Die Mülldeponie in Backnang-Steinbach wird zurzeit zu einer riesigen Baustelle. Der Müllberg soll abgedichtet und rekultiviert werden. Allein für den ersten Bauabschnitt benötigt man voraussichtlich zwei Jahre. Foto: Gottfried Stoppel

Erstmals seit zehn Jahren sollen die Müllgebühren wieder angehoben werden. Die Steigerung um durchschnittlich 7,8 Prozent wird mit erheblich höheren Aufwendungen für Abfuhr und Deponienachsorge begründet.

Waiblingen - Erst vor einer Woche hat sich die Rems-Murr-Verwaltung im Kreistag das Okay für eine Neuorganisation der Abfallwirtschaft eingeholt. Eine wesentliche Begründung für die Zusammenlegung von Amt und GmbH in einer Anstalt öffentlichen Rechts: Durch wirtschaftliche Synergien und steuerliche Vorteile lasse sich Geld einsparen – mindestens drei Euro jährlich weniger seien so für den Müllgebührenzahler im Schnitt drin.

In der aktuellen Kalkulation für die kommenden zwei Jahre, die am Montag dem zuständigen Umwelt- und Verkehrsausschuss vorgelegt wurde, ist von Einsparungen indes nicht mehr die Rede. Im Gegenteil: Nach langen Jahren mit einem rückläufigen Gebührenniveau ergebe sich erstmals seit 2007 wieder eine Erhöhung, heißt es in der Vorlage. Im Schnitt sollen die Haushalte um 7,8 Prozent mehr zur Kasse gebeten werden. Außer den Jahres- und Behältergebühren sollen zudem auch die Preise für die Sperrmüllabholung sowie für die Pauschalanlieferungen auf die Mülldeponien angehoben werden.

Sammlung und Transport wird teurer

Als Grund für die Preissteigerungen nennt die Verwaltung zu erwartende Mehrkosten für die Sammlung und den Transport des Mülls. Diese ergäben sich zum einen durch steigende Müllmengen, zum anderen durch höhere Aufwendungen bei Neuausschreibungen, etwa beim Problemmüll oder der Holzverwertung. Auch bei der Biomüllaufbereitung in Neuschöntal und für das Personal allgemein seien höhere Kosten zu erwarten. Insgesamt müsse der Abfallwirtschaftsgesellschaft (AWG) für die kommenden zwei Jahre rund 4,7 Millionen Euro mehr überwiesen werden als bisher, so die Verwaltung.

Schon am Morgen vor der Sitzung hatten sich der Landrat Richard Sigel und der AWG-Geschäftsführer Gerald Balthasar bei einem Pressetermin auf der Müllde­ponie in Backnang-Steinbach eigens bemüht, die Gründe für die anvisierte Gebührenerhöhung plastisch darzulegen. Ein weiterer Punkt, der die Kalkulation nach oben treibt, sind laut den Angaben der Verwaltung deutlich steigende Nachsorgekosten auf den bereits stillgelegten Rest­mülldepo­nien. Gegenüber der jüngsten Kalkulation, die aus dem Jahr 2015 stammt, wird nun in den kommenden zehn Jahren mit Mehrkosten von 18,7 Millionen Euro gerechnet. Zurückzuführen sei dies wiederum unter anderem auf verschärfte Umweltauflagen.

Dreißigmal schädlicher als Kohlendioxid

Vier ehemalige Restmülldeponien im Landkreis müssen mit einer Oberflächenabdichtung versehen und rekultiviert werden. Mit dieser Maßnahme sollen langfristig die Bildung von Sickerwasser vermindert und der Ausstoß von Deponiegas weitestgehend vermieden werden. Letzteres gilt laut Gerald Balthasar als dreißigmal schädlicher als das Treibhausgas Kohlendioxid.

Während die kleinste der ehemaligen Kreisdeponien, jene in Kaisersbach-Lichte, bereits mit einer solchen Abdichtung versehen ist, nimmt man nun Backnang-Steinbach in Angriff. Um den Naturschutzauflagen gerecht zu werden – es gilt unter anderem, Refugien für Haselmaus, Zauneidechse und Klappergrasmücke zu erhalten –, wird das rund 11,5 Hektar große Gelände der Deponie in jeweils zwei Bauabschnitte aufgeteilt. Der Aufwand, den ein Ingenieurbüro im Auftrag des Kreises über insgesamt vier Jahre hinweg betreibt, ist enorm. Das ganze Gelände muss nicht nur mit einer riesigen Plane aus Spezialkunststoff sowie anderen Dichtmaterialien abgedeckt und dann mit einer rund zwei Meter dicken Humusschicht aufgefüllt werden. Es müssen auch Dränagen für das Sickerwasser geschaffen und dafür gesorgt werden, dass das weiterhin entstehende Deponiegas verwertet wird. Allein für die Abdichtung der Deponie in Backnang-Steinbach wird mit Kosten von fünf Millionen Euro gerechnet.

Gebührenhöhe weiter unter dem Landesdurchschnitt

Auch aus diesen Gründen sei eine Erhöhung der Müllgebühren dringend geboten, hat der Landrat später im Ausschuss betont und keinen Hehl daraus gemacht, dass er damit nicht zehn Jahre gewartet hätte. Dennoch liege die Last im Rems-Murr-Kreis auch nach der Steigerung immer noch in einem äußerst vertretbaren Rahmen. Der Muster-Mehrpersonenhaushalt soll künftig mit 138 statt bisher 128 Euro zur Kasse gebeten werden, der Landesdurchschnitt wird mit 151 Euro angegeben.

Der Ausschuss hat nach ausführlicher Diskussion die Empfehlung für eine Gebührenerhöhung an den Kreistag ausgesprochen. Möglicherweise wollen sich einzelne Fraktionen aber noch mit weiteren Anträgen einbringen.

Der Plan für die Müllgebühren

Musterhaushalt
Um die durchschnittliche Kostensteigerung darzustellen, geht man von einem Vier-Personen-Haushalt aus, der die zweiwöchentliche Leerung einer 60 Liter großen Restmülltonne und einer 80 Liter fassenden Biotonne bestellt.

Steigerung
Der Musterhaushalt muss sich auf eine Jahresgebühr von 73 Euro sowie 42 Euro für die Restmüllleerung und 23 Euro für den Biomüll einstellen, also insgesamt 138 Euro. Bisher waren 128 Euro fällig. Das entspricht einer Steigerung um 7,8 Prozent. Davor waren die Gebühren zehn Jahre lang stabil geblieben.

Sperrmüll
Ebenfalls erhöht werden soll die Gebühr für die Sperrmüllabholung. Für eine Fuhre soll man nun 20 statt bisher 15 Euro zahlen.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: