Welche Kapazität künftig am Winnender Klinikum vorgehalten wird, ist noch offen. Foto: Gottfried Stoppel

Weil das Sozialministerium keine weiteren Betten genehmigt, stellt das Rems-Murr-Klinikum sein Anbauvorhaben erst einmal zurück.

Berglen - Auch wenn sich der Landrat Richard Sigel und der Klinikgeschäftsführer Marc Nickel am Montagnachmittag betont optimistisch gegeben haben: Die Erweiterungspläne am Rems-Murr-Klinikum in Winnenden sind vorerst gestoppt. Entgegen anderen ursprünglichen Vorhaben werden nun auch keine Interimsbauten errichtet, allenfalls vorbereitende Maßnahmen ergriffen. Das haben beide in der jüngsten Kreistagssitzung in Berglen-Oppelsbohm einräumen müssen.

Vorbehalt: Zustimmung des Landes

Das Gremium hatte zwar erst im April der von Nickel vorgeschlagenen Medizinkonzeption für die Kliniken zugestimmt, die eine Erweiterung an beiden Standorten vorsah – allerdings unter dem Vorbehalt, dass diese auch die Zustimmung des Landessozialministeriums findet. Zwar hat der zuständige Minister, Manfred Lucha (Grüne), in einem Brief an den Landrat mittlerweile grundsätzlich gutgeheißen, dass die stationäre Gesundheitsversorgung im Rems-Murr-Kreis weiterhin von den zwei Krankenhausstandorten in Winnenden und Schorndorf aus geleistet werden soll, sich aber indirekt skeptisch gegenüber den Expansionsplänen geäußert.

Der Landrat indes liest aus dem Brief zuerst die positive Botschaft heraus: „Das Sozialministerium hat unserer Medizinkonzeption grundsätzlich zugestimmt, das Damoklesschwert, das über dem Standort Schorndorf hing, ist weg.“ Auch sehe er in den Aussagen des Ministers keine generelle Absage an das von den Kliniken verfolgte Wachstumskonzept. Gleichwohl werde man Erweiterungspläne erst dann in die Tat umsetzen, wenn diese vom Land auch mitgetragen würden.

Marc Nickel zeigte sich überzeugt davon, dass man das Ministerium früher oder später von den prognostizierten Wachstumszahlen überzeugen könne. Schließlich hätten die Kliniken, seit diese unter seiner Verantwortung stehen, bewiesen, dass die kalkulierten Wirtschaftszahlen der Praxis mehr als Stand hielten. Das Wachstum sei auch nicht etwa durch „Rosinenpickerei“ generiert, sondern vollständig aus der Funktion als Grund- und Regelversorger heraus. Die durchschnittliche Verweildauer sei mit der an anderen Krankenhäusern vergleichbar. Und man „räubere“ nicht in fremden Gebieten. Nickel: „90 Prozent unserer Patienten kommen aus dem Rems-Murr-Kreis.“

Diesen Argumenten, glaubt Nickel, werde sich auch das Sozialministerium öffnen – „wenn nicht heute, dann vielleicht im Herbst oder im nächsten Jahr“. Schließlich werde die Notwendigkeit zu wachsen durch die tatsächlichen Patientenzahlen bestätigt. Seine mantraähnlich wiederholte Einschätzung: „Wir sind auf einem guten Kurs, von dem wir auch das Ministerium überzeugen werden.“

Wachstumsprämisse alternativlos

So mancher Kreisrat sieht daran wohl Zweifel angebracht. Die Vorbehalte, was die Wachstumsstrategie betreffe, seien durchaus in der Stellungnahme des Ministers erkennbar gewesen, sagte etwa der Rudersberger Bürgermeister und SPD-Kreisrat Martin Kaufmann. Weil aber die Wachstumsprämisse in der Medizinkonzeption alternativlos sei, müsse politischer Druck erzeugt werden: „Unsere Landtagsabgeordneten müssen dafür sorgen, dass die Sache im Herbst auf die Tagesordnung kommt.“ Eine überparteiliche Allianz von acht Abgeordneten aus dem Rems-Murr-Kreis hat sich in einem gemeinsamen Brief bereits an den Minister gewandt.

Richard Sigel blieb in seinem Fazit am Ende der Diskussion bei einer positiven Einschätzung: Mit der Tatsache, dass die Schließung der Schorndorfer Klinik nicht mehr im Raum stehe, sei ein Meilenstein erreicht worden. Nun sei zu klären, „wie viele Betten am Ende des Tags in Winnenden stehen werden“. Kreis und Klinikleitung hätten den Auftrag, dies mit dem Ministerium zu klären – aber auch, was es wirtschaftlich bedeutet, wenn keine weiteren Planbetten mehr genehmigt würden.

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