Gut 37 Meter hoch ist der Mammutbaum, daneben leuchtet sein kleinerer Zwilling. Foto: dpa

Im Reutlinger Stadtteil Bronnweiler leuchtet weihnachtlich ein Mammutbaum. Ist er der größte in Deutschland?

Bronnweiler - Die Sache mit dem Guinness-Buch der Rekorde hat Friedel Kehrer-Schreiber enttäuscht wieder aufgegeben. „Die unterscheiden nicht zwischen einem natürlich gewachsenen Weihnachtsbaum wie dem unseren und einem zusammengesteckten“, sagt die Ortsvorsteherin von Bronnweiler, dem kleinsten Stadtteil Reutlingens. Etwa 37 Meter hoch sei der Mammutbaum, der direkt neben der Marienkirche wächst und der in der Adventszeit festlich erleuchtet wird. Er ist einer der größten Weihnachtsbäume Deutschlands und deshalb hat die Reutlingerin vor ein paar Jahren den vergeblichen Anlauf unternommen, den Weltrekord für den Bronnweiler Baum zu beanspruchen. „Wir müssten ihn mal wieder exakt vermessen lassen“, sagt sie. Doch sie weiß, dass es Konkurrenz im Land gibt.

Der Mammutbaum wurde 1864 gepflanzt und gehört zur „Wilhelma-Saat“. Württembergs König Wilhelm I. hatte Samen aus Kalifornien importieren und in der Wilhelma aufziehen lassen. Es habe wohl damals einen Erlass gegeben, dass die Setzlinge gepflanzt werden mussten, erzählt die Ortsvorsteherin. Sie gibt das jährliche Kommando für die Beleuchtung des Baums und seines wesentlich jüngeren Zwillings gleich nebenan, dann legt der Feuerwehrkommandant den Schalter um und die Kirchenglocken läuten.

Der Mammutbaum und die Marienkirche sind sich einander sehr nahe gekommen

Kirche und Baum sind einander über die Jahrzehnte sehr nahe gekommen, die Äste wachsen übers Dach hinweg, der Stamm überragt längst den Kirchturm. „Es ist ein kleines Wunder, die Kirche stützt den Baum, und der Baum stützt die Kirche“, sagt Kehrer-Schreiber. Man habe die Statik des Chorraums stets im Blick, falls eines Tages Verschiebungen auftreten sollten, müsse man reagieren. Nicht ganz klar ist, ob der Mammutbaum die Risse im Deckengewölbe zu verantworten hat oder ob er nicht im Gegenteil der Kirche zusätzlich Stabilität gibt, weil er den Untergrund entwässert. Die Fachleute sind sich da uneins.

Unklar ist auch, wer nun wirklich den größten Weihnachtsbaum im Land hat. In Rheinfelden-Eichsel im Kreis Lörrach steht neben der Pfarrkirche ein prächtiger Mammutbaum, der es angeblich auch auf 37 Meter bringt. Und in Badenweiler im Kreis Breisgau-Hochschwarzwald ist ein mindestens 35 Meter hoher Mammutbaum mit Lichtern geschmückt worden. Eine Laservermessung würde Gewissheit bringen, aber Friedel Kehrer-Schreiber ist das mittlerweile egal: „Ich finde wir haben den größten und schönsten Baum.“

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