Die Göppinger Klinik am Eichert, ein Standort der Alb Fils Kliniken, hat 2018 weniger Patienten versorgt als im Vorjahr. Foto: Archiv/Horst Rudel

Zwei Todesfälle wegen Medikamentenverwechslung, Ärger mit Darmkeimen und der Wegfall der Schlaganfallversorgung haben der Klinik schwer zugesetzt.

Kreis Göppingen - Während am Göppinger Eichert die Gründungsarbeiten für einen 309 Millionen Euro teuren Klinikneubau in vollem Gange sind, muss der Landkreis Göppingen ein dickes Minus für den laufenden Betrieb im benachbarten Altbau verdauen. Vier Jahre lang in Folge haben die kreiseigenen Alb Fils Kliniken ihr Defizit kontinuierlich reduzieren können, dann erfolgte der Einbruch: Für das Geschäftsjahr 2018 steht ein Bilanzverlust von 8,5 Millionen Euro in den Büchern. Der Kreistag hat nun einem Verlustausgleich zugestimmt.

Weniger Patienten haben sich behandeln lassen

„Der Bilanzverlust ist im Wesentlichen auf den stationären Klinikbetrieb zurückzuführen“, erklärt der kaufmännische Geschäftsführer. Damit meint Wolfgang Schmid den Rückgang um 3919 Patienten auf insgesamt 32 491 Personen, die sich im vergangenen Jahr in den beiden Klinikhäusern, der Göppinger Klinik am Eichert und der Geislinger Helfensteinklinik, stationär behandeln ließen. In den beiden Jahren davor hatte es dagegen einen Anstieg der Patientenzahlen auf schließlich 36 410 im Jahr 2017 gegeben.

Das Klinikjahr 2018 war von zwei tragischen Todesfällen überschattet

Auch im ambulanten Bereich verzeichnete die Klinik 2018 weniger Patienten: Hatten im Vorjahr noch 113 906 Menschen ärztlichen Rat bei den Alb Fils Kliniken gesucht, sank die Zahl nun auf 111 017 Patienten. Diesen Rückgang der Patienten, der sich bereits im vergangenen Oktober abzeichnete, beschreibt Schmid als Folge gleich mehrerer bekannter Ursachen, die das Klinikjahr überschattet hatten: Dazu zählen in erster Linie zwei Todesfälle, die durch eine Medikamentenverwechslung ausgelöst worden waren, und der Kampf gegen Darmkeime, die vor zwei Jahren das erste Mal verstärkt in der Klinik am Eichert aufgetreten waren. Alles Ereignisse, die den Alb Fils Kliniken wohl einen erheblichen Imageschaden zugefügt haben.

Schlaganfallpatienten dürfen momentan nicht behandelt werden

Kräftig zu Buche geschlagen hat auch der befristete Wegfall der Versorgung von Schlaganfallpatienten, der nach einem Streit zwischen den Alb Fils Kliniken und dem privaten Göppinger Klinikum Christophsbad (CB) vom Sozialministerium zugunsten des CB entschieden worden war. In den kommenden zwei Jahren soll bekanntermaßen allein das Christophsbad für die Betreuung der Schlaganfallpatienten aus dem Kreis zuständig sein. Erstmals bezifferte Schmid nun den Rückgang dieser Patientenzahlen mit 6,5 Prozent. Insgesamt betrachtet habe dies den Alb Fils Kliniken einen Umsatzverlust von 8,3 Millionen Euro für das Jahr 2018 eingebracht. Und schließlich habe auch noch der Tod des Chefarzts in der Gefäßchirurgie zu Einnahmeausfällen geführt. Dieser Chefposten solle aber in Kürze wieder besetzt werden.

Für 2018 schien die schwarze Null zum Greifen nah

„Bei etwa gleichem Leistungsvolumen wie im Jahr 2017 hätten die Alb Fils Kliniken die schwarze Null in 2018 nahezu erreichen können“, erklärte Schmid seine eigentliche Strategie. Immerhin war das Defizit, wie erwähnt, vier Jahre lang gesunken und hatte 2017 schließlich nur noch 1,2 Millionen Euro betragen.

Um jetzt den Geschäftsrückgang zu stoppen und den Umsatz in den Alb Fils Kliniken wieder zu erhöhen, hat die Klinikleitung bereits im vergangenen Jahr eine breit aufgestellte Image- und Informationskampagne auf den Weg gebracht. In deren Zuge wurden die Kreisbürger vor Ort über die medizinischen Angebote der Ärzte und anderer Klinikfachleute informiert. Außerdem werden in der Reihe Klinikdialog regelmäßig Erweiterungen im Leistungsportfolio vorgestellt. Dazu gehören das Pneumologische Zentrum, ein Da- Vinci-OP-Roboter sowie die Integration der Mund-, Kiefer- und plastischen Gesichtschirurgie – alles Angebote, die zu größerer Attraktivität der Kliniken beitragen sollen.

Die Leistungszahlen steigen wieder

Die ersten positiven Effekte seien bereits messbar, denn im ersten Halbjahr 2019 lägen die Leistungszahlen rund zwei Prozent über dem Vorjahreswert, erklärte Schmid. Trotz der rückläufigen Umsatzzahlen im vergangenen Jahr sei die Zahl der Mitarbeiter nicht reduziert worden. Mit einer Personalstärke von im Augenblick 1669 Vollzeitstellen, in der alle Teilzeitbudgets enthalten sind, seien die Alb Fils Kliniken für eine positive Leistungsentwicklung gut aufgestellt.

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