Ein Flugzeug im Landeanflug auf den Stuttgarter Flughafen. Die Weihnachtszeit ist für viele Menschen auch Reisezeit. Foto: dpa/Sebastian Gollnow

Wer über die Feiertage Verwandte besuchen will, bekommt schnell den Eindruck: Mit dem Flieger ist es günstiger als mit der Bahn. Ist das wirklich so? Und was steckt hinter unfassbar billigen Flügen?

Stuttgart - Weihnachten steht vor der Tür. In den nächsten Tagen werden nicht nur Millionen Pakete kreuz und quer durch Deutschland geschickt, auch viele Menschen machen sich auf den Weg, um Verwandte in anderen Teilen Deutschlands zu besuchen. Wer umweltbewusst reisen möchte und noch nichts gebucht hat, findet sich nicht selten in einem Dilemma wieder. Denn häufig erscheint bei spontanen Buchungen der Flieger billiger als die Bahn. Warum ist das so? Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema.

Ist Fliegen wirklich billiger?

Bei einzelnen Verbindungen mag das so erscheinen. Verschiedene Studien besagen aber: Betrachtet man über einen längeren Zeitraum viele verschiedene Strecken und Vorlaufzeiten der Buchung, kommt die Bahn unterm Strich besser weg was den Preis angeht. Zum Beispiel hat das das Marktforschungsinstitut Quotas in Auftrag der International Union of Railways von 2015 bis 2018 Preisdaten zu elf europäischen Städteverbindungen mit vier unterschiedlichen Buchungsabständen zur Reise und drei verschiedenen Reisetypen ausgewertet. Das Ergebnis: In etwa 85 bis 90 Prozent der Fälle war die Bahn billiger. Zu einem ähnlichen Ergebnis kam eine Auswertung des Ökologischen Verkehrsclubs Deutschland, in der 2013 ebenfalls elf innereuropäische Städteverbindungen verglichen wurden.

„Die Wahrnehmung der Reisenden und die Statistik klaffen auseinander“, sagt Philipp Kosok vom ökologischen Verkehrsclub Deutschland. Das erklärt er sich vor allem damit, dass der Flugverkehr sehr gutes Marketing mache. So sei die Botschaft vom billigen Fliegen mittlerweile bei vielen Kunden tief verankert.

Wie sieht es bei den Steuern aus?

Anekdoten von unfassbar billigen Flügen kennt fast jeder. Viele Menschen fragen sich, wie Unternehmen mit solchen Angeboten überhaupt noch Geld verdienen können.

Aus Kosoks Sicht ist der schwerwiegendste Punkt die Ungleichheit in puncto Steuern. Hier herrscht zwischen Bahn und Flug keine Waffengleichheit. Die wichtigsten Aspekte: Im internationalen Bahnfernverkehr gelten 19 Prozent Mehrwertsteuer, im internationalen Flugverkehr wird gar keine Mehrwertsteuer fällig. Kerosin wird nicht besteuert – der Strom, mit dem ein Zug fährt, hingegen schon. Hinzu kommen weitere Unterschiede, zum Beispiel beim europäischen CO2-Zertifikatehandel. Immerhin gibt es bald eine kleine Verbesserung: Ab 2020 gelten im Fernverkehr der Bahn nur noch sieben Prozent Mehrwertsteuer, wie es heute schon im Nahverkehr der Fall ist. Die Bahn hat bereits angekündigt, ihre Preise im Fernverkehr um rund zehn Prozent zu senken.

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Was ist mit unrentablen Strecken?

Viele Leute meinen, dass Zugfahren im Fernverkehr deshalb so teuer ist, weil die Bahn im Nahverkehr unrentable Strecken mitfinanzieren muss. Das stimme aber nicht, sagt Philipp Kosok. Der Fernverkehr sei Sache des Bunds, der Nahverkehr hingegen Ländersache. Die Länder steuern laut Kosok Geld bei, im Nahverkehr zahlten Kunden dadurch nicht den vollen Ticketpreis. Im Fernverkehr gelte hingegen bislang die Devise, dass die Bahn eigenwirtschaftlich fahren muss.

Kosok rechnet damit, dass sich das in den nächsten Jahren ändern könnte. „Schließlich sagt die Bundesregierung selbst, dass sie bis 2030 die Anzahl der Bahnpassagiere verdoppeln will.“ Kosok hält es zum Beispiel für denkbar, dass die Bundesregierung in Zukunft Geld für die Gebühren zur Streckennutzung im Personenverkehr beischießt – ein wichtiger Kostenpunkt. In der Schweiz werde das heute schon so gehandhabt, sagt Kosok.

Wie schädlich sind Bahn oder Flug jeweils für Klima?

Fliegen ist mit Abstand die klimaschädlichste Form der Fortbewegung. Ein Vergleich: Wer mit der Bahn im Fernverkehr fährt, verursacht pro Person pro Kilometer rund 36 Gramm Treibhausgase. Dabei wird angenommen, dass der Zug eine Auslastung von 56 Prozent hat und mit dem in Deutschland durchschnittlichen Strommix angetrieben wird. Im Gegensatz dazu sind es mit dem Flugzeug 201 Gramm Treibhausgase pro Person pro Kilometer – also mehr als fünf Mal so viel wie mit dem Zug. Dabei wird angenommen, dass das Flugzeug eine Auslastung von 82 Prozent hat und es werden alle klimawirksamen Effekte des Flugverkehrs berücksichtigt. Die Angaben stammen vom Umweltbundesamt.

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