Der 47-jährige Mediziner (3.v.l.) wird nun doch nicht Chefarzt in Schorndorf. Foto: Klinikum

Das Foto mit dem Landrat war schon gemacht, die Pressemeldung zur Einstellung des neuen Chefarztes der Gynäkologie in Schorndorf verschickt – dann kam alles anders: Der Mediziner wurde an seinem Arbeitsplatz in Bayern verhaftet.

Schorndorf - Die Worte waren blumig – wie immer, wenn eine große Einrichtung wie die Rems-Murr-Kliniken einen neuen Chefarzt einstellt. Der neue Leiter der Gynäkologie und der Geburtshilfe in Schorndorf, so teilte das Klinikum am Dienstag vergangener Woche feierlich mit, sei „fachlich und menschlich“ eine Bereicherung, er spreche vier Sprachen fließend und sei „versiert im laparoskopisch-minimalinvasiven Operieren“.

Der Waiblinger Landrat Richard Sigel schrieb, die neue Personalie „unterstreiche einmal mehr den Stellenwert des Standorts Schorndorf“. Der Neue, der auf dem mitversandten Foto zwischen dem Schorndorfer Klinikleiter und dem Geschäftsführer der Rems-Murr-Kliniken steht, blinzelt dem Betrachter freundlich entgegen. Er könne „zum nächstmöglichen Zeitpunkt“ antreten, hieß es.

Die bayrische Polizei verhaftet den Chefarzt an seinem Arbeitsplatz

Doch dann kam alles ganz anders: Am Dienstag hat die bayerische Polizei den 47-Jährigen, der bislang als Chefarzt in einer Klinik in Bayern gearbeitet hatte, verhaftet – an seinem Arbeitsplatz in Bayern. „Es besteht gegen ihn der Verdacht des Betrugs“, bestätigt ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Ingolstadt (Bayern), die den Fall bearbeitet, im Gespräch mit unserer Zeitung. Der Donaukurier hatte zunächst über die Festnahme berichtet.

Der Mediziner soll sich – so der Vorwurf der Staatsanwaltschaft – vom Kioskbetreiber der dortigen Klinik 5000 Euro geliehen und gewusst haben, dass er das Darlehen nicht wird zurückzahlen können. „Ob es noch weitere, ähnliche Fälle gab, wird derzeit ermittelt“, so der Sprecher. Die Polizei durchsuchte das Wohnhaus des Arztes – und am Donnerstag auch sein Büro in der bayrischen Klinik.

Da er bald seinen Arbeitsplatz wechseln sollte und die Möglichkeit bestand, dass er und seine Frau sich in ihr Heimatland Syrien absetzen könnten, sei die Staatsanwaltschaft von Fluchtgefahr ausgegangen – sie verhängte deswegen einen ersten Haftbefehl gegen den Mann.

Im Rems-Murr-Klinikum schlägt die Nachricht ein wie eine Bombe

Diesem folgte sehr bald ein zweiter. Der Mediziner war im März wegen Dokumentenfälschung verurteilt worden: Er war ohne gültigen Führerschein, dafür mit einer gefälschten griechischen Fahrerlaubnis, am Steuer ertappt worden. Die erste Rate der Geldstrafe von insgesamt 42 000 Euro bezahlte er nicht rechtzeitig – sondern erst während der Untersuchungshaft.

Dort leistete er auch eine Kaution, weswegen er seit Montag auf freiem Fuß ist. „Durch die Kaution könnten eine etwaige Geldstrafe und die Prozesskosten gedeckt werden, sodass wir den Prozess notfalls auch ohne ihn abschließen könnten“, erklärt der Sprecher der Staatsanwaltschaft.

In den Rems-Murr-Kliniken schlug die Nachricht von der Verhaftung, die am Tag nach der feierlichen Pressemeldung eingetroffen sein muss, ein wie eine Bombe. Das Klinikum muss sich nun erneut auf die Suche nach einem Chefgynäkologen machen. Und das, obwohl sich der nun ausgefallene Anwärter laut der damaligen Pressemitteilung „deutlich von allen anderen Kandidaten abgesetzt“ hatte. Ob die Stellenausschreibung für den Posten komplett neu aufgerollt wird, das stehe noch nicht fest, sagt eine Sprecherin der Kliniken.

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