Im Winnender Gebiet Schelmenholz bringt die Kreisbau zurzeit ein ganzes Quartier auf Vordermann. Foto: Gottfried Stoppel

Der Landkreis setzt seine Tochtergesellschaft für unterschiedlichste Bereiche ein – von der Schaffung bezahlbaren Wohnraums bis zur Quartiersentwicklung. Manches künftige Projekt hätte nicht sein müssen, sagt der Landrat und wirft seinem Vorgänger indirekt Planungsfehler vor.

Waiblingen - Fast 251 Millionen Euro – die Kreisbaugruppe Waiblingen hat ihr jüngstes Geschäftsjahr erneut mit einer Rekordbilanzsumme abgeschlossen. In den vergangenen fünf Jahren hat sich das Volumen der Landkreistochter damit in etwa verdoppelt.

Kreis stockt seine Anteile auf

Das Wachstum spiegelt auch die neue strategische Ausrichtung wider: Der Landkreis, der seine Anteile jüngst von 92 auf 94,96 Prozent aufgestockt und damit weitgehend alle Einzelanteilseigner ausgezahlt hat, will sich über die Kreisbau aktiv bei der Schaffung von bezahlbarem Wohnraum einbringen. 500 zusätzliche Wohneinheiten bis zum Jahr 2028 sind das selbst gesteckte Ziel. Dazu sind laut dem Kreisbau-Geschäftsführer Dirk Braune aus heutiger Sicht Investitionen in Höhe von rund 125 Millionen Euro nötig.

Dass der Bestand zum Ende des vergangenen Geschäftsjahres bei rund 700 Wohnungen weitgehend stagnierte, sei dem Umstand geschuldet, dass man sich mitten in einer Erneuerungsphase befinde. Während einerseits durchaus neue Wohneinheiten realisiert worden seien, habe man sich auch von nicht mehr wirtschaftlich darstellbaren Objekten getrennt.

Außerdem werde kräftig in die Modernisierung des Bestands investiert. Allein 55 Millionen Euro will die Kreisbau beispielsweise für die Gebietserneuerung im Winnender Schelmenholz aufwenden. Rund 100 Wohnungen sollen im Bereich Schiefersee auf den neuesten Stand gebracht werden, zudem sollen durch Nachverdichtung 140 neue entstehen.

Städtebauliche Entwicklung im Blick

Überhaupt sieht der Landrat Richard Sigel das Tochterunternehmen auch als eine Möglichkeit, die Kommunen bei der städtebaulichen Entwicklung zu unterstützen. So engagiere sich die Kreisbau beispielsweise beim Bau von Kindertagesstätten, die kleinere Gemeinden, wie etwa jüngst Winterbach, in der Form kaum realisieren könnten.

Auch bei der Entwicklung ganzer Quartiere ist die Kreisbau mittlerweile engagiert. Erst kürzlich sind die Kaufverträge mit der Diakonie Stetten für das acht Quadratkilometer große Gelände der Hangweide in Kernen unterzeichnet worden. Hier soll ein innovatives Wohngebiet entstehen, das Ansprüchen der Internationalen Bauausstellung (IBA) genügt.

Krankenhausneubau schöngerechnet?

Längst im Gange ist die Neuordnung der ehemaligen Krankenhausareale in Waiblingen und Backnang. Richard Sigel hat allerdings durchblicken lassen, dass er sich in diesem Zusammenhang mit „Altlasten“ konfrontiert sehe, deren Beseitigung wiederum nun die Kreisbau erledigen soll. So habe man bei der Kalkulation der Erlöse für den Verkauf des Areals in der Murrstadt in früheren Jahren – möglicherweise bewusst – versäumt, einen erheblichen Sanierungsbedarf für das dortige Parkdeck abzuziehen. Sigel geht von einem „ordentlichen dreistelligen Millionenbetrag“ aus. Das Parkdeck werde nicht nur für das benachbarte Gesundheitszentrum benötigt, sondern auch für den Besucherverkehr des laut den Planungen künftig weitgehend autofreien Quartiers.

Im Zuge der Haushaltsberatungen im Herbst will Sigel nun einen Kreisbau-Entwurf einbringen, der nicht nur eine Erweiterung der Parkierungsfläche, sondern auch weiteren Wohnraum vorsieht. „Man hätte den Gedanken bereits beim Verkauf einspeisen können, dann müsste man das Ganze jetzt nicht aus der Kreiskasse bezahlen“, so Sigel.

Klinik in Winnenden soll erweitert werden

Ebenso soll die Kreisbau Erweiterungspläne für das neue Klinikum in Winnenden präsentieren. Auch hier, so Sigel, sei möglicherweise sehenden Auges zu wenig Parkraum kalkuliert worden, weil der Neubaupreis nicht die 300-Millionen-Euro-Marke überschreiten sollte. Die Kreisbau hat nicht nur für ein neues Parkdeck weitere Flächen um das bestehende Klinikum herum erworben. Das Ziel ist auch, den Klinikbetrieb zu erweitern und ein Personalwohnheim zu bauen.

Die Kreisbau dient also als Allzweckwaffe für verschiedenste Problemstellungen rund um Immobilien? „Uns ist völlig klar, dass wir nicht alle Probleme allein lösen können“, sagt Sigel. Insbesondere in Sachen Wohnraumnot könne der Landkreis nur einen Bruchteil des tatsächlichen Bedarfs decken. Deshalb will man im Herbst in der Schorndorfer Künkelinhalle auch einen „Wohnbaugipfel Rems-Murr“ einberufen, bei dem möglichst viele Akteure zu einem Gedanken- und Strategieaustausch zusammenkommen sollen.

Die Kreisbaugruppe

Historie
Die Kreisbaugruppe ist aus der Kreisbaugesellschaft Waiblingen entstanden, die vor 70 Jahren von der Stadt Waiblingen zusammen mit einigen privaten Unternehmen gegründet wurde. Das Ziel war, der Wohnungsnot nach dem Zweiten Weltkrieg entgegen zu wirken. Nur ein Jahr nach der Gründung waren mehr als 100 Wohnungen entstanden, sieben Jahre später die tausendste Wohnung eingerichtet.

Heute
Seit 2011 sind unter dem Dach der Kreisbaugruppe drei Gesellschaften zusammengefasst: Neben der Kreisbaugesellschaft Waiblingen mbH die Rems-Murr-Kreis-Immobilien-Management GmbH und die Rems-Murr-Gesundheits GmbH & Co. KG.

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