Wenn dunkle Wolken aufziehen, ist bei der Ernte Eile geboten. Foto: Gottfried Stoppel

Im Sommer ist doppelt so viel Regen gefallen wie in den Jahren zuvor. Das hat dem Weizen und der Wintergerste zugesetzt.

Rems-Murr-Kreis - Sobald in den vergangenen Tagen die Sonne schien, konnte man sie auf den Feldern sehen: Mähdrescher, Anhänger voll mit Körnern und Strohballen. Die Getreideernte ist in vollem Gang. „Die Wintergerste ist schon weg, vom Weizen stehen vielleicht noch zehn bis 15 Prozent“, schätzt Georg Enssle, der Geschäftsbereichsleiter Landwirtschaft beim Landratsamt.

Ein großer Teil des im Rems-Murr-Kreises geernteten Getreides kommt zur Landwirtschaftlichen Genossenschaft Labag nach Marbach, zur Baywa nach Freiberg, aber auch zur Frießinger-Mühle nach Kirchberg und in kleinere Betriebe in Alfdorf und Hegnach. Die Menge des Getreides fällt in diesem Jahr aber geringer aus als im vorigen Sommer: „Normal sind etwa sieben Tonnen Getreide pro Hektar Fläche – derzeit sind es etwa sechs“, sagt Enssle. Hochgerechnet auf die rund 7000 Hektar Getreideflächen im Kreis rechnet er mit 42 Kilotonnen Getreide.

Die Feuchtigkeit führt zu stärkerem Pilzbefall

Die Körner sind kleiner ausgefallen als in den meisten Jahren zuvor, schuld an der schlechteren Ernte ist das Wetter. Anfangs konnten die Landwirte noch auf einen hohen Ertrag hoffen. „Von Mai bis Juli fielen dann aber rund 314 Liter Regen pro Quadratmeter – das ist etwa doppelt so viel wie sonst.“ Die hohe Feuchtigkeit führte nicht nur dazu, dass die überschwemmten Feinwurzeln weniger Nährstoffe aufnehmen konnten, sondern auch zu einem stärkeren Befall mit Pilzen. „Fusarium hat viele Körner befallen, der Mehltau geht auf die Blätter“, so Enssle.

Die Menge des eingefahrenen Getreides ist eine Sache – die Qualität eine andere. „Sie ist eigentlich Okay“, sagt Enssle. Der Eiweißgehalt sei aber etwas unterdurchschnittlich, weil die Körner weniger Nährstoffe einlagern konnten. Trotzdem sei der meiste eingefahrene Weizen noch sogenannter A-Weizen, also Qualitätsgetreide.

Reifebeschleunigung mit Glyphosat ist laut dem Amt kein Thema

Im Internet machte dieser Tage eine Videobotschaft des deutschen Tierfilmers und Naturschützers Andreas Kieling die Runde, der den Einsatz des umstrittenen Pflanzenschutzmittels Glyphosat zur Reifebeschleunigung vor der Getreideernte anprangert. Bei der sogenannten Sikkation werden Pflanzenbestände abgetötet, das Getreide reift ab. Dies macht es Landwirten möglich, den Erntetermin zu beeinflussen. Tatsächlich ist die Sikkation mit Glyphosat in Deutschland – unter relativ engen Vorgaben – zugelassen. Der Verband Deutscher Mühlen rät den Bauern jedoch, auf diese Praxis möglichst zu verzichten. Laut dem Nachrichtenportal „Agrar Heute“ wurden im vergangenen Jahr in 93 Prozent der Getreideproben keine Glyphosatrückstände gefunden. Im Rems-Murr-Kreis, versichert Georg Enssle, spiele die Sikkation keine Rolle: „Mir ist kein Fall bekannt, in dem das so gemacht wurde.“

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