Tropensturm in Honduras: Ein Polizist trägt ein Kind durch eine überflutete Straße Foto: AP/Delmer Martinez

Die Sturmsaison 2020 hat es in sich: „Eta“ ist bereits der zwölfte Wirbelsturm in Hurrikanstärke. Durch Überschwemmungen sind in Zentralamerika viele Menschen umgekommen. Und die Zeit für Tropenstürme ist noch nicht um.

San Pedro Sula - In Folge des Sturms „Eta“ sind in Zentralamerika mindestens 57 Menschen ums Leben gekommen. Von Panama bis Guatemala wurden Häuser überflutet, Hilfsorganisationen warnten vor einem Desaster in der Region durch Überschwemmungen und Erdrutsche.

Allein 25 Menschen seien getötet worden, als eine Schlammlawine Häuser in der Stadt San Cristóbal Verapaz im Zentrum des Landes verschüttete, sagte Guatemalas Präsident Alejandro Giammattei. Dem Sprecher der Katastrophenschutzbehörde, David de León, zufolge gab es Berichte über 50 Vermisste in der Stadt. Rettungskräfte der Regierung hätten den Unglücksort noch nicht erreicht. 17 weitere Tote und viele Vermisste wurden aus anderen Städten gemeldet.

Hunderttausende betroffen

In der Gegend von San Pedro Sula, der mit etwa einer Million Einwohnern zweitgrößten Stadt von Honduras, mussten Hunderte Bewohner des Vororts Chamelecón ihre Häuser verlassen, als der gleichnamige Fluss über die Ufer trat. Marvin Aparicio, ein Sprecher der Katastrophenschutzbehörde, sagte, 41 Gemeinden seien abgeschnitten, weil Straßen weggespült wurden. Maite Matheu, Länderdirektorin der internationalen Hilfsorganisation Care, sagte, Hunderttausende könnten betroffen sein. Die Regierung habe nicht die Kapazitäten, sie zu versorgen.

„Eta“ war als Hurrikan der Kategorie 4 auf Nicaragua getroffen und schwächte sich dann zu einem tropischen Tiefdruckgebiet ab. Dabei lud der Sturm aber riesige Regenmengen über großen Teilen Mittelamerikas ab. Zudem bewegte sich der Sturm nur sehr langsam vorwärts. Am Freitagmorgen (deutscher Zeit) befand er sich vor der Küste von Belize. Es wird davon ausgegangen, dass „Eta“ weiter nach Kuba und Anfang nächster Woche möglicherweise in den Golf von Mexiko zieht.

Folge des Klimawandels?

Meteorologen sprechen von einer ungewöhnlichen Sturmsaison in diesem Jahr. Es könnte sogar der Rekord für die stürmischste Saison aus dem Jahr 2005 eingestellt werden. Damals fegten 15 Hurrikans durch die Region. „Eta“ ist zwar erst der zwölfte Hurrikan in diesem Jahr – und einer von insgesamt 28 diesjährigen Tropenstürmen im Atlantik. Doch die Saison ist noch nicht vorbei.

Im Normalfall dauert die Hurrikan-Phase von Anfang Juni bis Ende November. Aber es können sich auch danach noch gewaltige Stürme aufbauen. 2005 etwa bildete sich der letzte große Sturm des Jahres erst am 29. Dezember. Und dieses Jahr startete die Saison im Süden der USA bereits im Mai.

Nach Angaben von Experten begünstigt der Klimawandel die Bildung von Stürmen, weil er die Erwärmung der Meere vorantreibt. Sie erwarten, dass die Stärke und Frequenz von Stürmen weiter zunehmen wird.

Unterschiedliche Sturm-Namen

Tropische Wirbelstürme, die einem Orkan entsprechen und somit Windstärke 12 auf der Beaufortskala haben (das entspricht mehr als 64 Knoten oder 118 km/h), tragen je nach ihrem Entstehungsgebiet unterschiedliche Namen. In Ost- und Südostasien sowie im nordwestlichen Teil des Pazifischen Ozeans werden sie Taifun bezeichnet. Ein Zyklon ist ein heftiger Wirbelsturm im Indischen Ozean und im südlichen Pazifischen Ozean. Wirbelstürme im Karibischen Meer und im Golf von Mexiko, im Atlantik und im Nordpazifik östlich von 180° Länge und im Südpazifik östlich von 160° Ost hingegen nennt man Hurrikan.

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