Rems-Murr-Kreis Der Wahlkreis Backnang als blaue Hochburg

Von Phillip Weingand 

Besonders erfolgreich in protestantischen Gegenden? Backnangs OB Frank Nopper hält das für einen Grund, warum der AfD-Kandidat Jörg Meuthen (Foto) oft gewählt wurde. Foto: dpa
Besonders erfolgreich in protestantischen Gegenden? Backnangs OB Frank Nopper hält das für einen Grund, warum der AfD-Kandidat Jörg Meuthen (Foto) oft gewählt wurde. Foto: dpa

Die rechtspopulistische AfD hat im Landtagswahlkreis Backnang fast 20 Prozent der Stimmen geholt. In Spiegelberg wurde die Partei gar stärkste Kraft – für den dortigen Bürgermeister ist das aber kein Grund zur Sorge.

Rems-Murr-Kreis - Mit fast 20 Prozent der Stimmen hat die AfD im Wahlkreis Backnang so viele Wähler von sich überzeugen können wie nirgendwo sonst in der Region Stuttgart.. In einzelnen Orten des Wahlkreises waren es sogar wesentlich mehr: In Spiegelberg stimmten fast 27 Prozent der knapp 1700 Wahlberechtigten für den AfD-Spitzenkandidaten Jörg Meuthen. In der Region gibt es nur zwei Orte, in denen die Partei ähnlich hohe Ergebnisse erzielt hat: Bühlertann im Landkreis Schwäbisch Hall (25,5 Prozent) und Zaberfeld im Kreis Heilbronn (25,4 Prozent). Spiegelberg gehört damit mit Pforzheim, Hügelsheim und Möckmühl zu den Orten, in denen die AfD zur stärksten Kraft wurde.

Einen „traurigen Rekord“ nennt das ein Rathausmitarbeiter in Spiegelberg. Der Bürgermeister Uwe Bossert sagt etwas diplomatischer, er sei „bestürzt“ über das Wahlergebnis. Allerdings weniger, weil er grundsätzlich etwas gegen die AfD habe: „Ich würde sie nicht in die ganz rechtspopulistische Ecke stellen. Für mich ist die AfD eine demokratische Partei wie jede andere auch.“ Allerdings bedauert Bossert, dass andere Kandidaten wie Wilfried Klenk (CDU) oder Gernot Gruber (SPD) von den Wählern in Spiegelberg mit hohen Stimmenverlusten abgestraft worden sind. „Sie haben über lange Zeit sehr aktive Wahlkreisarbeit geleistet“, sagt Bossert.

Laut den Daten des Instituts für Wahl-, Sozial und Methodenforschung (IWSM), das die Wählerwanderungen auf der Basis von Umfragen und Statistiken berechnet, sind in Spiegelberg besonders CDU-Wähler abgewandert: Fast sieben Prozent der Wahlberechtigten wechselten von Christdemokraten zur AfD. Bei SPD, Nichtwählern und Grünen liegt die Größenordnung bei zwei bis drei Prozent.

Backnangs OB: Katholiken weniger anfällig für Rechts

Der Spiegelberger Rathauschef kann sich nicht erklären, warum in seinem Ort die AfD solchen Zulauf erfahren hat. „Zwar hatten hier auch die Republikaner Mitte der 90er-Jahre gute Wahlergebnisse, aber dass Rechts hier Tradition hat, würde ich nicht sagen.“ Er wähnt die Ursachen in der Bundespolitik, denn im Ort könne die Unzufriedenheit nicht allzu groß sein: Erst Anfang Februar sei er in einer Schulteswahl mit rund 99 Prozent der Stimmen als einziger Kandidat wiedergewählt worden. Das Land habe Spiegelberg mit üppigen Fördergeldern bedacht, auch im Gemeinderat herrsche meist große Einigkeit. „Die Flüchtlingsunterbringung ist bei uns souverän und relativ geräuschlos über die Bühne gegangen.“ Wenn der AfD-Vorsitzende Jörg Meuthen sein Amt als Landtagsabgeordneter angetreten hat, will Bossert ihn einladen wie die anderen Abgeordneten auch. „Und ich hoffe, dass auch er die Bedürfnisse der Gemeinde Spiegelberg wahrnimmt.“

Hinter dem besagten AfD-Spitzenkandidaten vermutet zumindest der Backnanger OB Frank Nopper einen Teil des Erfolgs der Rechtskonservativen: „Herr Meuthen war eigentlich als einziges Gesicht der AfD landesweit auf Plakaten und in Diskussionsrunden zu sehen“, sagt er. Es sei eine alte Regel, dass Spitzenkandidaten drei bis vier Prozentpunkte mehr erreichten als ihre Partei im Durchschnitt. Ein weiterer Grund, so glaubt Nopper: „Ganz starke Ergebnisse holen rechte Parteien möglicherweise eher in evangelisch geprägten Gegenden. Katholisch geprägte Bereiche sind dafür weniger anfällig.“

Was den Umgang mit der AfD angeht, sagt Nopper, man dürfe die Partei nicht diskriminieren: „Mit ihr muss man sich kraftvoll inhaltlich auseinandersetzen. Und die etablierten Parteien müssen das Vertrauen der Wähler zurückgewinnen.“

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