Auf Teilstrecken bei Allmersbach, Welzheim und Alfdorf sollen von Sommer an die ersten Glasfaserkabel verlegt werden. Foto: dpa

Der Kreis will noch vor der Sommerpause mit der Verlegung von Glasfaserkabeln beginnen. Doch es gibt auch Kritik an den Plänen der Behörde, selbst für schnellere Internetverbindungen zu sorgen

Waiblingen - Der Ausbau mit leistungsfähigen Datenleitungen für schnelles Internet unter der Regie des Landratsamts könnte in Gang kommen. Läuft alles nach Plan, sollen noch in diesem Jahr die ersten rund sieben Kilometer eines sogenannten Backbone-Netzes realisiert werden. Im Rahmen von ohnehin anstehenden Sanierungsarbeiten der Kreisstraße zwischen den Allmersbacher Teilorten Heutensbach und Cottenweiler sollen Glasfaserkabel verlegt werden, ebenso will man eine interkommunale Teilstrecke zwischen Welzheim und Alfdorf-Rienharz bestücken.

Die Zeit drängt

Mit beiden Maßnahmen soll noch vor dem 31. August begonnen werden. Das ist wichtig, weil zu diesem Zeitpunkt die Sperrfrist für das sogenannte Markterkundungsverfahren ausläuft. Handelt der Kreis bis dahin nicht, könnten private Anbieter, die es bisher abgelehnt hatten, ein solches Backbone-Netz aufzubauen, der öffentlichen Hand noch dazwischenfunken.

Wie berichtet, haben sich die Landkreise in der Region darauf verständigt, Zubringer-Datenautobahnen erstellen zu wollen, die ähnlich wie überregionale Straßen das Rückgrat – englisch: Backbone – der Internetverbindungen bilden sollen. Der Rems-Murr-Kreis hat dazu auch bereits eine Grobplanung vorgelegt. Um jede der 31 Kreiskommunen anschließen zu können, wird demnach eine Strecke von rund 300 Kilometern Länge benötigt. Die Kosten für den Bau des Netzes werden nach Abzug von Fördermitteln auf 13 bis 15 Millionen Euro geschätzt.

Nun also ist der Startschuss für den zügigen Ausbau erfolgt? Im Umwelt- und Verkehrsausschuss des Kreistags ist die erste Maßnahme, für die bereits Mittel im Haushalt eingestellt wurden, zwar gut geheißen worden, es wurden aber aber auch Bedenken am weiteren Vorgehen laut.

Einstieg in die „Gigabit-Gesellschaft“

Zwar herrschte Einigkeit darüber, dass es höchste Zeit sei, möglichst flächendeckend in die „Gigabit-Gesellschaft“ einzusteigen, wie der Kreiswirtschaftsförderer Timo John das Szenario bezeichnete. Einzelne Räte wie Großerlachs Bürgermeister Christoph Jäger (CDU) indes meldeten Zweifel an, dass es die Kreise und Kommunen schaffen können, diese Aufgabe allein zu lösen. „Nehmt die großen Telekommunikationsanbieter mit an den Tisch“, lautete Jägers Credo. Ansonsten nämlich laufe man Gefahr, dass diese als Rosinenpicker und Trittbrettfahrer von den Bemühungen der öffentlichen Hand profitierten.

Ein Ziel ist es aber, gegenüber den privaten Anbietern einen gewissen Marktdruck aufzubauen. Dazu soll ein beim Verband Region angesiedeltes Breitband-Kompetenz-Zentrum gegründet werden, für das auf Kreisebene entsprechende Zweckverbände oder GmbHs ins Leben gerufen werden sollen. Das wiederum erscheint dem Schorndorfer Kreisrat Hermann Beutel (CDU) als ein „viel zu schwerfälliges bürokratisches Konstrukt“. Er plädierte für schlankere Strukturen.

Noch freilich ist bis auf die Ausschreibung der ersten kleineren Maßnahmen nichts beschlossen. Der Landrat Richard Sigel räumte ein, zurzeit einen schwierigen Spagat meistern zu müssen: „Wir müssen örtlich aufs Gaspedal treten und gleichzeitig eine Hand an der Handbremse haben, um auf politische Entwicklungen reagieren zu können.“

Mammutaufgabe innerörtlicher Ausbau

Die eigentliche Mammutaufgabe indes stünde auch nach der Realisierung eines Backbone-Netzes erst noch an: Der innerörtliche Ausbau mit Glasfaser, den dann die Städte und Gemeinden stemmen sollen. Das Ziel, das man sich in der Region gesteckt hat, liegt zwar zeitlich noch in einiger Ferne, ist aber sicherlich ehrgeizig genug: Bis zum Jahr 2025 sollen nicht nur die Kommunen, sondern alle Gewerbegebiete und die Hälfte aller Privathaushalte mit einem gigabitfähigen Glasfaseranschluss versorgt sein. Fünf Jahre später soll der Anteil bei den Privathaushalten dann noch auf bis zu 90 Prozent gesteigert werden.

Schlechte Verbindung

Situation
Fast drei Viertel der größeren Gewerbegebiete im Rems-Murr-Kreis verfügen laut einer Erhebung der Backnanger Firma TKT Teleconsult zurzeit nicht oder zumindest nicht flächendeckend über einen zukunftsfähigen Internetzugang. Auch im privaten Bereich werden mehr als die Hälfte aller untersuchten Regionen als unzureichend erschlossen eingestuft.

Ausbau
Um jede Kommune im Kreis an ein Backbone-Netz anzuschließen, wird eine Strecke von rund 300 Kilometer Länge benötigt. Ein Drittel davon könnte in vorhandenen Glasfasertrassen privater Anbieter angemietet oder über bereits gelegte Leerrohre bestückt werden. Der Gutachter empfiehlt, in drei ersten Ausbaustufen die zurzeit vergleichsweise schlecht versorgten Gemeinden im Norden und Osten des Kreises anzubinden.

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