Die Wege von Patienten und Besuchern trennen sich schon am Eingang. Foto: Gottfried Stoppel

Die Rems-Murr-Kliniken fahren wieder hoch: Von diesem Mittwoch an sind in Winnenden und Schorndorf wieder planbare Behandlungen möglich und Besucher zugelassen. Allerdings ist dafür ein aufwendiges Check-in-System installiert worden.

Winnenden/Schorndorf - Schon vor dem Portal des Winnender Krankenhauses erinnert ein Sicherheitsdienstmitarbeiter bei Bedarf freundlich daran, dass spätestens ab hier ein Nasen-Mund-Schutz getragen werden sollte. Drinnen weisen fünf Bildschirme den Weg zu verschiedenen Einlässen, die mit Glaswänden voneinander getrennt sind und an deren Ende jeweils ein Mitarbeiter in einem „Checkpoint“ wartet.

Die Rems-Murr-Kliniken haben sich akribisch auf das vorbereitet, was mancher den „Normalbetrieb“ nennt und sich dafür mehr Zeit genommen als andere Krankenhäuser in der Region. Von diesem Mittwoch an sind an den Standorten in Winnenden und Schorndorf wieder Behandlungen möglich, die wegen der Corona-Krise bisher zurückgestellt worden waren. Außerdem werden – wenn auch mit Beschränkungen – wieder Besucher an die Patientenbetten gelassen.

Vergleichsweise späte Rückkehr in „Normalität“

Zwar hätte man das schon früher machen können – Mitte Mai, als die Landesregierung im Zuge weiterer Corona-Lockerungen auch wieder „Publikumsverkehr“ an Kliniken erlaubt hatte – doch die „Rückkehr in die neue Normalität“ habe gut durchdacht sein wollen, betont der Geschäftsführer der Kliniken, Marc Nickel.

„Die Lockerung auszusprechen, ist schnell gemacht gewesen“, sagt Nickel rückblickend, „sie risikominimiert umzusetzen, war ungleich schwieriger. Der Teufel sitzt da im Detail“, hat er festgestellt. „Die Sicherheit der Patienten hat absoluten Vorrang gehabt. Zudem haben wir nicht unüberlegt ein Provisorium schaffen wollen, sondern etwas, mit dem alle Beteiligten auch noch länger gut leben können“, sagt der Landrat Richard Sigel, Aufsichtsratsvorsitzender der Kliniken. Man habe jetzt ein Gesamtsystem geschaffen, bei dem alle Zahnräder gut ineinandergriffen.

Am Anfang steht laut Nickel ein „Vorfluter“ oder „Wellenbrecher“: Ein flughafenähnliches Einlasssystem, das sich in verschiedene Bereiche trennt und helfen soll, größere Menschenansammlungen zu vermeiden sowie das Risiko von in die Klinik eingeschleppten Infektionen zu mindern: So werden nun Patienten mit „geplanten Behandlungen“ vorab auf das Coronavirus getestet und von jenen Patienten getrennt, die typischerweise ungeplant kommen: Durch den Gang „Notfall/Kreißsaal“ geht es etwa für einen verletzten Sportler oder eine Schwangere, bei der sich die Geburt ankündigt.

Besucher müssen vorab benannt werden

Besucher müssen vorab im System registriert sein. Pro Patient werden insgesamt zwei Personen zugelassen, die er vorher benennen muss. Eine Stunde pro Tag kann dann einer davon an das Patientenbett vorgelassen werden. Zuvor indes muss er am Checkpoint eine Abfrage von Symptomen negativ beantworten, die auf Corona hindeuten könnten: Husten, Atemnot oder Einschränkungen bei der Geruchswahrnehmung etwa. Wenn dann noch das Temperaturmessen sowie der Sauerstoffgehalt im Blut keine Auffälligkeiten zeigen, darf der Besuch gemacht werden – mit einer eigens vom Krankenhaus ausgegebenen und zertifizierten Mundschutzmaske.

Das Personal wird von den Patienten und Besuchern – allein in Winnenden rechnet man mit bis zu 1000 Menschen pro Tag – getrennt. Die insgesamt rund 2000 Mitarbeiter gelangen durch Nebeneingänge in die Gebäude. Jeder von ihnen muss jeden Tag eine Checkliste ausfüllen, die auf das Erkennen einer Corona-Infektion zugeschnitten ist. Am Standort Schorndorf ist alles analog zu Winnenden.

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