Gemeinsam arbeiten: deutsche und einheimische Frauen in Kenia Foto: Lebkom/Lebkom

Ein Fuldaer Verein organisiert nachhaltige Reisen für Frauen in ein kenianisches Dorf. Die Reisenden und die Besuchten profitieren beiderseits davon.

Fulda - Mit einem freundlichen „Nichwo!“ und „Ber ahenya!“ heißen die Luo-Frauen in Homa Bay im Westen von Kenia ihre Gäste willkommen. Sie leben inmitten der Natur nahe des Viktoria-Sees, dem drittgrößten See der Welt. Seit mehr als 25 Jahren organisiert der Fuldaer Verein Lebendige Kommunikation mit Frauen in ihren Kulturen mit dem Mit-Reiseprojekt „As Friends to Kenya“ (Als Freunde nach Kenia), Reisen dorthin, bei denen die Begegnung im Vordergrund steht.

Am kommenden Freitag wird sich wieder eine 14-köpfige Gruppe aus Deutschland auf den Weg machen, um für zwei Wochen in typischen kenianischen „Homes“ zu leben – ohne Elektrizität und fließend Wasser.

„Bei der Reise taucht man in den kenianischen Alltag ein, in eine ganz andere Kultur“, so Ingeborg Scholz, eine der Organisatorinnen. Man erlebt dort den afrikanischen Alltag – holt Wasser vom Fluss, kocht über offenem Feuer und geht viel zu Fuß. Bei den gemeinsamen Tätigkeiten und im Gespräch können die Reisenden das Leben der Gastgeberinnen und die Besonderheiten ihrer Kultur kennenlernen. „Diese Eindrücke nehmen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit nach Hause“, sagt Ingeborg Scholz.

Von der Reise bringen die Teilnehmer Gelassenheit mit

Insbesondere dadurch, dass sie die positive Lebenshaltung der kenianischen Frauen erleben, können sie aus einer neuen Perspektive auch auf das eigene Leben blicken. „Wenn Zuhause das Auto nicht anspringt und man das Gefühl hat, die Welt bricht zusammen, dann denkt man an die Reise zurück und wird gelassener“, so Ingeborg Scholz. Denn die Luo-Frauen, die das Projekt mit organisieren, müssen harte Arbeit auf Feldern leisten, aber tanzen trotzdem am Abend zusammen. „Die Kenianerinnen haben ein schweres Leben, aber bringen uns immer viel Lebensfreude, Herzlichkeit und Mut entgegen. Davon können wir viel lernen“, erzählt Ingeborg Scholz.

Das Mitreiseprojekt ist aber mehr als nur eine Reise. Es ist auch eine Form der Entwicklungszusammenarbeit. Die Idee für das Mitreiseprojekt entstand 1985. Damals lernte die Fuldaer Professorin Muthgard Hinkelmann-Toewe auf der Weltfrauenkonferenz in Nairobi die kenianische Lehrerin Jane Oloo kennen und folgte spontan ihrer Einladung, sie in ihrem Dorf im Hochland Kenias zu besuchen. Dieses Erlebnis war die Initialzündung für das Mitreiseprojekt. Die Idee war anders zu reisen - nämlich nachhaltig, kommunikativ und die Frauen stärkend. Die Reise richtet sich primär an Frauen, aber auch an Paare und Familien.

Begegnung auf Augenhöhe ist wichtig

Besonders wichtig ist bei dem Projekt die Begegnung auf Augenhöhe. „Das Mit-Reiseprojekt gestalten wir miteinander, nicht so, dass einer gibt und einer empfängt“, so Ingeborg Scholz. Der Verein Lebendige Kommunikation (Lebkom) aus Fulda, der das Mitreiseprojekt organisiert, kooperiert vor Ort mit kenianischen Frauengruppen. Bei dem Reiseprojekt sind zehn kenianische Frauen an der Organisation beteiligt. Sie, und ihre Familien, sind es, die auf ihrem Grundstück traditionelle Häuser oder Hütten für die Reisenden zur Verfügung stellen. Die kenianischen Frauen erhalten für ihre Arbeit an dem Projekt ein Einkommen, nicht etwa eine Spende. „Das macht einen großen Unterschied“, sagt Ingeborg Scholz. „Man kennt das Gefühl, wenn man sich selbst etwas erarbeitet hat – das ist stärkender, als wenn man eine Spende erhält.“

Mit dem Einkommen können die Frauen Projekte finanzieren, die sie selbst aussuchen. 2010 haben die Frauen eine Gesundheitsstation für ihr Dorf eröffnet. Und 2016 haben die Frauen vor Ort beschlossen von dem verdienten Geld jeder Frau der Frauengruppe und ihrer Familie einen Wassertank zu finanzieren.

Bei dem Projekt ist das Ziel wirtschaftlich und nicht-wirtschaftlichen Mehrwert zu schaffen. Die Völkerverständigung spielt hierbei eine wichtige Rolle. Sie erfordert einen gegenseitigen Respekt der Menschen, aber auch der Kulturen. Viele, die an der Reise teilnehmen, wollen etwas Sinnvolles im Urlaub tun. „Die Menschen, die mit uns verreisen, die suchen die Begegnung und den Austausch mit den Frauen“, so Ingeborg Scholz. „Den meisten hat auf touristischen Reisen mit Pool und All Inclusive etwas gefehlt“, sagt sie. Sinnvoll sei bei dem Projekt vor allem der Kontakt, beide Seiten erfahren, wie die anderen über ihr eigenes Leben denken. Eine Reiseteilnehmerin sagt: „Je tiefer wir Einblick in die Wünsche und Lebensanschauungen unserer kenianischen Freundinnen und ihrer Familien erhalten durften, desto mehr verbindende Gemeinsamkeiten stellten wir fest.“

Bei der Entscheidung, ob man eine Reise nach Ostafrika macht, spielen die Sicherheitsfragen häufig ein Rolle. Aber Ingeborg Scholz beruhigt: „In über 25 Jahren unserer Reisen ist noch nichts passiert. Wir werden immer von einer Kenianerin oder einem Kenianer begleitet und stehen unter ihrem Schutz.“ Die nächste Projektreise ist schon geplant: Sie soll vom 3. bis 18. April 2020 stattfinden.

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