Wirtschaft insgesamt sei von großer Bedeutung, dass dieser Wechsel gelinge, das Knowhow erhalten bleibe und die Arbeitsplätze gesichert würden. Schließlich weiß Paal ebenso wie Thomas Hoefling von der Handwerkskammer Region Stuttgart, dass dies nicht immer der Fall ist. Nicht selten scheitere eine Unternehmensnachfolge daran, dass sich der Betriebsinhaber viel zu spät darüber Gedanken gemacht habe.

Dem wollen die Kammern gemeinsam mit dem Landratsamt, der Kreissparkasse und den Volks- und Raiffeisenbanken im Landkreis konzertiert entgegenwirken. Am Montagnachmittag haben die Verantwortlichen eine Kooperationsvereinbarung für ein gemeinsames Netzwerk unterzeichnet. Dieses soll Unternehmer animieren, sich frühzeitig um eine Nachfolge zu kümmern und das Beratungsangebot zu nutzen. Die Informationen sollen über eine gemeinsam betriebene Internetseite kommuniziert werden.

Das schon von seinem Vorgänger Johannes Fuchs mitangestoßene Netzwerk solle als neutrale Anlaufstelle für alle Unternehmensgrößen dienen, sagt der Landrat Richard Sigel. Allen Beteiligten sei allerdings auch klar, dass sie ein sensibles Thema angingen, sagt Claus Paal. Die Unternehmensnachfolge könne eine hoch emotionelle Sache sein, bestätigt Thomas Hoefling, weil neben Werten und Hoffnungen oft auch Ängste im Spiel seien. Gerade im Handwerk bedeute eine Übergabe oft mehr als nur einen Firmenverkauf. „Es geht auch um ein Lebenswerk und die Alterssicherung.“ Routine habe dabei keiner der Betroffenen, ergänzt Ralf Walter vom Vorstand der Kreissparkasse Waiblingen, „das macht man in der Regel nur einmal im Leben“. Dass Geld und Übernahmewillige genug vorhanden sind, davon ist Claus Paal überzeugt. „Es müssen allerdings die Richtigen zusammengeführt werden.“

Die Situation in der Region Stuttgart

IHK
Laut einer aktuellen Studie der Industrie- und Handelskammer steht in den kommenden Jahren pro anno bei rund 3360 der insgesamt etwa 150 000 Mitgliedsbetriebe in der Region Stuttgart eine Unternehmensnachfolge an. Davon werden 840 Betriebe mit insgesamt 14 000 Beschäftigten auch als „übergabewürdig“ eingestuft – also mit einer entsprechenden Substanz ausgestattet.

Handwerk
Bei mehr als 30 Prozent der gut 30 000 Handwerksbetriebe in der Region Stuttgart hat der Betriebsinhaber das 50. Lebensjahr überschritten. Rund 50 000 Mitarbeiter könnten deshalb in den kommenden Jahren von dem Erfolg oder Misserfolg einer Unternehmensnachfolge betroffen sein. Während ein Handwerksbetrieb in früheren Jahren in der Regel in der eigenen Familie übergeben wurde, ist das heute nur noch in 40 Prozent der Fälle so. Besonders schwierig ist die Situation im Lebensmittelhandwerk

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