Rems-Murr-Kreis Diese Tiere suchen ein Zuhause

Von Phillip Weingand 

Flausch-Alarm im Tierheim Großerlach: Katzen-Neuankömmlinge haben sich als tragend entpuppt. Deshalb tummelt sich jetzt mehr als ein Dutzend Babykatzen dort – zusammen mit anderen Vierbeinern hoffen sie auf ein neues Zuhause.

Großerlach - Neugierig schieben sich Fellohren um die Ecke, hinter der Sofalehne vor und aus dem Klettergerüst herunter. Große Augen begutachten den Besucher: Ganze 16 Katzen, 13 davon noch Babies, wohnen derzeit in diesem Raum im Tierheim Großerlach (Rems-Murr-Kreis). Die Geschichte hinter der Kätzchenflut: Ein Herr hatte drei junge Katzen bei sich aufgenommen – als er schwer krank wurde, musste er sie gezwungenermaßen abgeben.

Wie im Tierheim üblich, vereinbarten die Tierheimleiterin Marion Bentrup und ihre Mitarbeiter einen Termin beim Tierarzt, zur Kastration. „Der hat nur den Kopf geschüttelt und gesagt, sie seien schon voll“ – will heißen, voll mit Katzenbabies. Da die drei Kätzinnen ihre Kleinen im Abstand von nur einem Tag zur Welt brachten, ist jetzt nicht mehr so genau klar, welcher Nachwuchs zu welcher Mutter gehört. Das ist wohl selbst den Alten egal: Bentrup erzählt, selbst beim Säugen wechselten sich die Tiere ab.

Überraschender Nachwuchs – ein häufiger Abgabegrund

Das Problem von unverhofftem Katzennachwuchs kennt sie gut. „Viele Leute haben nicht auf dem Schirm, dass Katzen schon ab fünf oder sechs Monaten zum ersten Mal rollig werden und tragend werden können.“ Aufklärung zu betreiben – auch das gehört für das Tierheim-Team dazu. Plakate werben für die Kastration, und Bentrup rät davon ab, Katzen draußen zu füttern. „Sonst ziehen die Tiere von Haus zu Haus und futtern sich durch. Dann reicht das Nahrungsangebot aus für drei Würfe im Jahr.

Und solch unerwünschter Nachwuchs landet dann nicht selten im Tierheim. Dort ist dieser Tage einiges los. Denn die Urlaubszeit ist für viele der akute Grund, Tiere loszuwerden – auch zum Beispiel das Kaninchen, um das sich der Nachwuchs ohnehin nicht mehr kümmert.

Ein Kater mit Aids, ein Terrier mit viel Bewegungsdrang

In den Gehegen und Zwingern des Tierheims Erlach leben auch einige schwer zu vermittelnde Vierbeiner. Zum Beispiel der Kater Gharib, der schon seit Ende Januar hier ist. Wegen Katzenschnupfens kam er einst erst einmal in die Tierklinik. Gharib ist ein ruhiger, verschmuster Geselle – doch ganz gesund wird er sehr wahrscheinlich nicht mehr.

Gharib hat FIV, das Katzen-Pendant zum menschlichen HI-Virus, das umgangssprachlich als Katzen-Aids bezeichnet wird. „Weil er aber kastriert ist, gibt es so gut wie keine Übertragungsgefahr“, betont Bentrup. Denn mit der Manneskraft schwindet auch die Kampfeslust – und damit der Hauptübertragungsweg der Immunschwächekrankheit. Auf Menschen oder andere Tierarten ist das Virus prinzipiell nicht übertragbar.

Ein anderes Sorgenkind ist wesentlich lauter: Django springt freudig bellend und fiepend am Gitter seines Zwingers hoch, als Bentrup sich ihm nähert. Der Deutsche Jagdterrier ist schon zehn Jahre alt – „nur er selbst weiß das noch nicht so ganz“, meint Bentrup schmunzelnd. Djangos Herrchen ist gestorben; seit er im Januar 2017 ins Tierheim kam, hat sich des Hunde-Seniors niemand erbarmt. Er dürfte auch nicht an jeden gehen: Die Jagdleidenschaft eines Terriers will ausgelastet werden, und einen ausbruchssicheren Garten bräuchte das neue Herr- oder Frauchen auch.

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