Auch Radwege – hier die jüngst fertiggestellte Spur bei Backnang-Heiningen – sind im Maßnahmenplan enthalten. Foto: Frank Rodenhausen

Die jüngste Bewertung des Kreisstraßennetzes macht deutlich: Mehr als ein Viertel ist im roten Bereich. Der neue Maßnahmenplan soll Abhilfe schaffen.

Der Asphalt bröckelt, der Handlungsdruck wächst. Auf vielen Kreisstraßen im Rems-Murr-Kreis zeigen sich längst nicht mehr nur harmlose Haarrisse – sondern Symptome einer alternden Infrastruktur. Das Landratsamt hat das erkannt und schon in den vergangenen Jahren mit einem Sanierungskonzept begonnen. Nun liegt der Maßnahmenplan für die Jahre 2026 bis 2029 für Kreisstraßen und Radwege vor.

 

Das 89 Seiten umfassende Werk ist bereits der vierte Plan dieser Art – aber der Reparaturbedarf ist nicht geringer geworden. Mehr als ein Viertel der insgesamt rund 383 Kilometer Kreisstraßen ist laut aktueller Erhebung in einem kritischen Zustand. Und auch beim Radwegenetz drückt der Schuh. Der Kreis setzt nun auf Prävention, großflächige Deckenbeläge – und erstmals auch auf die systematische Bewältigung von Unwetterschäden.

„Reparieren, bevor der Asphalt aufbricht“: Neue Sanierungsstrategie

Laut der Behörde steht dabei nicht mehr nur der grobe Straßenschaden im Fokus. „Wir gehen mehr in die Fläche und haben Fahrbahndecken im Fokus“, sagt der Amtsleiter Maximilian Zacharias. Das klingt technisch, heißt aber im Klartext: Reparieren, bevor der Asphalt aufbricht.

Die Kreisstraße bei Pfahlbronn wird aktuell aufwendig saniert Foto: Frank Rodenhausen

Bisher hatte sich das Straßenbauamt auf tiefgreifende, aufwendige Sanierungen konzentriert. Nun lautet die Devise: Prävention statt Totalsanierung. Der Fokus verschiebt sich auf großflächige Deckenbelagserneuerungen – eine Strategie, die laut Verkehrsdezernent Stefan Hein Kosten spart und Lebensdauer bringt. „Durch eine schnelle Sanierung der Deckschicht kann der Zutritt von Wasser in den Straßenkörper verhindert werden“, erklärt Hein. So soll die Nutzungsdauer der über 100 Kilometer betroffenen Streckenabschnitte, deren Zustand bereits den Schwellenwert der Bewertungsnote von 4,5 überschreitet, verlängert werden.

Straßenbewertung 2025: Stabil, aber nicht gut

Die Bewertung der Straßen ist das Ergebnis eines aufwendigen Verfahrens: Ein Messfahrzeug war 2025 im vierten Turnus auf rund 383 Kilometern unterwegs. Erfasst wurden Risse, Flickstellen, Griffigkeit – alles, was über Zustand und Sicherheit Auskunft gibt. Das Ergebnis auf einer Skala zwischen 1 und 5: Eine Gesamtnote von 3,17. Im Zehnjahresvergleich zwar verbessert, aber immer noch nicht wirklich gut.

Auch beim Radverkehr will der Rems-Murr-Kreis weiterkommen. Die Stabsstelle Radwege hat mit dem neuen Maßnahmenplan eine erste Radschnellverbindung in die Planung aufgenommen: Der RS 8 zwischen Remseck und Waiblingen-Hegnach. Wie die Verwaltung mitteilt, kommt dieser Schritt einer Straßenneubaumaßnahme gleich – mit entsprechend aufwendigem Verfahren.

Mehr Sicherheit für Radfahrende: Neue Maßnahmen im Rems-Murr-Kreis

Grundlage der Radverkehrsplanung ist die Zustandserfassung aus dem Jahr 2020. Dabei wurde ein Netz aus 1225 Kilometern bewertet. Auffällig: Fast 55 Prozent der Strecken führen Radfahrende noch gemeinsam mit Autos. Das Ziel ist klar: Mehr Trennung, mehr Sicherheit. Deshalb entstehen in den kommenden Jahren neun konkrete Maßnahmen an Radwegen, einige davon gemeinsam mit Straßenprojekten – zum Beispiel an der K1906 zwischen Burgstall und Erbstetten.

Der Radverkehr hat im Kreis längst strategische Bedeutung bekommen. E-Bikes, Berufspendler, Schulwege: das Fahrrad ist nicht mehr nur ein Freizeitvehikel. Das zeigt sich auch daran, dass der Kreis ein eigenes digitales Wegweisungskataster plant und das Zählnetz für den Radverkehr flächendeckend ausgebaut hat.

Schmale Wege: Landkreis sucht nach kreativen Lösungen

Allerdings: Viele Wege sind zu schmal. Und häufig muss der Landkreis improvisieren. Dort, wo kein separater Radweg möglich ist, wird geprüft, ob Schutzstreifen im Außenbereich angelegt werden können. Eine Lösung, die laut der Verwaltung allerdings nur selten umsetzbar ist, weil die notwendige Straßenbreite von 6,95 Metern kaum erreicht wird.

Die Folgen des verheerenden Hochwassers – hier die Hangrutschung an der Welzheimer Laufenmühle – haben im Maßnahmenplan eine eigene Rubrik. Foto: Frank Rodenhausen

Ein Novum im aktuellen Maßnahmenplan: Die Folgen des verheerenden Hochwassers im Juni 2024 sind erstmals als eigene Rubrik enthalten. Zehn Hangrutschungen, etliche Unterspülungen, zerstörte Böschungen – das Unwetter hat das Straßennetz schwer getroffen. Die Sanierung dieser Schäden, oft mit aufwendigen geotechnischen Sicherungen verbunden, soll laut dem Landratsamt bis Ende 2027 abgeschlossen sein.

Fördermittel entlasten, doch Brückensanierungen leiden

Finanziell wird das Land den Kreis dabei unterstützen – mit Förderquoten zwischen 50 und 75 Prozent. Dennoch verschlingen diese Maßnahmen Ressourcen, die an anderer Stelle fehlen könnten. Entsprechend wurden weniger Brückensanierungen eingeplant als im Vorjahr.

Neu ist auch die Rubrik „barrierefreie Bushaltestellen“. Ein Thema, das nicht nur Inklusion betrifft, sondern auch den ÖPNV im ländlichen Raum konkurrenzfähiger machen soll. 24 Haltestellen sollen in den kommenden vier Jahren barrierefrei umgebaut werden. Pro Haltestelle rechnet der Kreis mit Kosten von bis zu 100.000 Euro. Ein Kraftakt, aber ein notwendiger.

„Wir können nicht in vier Jahren den ganzen Kreis erneuern“

Dass der Maßnahmenplan nicht den vollständigen Bedarf abdeckt, ist den Verantwortlichen bewusst. „Wir können nicht in vier Jahren den ganzen Kreis erneuern“, heißt es. Deshalb wird priorisiert: Verkehrsbedeutung, Zustand, Sicherheit, Synergieeffekte.

Der Aufwand ist groß. Allein die Planungen, Bauverfahren und Genehmigungen kosten Zeit. Und doch: Der Plan ist eine Blaupause für eine verkehrssichere und nachhaltige Zukunft. Es ist ein Versuch, das Mögliche zu realisieren – in einer Zeit, in der vieles unmöglich scheint.