Kurz nach Eröffnung des Corona-Testzentrums am Flughafen Stuttgart mussten die Zuständigkeiten neu geordnet werden. In diesen Zeitraum fallen Beschwerden von Reisenden über fehlende Testergebnisse.
Stuttgart - Das Corona-Testzentrum am Flughafen in Stuttgart ist weit entfernt von einer Panne, wie es sie in Bayern gegeben hat. Allerdings weisen die Beschwerden von einigen Reiserückkehrern darauf hin, dass auch in Stuttgart, zumindest anfangs, nicht alles rund lief.
Eines der Beispiele: Am 7. August 2020 werden am Flughafen Stuttgart vier jugendliche Reiserückkehrer aus Kroatien getestet, von denen zwei nach drei Tagen ihr Ergebnis per App erhalten. „Bei meinem Sohn ist die Probe laut App seither ,in Bearbeitung’“, sagt Claudia Halici, die Mutter eines der Jugendlichen aus der Reisegruppe. Sie zweifelt: Ist sie vielleicht doch verschwunden?
Rechtliche Probleme
Ihre Suche ist eine Odyssee und endet unbefriedigend: Das damals zuständige Labor habe ihr schriftlich mitgeteilt, dass das Probenmaterial ihres Sohnes nicht eingegangen sei. Das Labor verweist zur weiteren Recherche auf das Airport Medical Center. Dort schickt man die Frau zum Tübinger Unternehmen Cegat, das aber in der fraglichen Zeit gar nicht für die Tests am Flughafen zuständig war.
Denn in der Zwischenzeit hatte es am Flughafen einen Zuständigkeitswechsel gegeben. Weil es politischer Wille war, die Testzentren schnell aufzubauen, hatte die Kassenärztliche Vereinigung (KV) – wie im Notfalldienst – gemeinsam mit Medizinischen Fachangestellten und Ärzten des Airport Medical Center oder der KV Baden-Württemberg die Tests vorgenommen, erläutert Kai Sonntag, der Pressesprecher der KV. Weil die Testung auf Corona nicht dem gesetzlichen Auftrag der KV entspreche, „haben wir kurzfristig die Hoheit an das Sozialministerium übergeben“. Zu den Gründen, warum man auch das Testlabor gewechselt habe, will sich die KV nicht äußern.
Im Video: Corona-Test am Flughafen – So laufen die Tests für Urlauber ab
Datentransfer ausschließlich digital
Seit gut einer Woche, so Sonntag, betreibe die KV im Auftrag des Sozialministeriums wieder das Testzentrum am Flughafen. Seit 13. August 2020 ist das Tübinger Biotech-Unternehmen Cegat beauftragt und zuständig für den reibungslosen Ablauf im Testzentrum bis hin zum Bescheid an Probanden. Cegat-Gründer und Geschäftsführer Dirk Biskup ist absolut davon überzeugt, „dass der Prozess funktioniert“.
Eine Fehlerquelle in Bayern war die handschriftliche Übertragung von Personendaten. „Das gibt es bei uns nicht“, sagt Biskup. „Die Daten der Passagiere werden über die elektronische Gesundheitskarte digital erfasst. Bei Leuten ohne Karte werden im Testzentrum die Daten ins elektronische System eingegeben und werden ab da ebenfalls nur noch digital verwendet.“ Wenn die Personendaten im System seien, bekämen die Probanden einen Überweisungsschein mit Barcode für die weiteren Abläufe, derselbe Barcode werde aufs Probenröhrchen aufgedruckt. „Alle Daten werden dann elektronisch übertragen auf unser firmeneigenes Laborinformations-Managementsystem.
Infizierte bekommen Anruf vom Labor
Im Abstrichbereich arbeite medizinisch-technisches Personal, das laut Biskup zu Cegat gehöre. Die Mitarbeiter deponieren die Probenröhrchen in Plastikbehältern, die mit Schaumstoff ausgepolstert sind und 100 Proben fassen. „Zwei Mal täglich lassen wir die Proben von einem Kurierdienst nach Tübingen fahren“, sagt Biskup. Im Labor wird die Probe so bearbeitet, dass gegebenenfalls das Erbgut des Erregers sichtbar wird. „Das dauert ein bis drei Tage, danach wird das Ergebnis des Tests ins System geladen“, sagt der Firmenchef. Das Ergebnis sei über den QR-Code, den die Testpersonen erhalten haben, auf der Corona-Warn-App der Bundesrepublik abrufbar. Das Ergebnis gehe zusätzlich schriftlich an die Probanden.
Wer infiziert ist, bekommt zusätzlich einen Anruf von der Tübinger Biotech-Firma, Mails seien aus Datenschutzgründen nicht erlaubt, bedauert Dirk Biskup. Alle positiven Tests müssten den Gesundheitsämtern übermittelt werden. „Wir hatten seit dem 13. August rund 10 000 Analysen in unserem Labor und auch den Ansturm am vergangen Wochenende von mehr als 5000 Testungen unter Kontrolle. Wir sind gut gerüstet“, so Biskup.
Die Apps, mit denen das Testergebnis abgerufen werden kann, funktionieren aber offenbar nicht alle gleich gut. „Wir haben uns am Samstagabend testen lassen“, sagt ein Leser, „und immer noch kein Ergebnis in der App.“ Ein Freund habe nun empfohlen, eine App namens Mein Laborergebnis herunterzuladen, „und tatsächlich, damit lag das Ergebnis vor.“
Probleme mit der Corona-App sind offensichtlich kein Einzelfall. Das Sozialministerium teilte am Freitag mit, dass es neben der Corona-Warn-App der Bundesregierung auch eigene Apps der Labore gebe. Sofern eine der Apps nicht funktioniere, könne auch direkt im Labor angefragt werden. Das Ministerium schränkt aber auch ein: „Die Wartezeiten auf ein Ergebnis können aufgrund des großen Aufkommens an Testpersonen und begrenzten Laborkapazitäten inzwischen einige Tage dauern.“