Die sorgfältige Auswahl von Reiseanbietern und Versicherungen mindert die Gefahr teurer Zusatzausgaben – doch gibt es in Zeiten der Coronapandemie keinen Rundumschutz.
Berlin - Der Winterurlaub lockt. Die Reisebranche rührt die Werbetrommel für Badeziele, Skivergnügen und Kreuzfahrten. Das Fernweh ist groß, doch viele Deutsche zögern. Zu unsicher bleibt die Lage in Corona-Zeiten. Das Virus kann weiterhin schnell alle Pläne zunichtemachen, wie die vierte Welle und Omicron zeigen. Und dann können Stornierungen und Zusatzausgaben teuer werden.
Das passiert schneller als manche meinen. Wer sich vor Reisebeginn infiziert oder als Kontaktperson in Quarantäne muss, kann den Urlaub oft vergessen. Vor Abflug und Einreise verlangen viele Reiseländer zudem ein höchstens 72 Stunden altes negatives PCR-Testergebnis, teils auch weitere Bestätigungen. Fängt man sich im Urlaubsland das Virus ein und muss dort in Quarantäne, drohen zusätzliche Behandlungs-, Hotel- und Flugkosten.
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Was also tun? Wer auf Nummer Sicher gehen und Ärger vermeiden will, wartet weiter ab und bleibt daheim, bis die Entwicklungen berechenbarer sind. Denn klar ist: In Pandemiezeiten gibt es keinen Rund-um-Schutz, besonders Reisen sind mit erhöhten Risiken für die Gesundheit und den eigenen Geldbeutel verbunden. Mit guter Planung sowie sorgfältiger Auswahl von Anbietern und Reisezielen lassen sich Corona-Kostenrisiken aber zumindest mindern. Hier einige hilfreiche Tipps.
Besser in der Nähe als in die Ferne schweifen
Ostsee, Oberbayern, Schwarzwald – heimische Urlaubsziele sind in Pandemiezeiten beliebt wie lange nicht mehr. Aus gutem Grund: Man kann mit Auto, Bahn oder Fernbus anreisen, Hotels und Ferienquartiere direkt buchen und einfacher Hause kommen als bei einer Flug- oder Fernreise, wenn sich die Corona-Lage verschärft. Werden dagegen jenseits der Grenzen plötzlich Länder, Regionen, Hotels oder Kreuzfahrtschiffe unter Quarantäne gestellt und über Nacht Einreise- oder Rückreiseregeln verschärft, droht viel mehr Ärger und Mehraufwand. Das gilt bereits für den Skiurlaub in Österreich – das Nachbarland ist wieder Hochrisikogebiet.
Besser pauschal buchen statt individuell
Für Reiseveranstalter und ihre Pauschalreisen gelten strengere Gesetze als für direkte Buchungen bei Airlines und Hotels. Bei Veranstaltern sind Vorauszahlungen abgesichert, bei Pleiten wie von Thomas Cook bekommt der Kunde sein Geld oder Mehrkosten für die Heimreise zurück, der Rücktransport ist abgesichert. Zudem können Pauschalurlauber die Buchung stornieren, wenn das Auswärtige Amt eine Reisewarnung für das Reiseziel herausgibt wie jüngst für das südliche Afrika wegen Omicron. Dann muss der Veranstalter den Reisepreis binnen 14 Tagen erstatten. Wer dagegen individuell bucht, muss selbst mit Airlines, Hotels, Mietwagen- und Ausflugsanbietern über Umbuchungen, Gutscheine oder Rückzahlungen verhandeln – und dann gelten meist ausländisches Recht und das Kleingedruckte der dortigen Unternehmen. Also besser teure Flüge und zumindest die ersten Übernachtungen pauschal beim Veranstalter buchen, dann greift die viel bessere Absicherung.
Besser flexibel als am falschen Platz sparen
Auch in Corona-Zeiten gibt es viele Schnäppchen. Der Nachteil: Billige Flüge, Hotels oder Paketangebote sind oft gar nicht oder nur zu hohen Kosten umbuchbar, wenn sich die Reisepläne ändern. Dann ist die Vorauszahlung häufig verloren. Mit flexiblen Tarifen lässt sich dieses Risiko mindern. Das sollte man in so unsicheren Zeiten nutzen, auch wenn Flex-Tarife teurer sind. Das Problem: Es gibt keine einheitlichen Regeln, der Tarifdschungel von Veranstaltern, Onlineportalen, Airlines und Hotels ist kaum durchschaubar. Und manche Flex-Option ist weniger wert als es scheint. So werben Veranstalter mit kostenlosem Storno bis 14 Tage vor Anreise – doch gerade in den letzten beiden Wochen vor dem Start gibt es die meisten Absagen wegen Krankheiten, Unfällen oder Todesfällen. Also: Genau prüfen, welcher Flex-Tarif den Mehrpreis wert ist.
Besser abgesichert als ohne Kostenschutz
Absolute Pflicht ist eine Auslands-Krankenversicherung, die auch bei Corona-Erkrankungen eintritt. Manche Urlaubsländer fordern diesen Nachweis vor der Einreise. Wer teure Reisen bucht, sollte zudem eine kombinierte Reiserückritts- und Reiseabbruchversicherung abschließen und dabei auf den Corona-Schutz achten. Die Stiftung Warentest hat in der neuen Ausgabe des Magazins Finanztest (Januar 2021) die Tarife der Hanse Merkur, der Travel Secure/Würzburger und von Europ Assistance am besten bewertet. Verglichen wurden 130 Tarife, nur die drei Anbieter schneiden sehr gut ab. Denn viele Tarife haben Lücken, Versicherer lehnen dann die Zahlung ab. Oft lohnen sich Jahres- und Familienverträge. Bei der Hanse Merkur kostet die Kombipolice inklusive Corona-Schutz für eine Einzelperson 163 Euro bei einem Reisepreis von 3000 Euro, ab 65 Jahren werden 203 Euro fällig. Dafür sind der Pandemie- und Quarantänefall versichert und ein positiver PCR-Test wird als Rücktrittsgrund anerkannt, dann erstattet der Versicherer die Stornokosten.
Besser genau hinschauen als leichtfertig buchen
Wer in Pandemiezeiten verreist, trägt hohe Verantwortung für sich und andere. Vor jeder Buchung sollten daher die Einreisebedingungen und mögliche Reisewarnungen genau geprüft werden. Dazu ruft man online die regelmäßig aktualisierten Reise- und Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amts auf. Wenn Länder als Hochrisiko- oder Virusvariantengebiete eingestuft werden, was über Nacht passieren kann, gelten abhängig vom eigenen Impfstatus verschärfte Regeln auch für die Rückkehr nach Deutschland, was bis zu 14 Tage Quarantäne bedeuten kann. Wer wissentlich in ein Risikogebiet reist, läuft Gefahr, dass sein Arbeitgeber die Lohnfortzahlung ablehnt, wenn nach der Rückkehr eine Quarantäne nötig wird.