Die baden-württembergische Landesregierung ist viel auf Achse. Im zurückliegenden Jahr flogen Kabinettsmitglieder mehr als 230 Mal, vor allem ein Ziel wird häufig angesteuert. Immerhin eine Reise fand im Nachtzug statt.
Flugreisen stehen in Zeiten eines steigenden Klimabewusstseins unter verschärfter Beobachtung – zumal, wenn sie lediglich dem innerdeutschen Verkehr dienen. Vor diesem Hintergrund hat Christian Jung, verkehrspolitischer Sprecher der Landtags-FDP, um Auskunft über das Reiseverhalten der Landesregierung im zurückliegenden Jahr gebeten.
Ein Staatssekretär führt das Flugranking an
Aus der Antwort des Finanzministeriums geht hervor, dass die grün-schwarzen Regierungsmitglieder 238 Mal geflogen sind. Am häufigsten in die Luft gegangen ist Rudi Hoogvliet (Grüne), Staatssekretär für Medienpolitik und Bevollmächtigter des Landes beim Bund, mit insgesamt 41 Flügen, wovon bei 31 Start oder Landung in Berlin stattgefunden haben. Ihm dicht auf den Fersen ist Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne), der 40 Mal geflogen ist. Auf Rang drei mit 28 Flügen kommt Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU).
Drei Regierungsmitglieder haben hingegen 2024 dienstlich nie aufs Flugzeug zurückgegriffen: Sandra Boser (Grüne) und Volker Schebesta (CDU), beide Staatssekretäre im Kultusministerium, mieden den Luftverkehr ebenso wie Justizministerin Marion Gentges (CDU).
Hermann nimmt den Nachtzug
Winfried Hermann (Grüne), als Verkehrsminister schon qua Amtes der Mobilität verpflichtet, landet mit elf Flugreisen eher im Mittelfeld des Kabinettsrankings – kann aber eine Besonderheit im dienstlichen Reiseverhalten für sich reklamieren: Er ist das einzige Regierungsmitglied, das einmal den Nachtzug bemüht hat. Mit dem fuhr der bahnaffine Minister von Stuttgart nach Wien.
Kritik von der FDP
Doch auch diese Reise hat die Gesamtbilanz nicht verbessert. War die Landesregierung im Jahr 2023 noch insgesamt 221 Mal auf dem Luftweg unterwegs, stehen für 2024 in Summe 238 Flüge zu Buche, wovon 141 in Berlin begannen oder endeten.
Christian Jung reagiert auf die Zahlen eher ungnädig. „Von den grünen Flugscham-Freunden ist einzig Verkehrsminister Hermann im Jahr 2024 in der Lage gewesen, einmal den Nachtzug statt des Flugzeugs zu verwenden. Das ist wahrlich ein schwaches Bild.“ Jung sieht bei Flugzeugen wie beim Auto weniger die Antriebsart als den verwendeten Kraftstoff als Problem an. „Deshalb treten wir Freie Demokraten mit großem Nachdruck für E-Fuels ein. Diese sind praktizierter Umweltschutz, ohne dass man dann auf das Flugzeug verzichteten müsste“.
Praktische Anwendung finden die synthetischen Kraftstoffe allerdings in der Luftfahrt eher in geringem Umfang. Der Stuttgarter Flughafen etwa informiert über den Einsatz sogenannten Sustainable Aviation Fuels (SAF). Dieser Ersatz für herkömmlichen Flugzeugtreibstoff werde „aus nachhaltigen Ressourcen wie landwirtschaftlichen Abfällen hergestellt“. Allerdings sei SAF deutlich teurer als fossiler Treibstoff und sein Anteil an der weltweiten Produktion liege bei überschaubaren 0,1 Prozent.