Die Hafenausfahrt der hawaiianischen Hauptstadt Honolulu. Foto: Margit /hl

Als Symbol für die faszinierende Naturschönheit und ethnische Vielfalt von Hawaii ziert ein Regenbogen einheimische Autokennzeichen. Wie viel von diesem Aloha-Spirit übrig geblieben ist, lässt sich am besten auf einer Kreuzfahrt erleben.

Die Wehmut einer ganzen Nation liegt in nur einem Lied: „Aloha Oe“. Die letzte Monarchin von Hawaii, Königin Lili’uokalani, komponierte die traurige Abschiedsmelodie in Honolulus Iolani-Palast, wo die USA sie im Jahr 1893 unter Hausarrest stellten, um den Inselstaat unrechtmäßig zu annektieren. Es ist also weit mehr als eine kitschige Südseeschnulze, die auf Hawaii für jedes abfahrende und ankommende Schiff gesungen wurde.

 

O’ahu – die perfekte Welle

Während die Kreuzfahrtgäste auf der „Pride of America“ den Hafen von Honolulu verlassen, um beim einwöchigen Inselhopping auch Maui, Big Island und Kaua’i kennenzulernen, wissen die wenigsten, dass ihre Begrüßung mit „Aloha“ nicht nur ein nettes hawaiianisches Hallo ist.

Ursprünglich bedeutet Aloha, vom Geist der Götter erfüllt zu sein und den Atem des Lebens zu spüren. Entsprechend respektvoll verwendeten es die hawaiianischen Ureinwohner, die heute längst eine Minderheit in der multikulturellen und vom US-Einfluss nachhaltig veränderten Inselbevölkerung sind.

Von der Reling sehen die Passagiere lieber den Surfern zu, wie sie am weltberühmten Waikiki Beach auf den Wellen tanzen. Noch Anfang des 20. Jahrhunderts, als hier Duke Paoa Kahanamoku mit seinem schweren Board aus Koaholz elegant über die Wellenkämme glitt, hatte kaum jemand außerhalb Hawaiis vom Surfen gehört, obwohl schon James Cook und seine Begleiter im Jahr 1778 voller Begeisterung über das Wellenreiten auf Hawaii berichtet hatten.

Der Duke verhalf dem modernen Surfsport eher zufällig zu internationaler Anerkennung, als man den einstigen Olympiasieger im Schwimmen nach seinen Hobbys fragte. Heute wacht seine mit üppigen Blumengirlanden geschmückte Bronzestatue über die perfekt auf ganzer Länge brechenden Wellen am berühmten Waikiki Beach auf Hawaii.

Big Island – Pele schläft

Von den Launen der Vulkan-Göttin Pele ist auch Hawaii Island abhängig, das wegen seiner Größe auch Big Island genannt wird. Seit 1994 hat die Lava hier 200 Hektar neues Land geschaffen. Mit 5270 Quadratkilometern nimmt der imposante Mauna Loa gleich die Hälfte der Insel ein und wird an Höhe nur noch vom Mauna Kea übertroffen. Mit 4205 Metern ist er der höchste Vulkan des Archipels, gemessen vom Meeresboden bis zum Gipfel mit etwa 10 000 Metern sogar der welthöchste Berg. Weil die Lava aktuell nur noch selten knallrot in den Pazifik fließt, heißt es bei Hawaiianern: „Pele hält ein Schläfchen.“ Zum Glück hat sie vermutlich noch nicht vom Kona- Kaffee gekostet, der an ihren Hängen wächst, sonst wäre sie stets hellwach.

Hellwach mussten bis ins frühe 19. Jahrhundert auch die Insulaner sein, denn verstießen sie oft auch nur unfreiwillig gegen hawaiianische Verhaltenskodizes, drohte ihnen die Todesstrafe. So sah das Kapu-System beispielsweise vor, dass man nie im Schatten eines Clanchefs gehen durfte. Wem das misslang, konnte nur noch um sein Leben rennen. Schaffte man es, die Verfolger abzuhängen und hinter den Mauern des Tempels von Pu’uhonua o Hōnaunau Schutz zu finden, konnten Gesetzesbrecher in einer Zeremonie auf Absolution der Priester hoffen und als freie Menschen in die Gesellschaft zurückkehren.

Noch heute ist der einstige Zufluchtsort direkt am Meer eine der heiligsten Stätten auf Hawaii. Auch wenn die bis zu fünf Meter hohen Holzstatuen, die grimmig eine Grabstätte für Häuptlinge bewachen, witterungsbedingt längst Repliken sind, verfehlt der spektakuläre Platz aus schwarzem Lavagestein seine mystische Wirkung nicht.

Info: Mauna Loa – größter aktiver Vulkan der Welt

Historischer Lava-Ausbruch lockt Touristen nach Hawai’i: Der Mauna Loa auf Hawai’i ist der größte aktive Vulkan der Welt. Über 30 Jahre lang hat der Gigant geschlummert. Jetzt treten wieder riesige Lavamengen aus dem Berg aus und werden zur Touristenattraktion. Bedenken wegen der Schaulustigen hat man auf der Insel nicht.

Kaua’i – die Garteninsel

Dass Mark Zuckerberg zu den verhasstesten Bewohnern auf Kaua’i gehört, muss Busfahrerin Kana’e unbedingt noch loswerden, bevor sie den Passagieren der „Pride of America“ ihre ursprünglich gebliebene Heimatinsel zeigt. Der Technologiemagnat breitet sich durch Grundstückskäufe am Strand immer weiter auf Kaua’i aus und verwehrt Einheimischen damit den historisch garantierten Zugang zum Meer.

Das wegen seiner immergrünen Vegetation auch Garteninsel genannte Eiland zählt zwar zu den regenreichsten Plätzen der Erde, aber nur so konnten einzigartige Landschaften wie die Napali-Küste mit ihren bis zu 1200 Meter hohen grün bewachsenen Zackenbergen entstehen. Weil die Sonne immer wieder die Wolken durchbricht, sind Regenbögen ein alltäglicher Anblick auf Hawaii. „The Rainbow State“ heißt die Inselgruppe deshalb auch, die obendrein die bunten Regenbogenfarben nicht nur auf ihren Autokennzeichen, sondern auch als Symbol für den ethnischen Nationalitätenmix des Landes trägt.

Als könnte es kitschiger nicht sein, taucht zum Abschied zwischen Napalis Zackenbergen tatsächlich noch ein Regenbogen auf. Und während die „Pride of America“ wieder Kurs zurück nach O’ahu nimmt, kommt einem ein Lied in den Sinn, das längst zur Hymne Hawaiis geworden ist: „Somewhere over the Rainbow“. Gesungen von einem schwergewichtigen Hawaiianer mit sanfter Stimme, der mit seiner Ukulele-Interpretation die Welt posthum zu Tränen rührte. „Der sanfte Riese“ hieß der Musiker Israel Kamakawiwo’ole in seiner Heimat deshalb auch. Denn wer so entspannt auf der Ukulele zupfte wie „Iz“, kann damit nichts anderes verbreiten als schier endlose Fröhlichkeit.

Maui – Schutz der Meere

Hawaiianer haben seit jeher eine innige Beziehung zum Meer. Auf Maui, der ersten Inselstation nach dem Auslaufen aus Honolulu, hat die Regierung zum Schutz der Korallenriffe seit diesem Jahr Sonnencremes auf chemischer Basis verboten. Tapani Vuori, General Manager des Maui Ocean Center, vertraut darauf, dass auch Touristen das Richtige tun, wenn sie das nötige Wissen haben. Deshalb schickt er ehrenamtliche Mitarbeiter an die Strände, um besonders Urlauber dafür zu sensibilisieren, nur Korallenriff-freundliche Sonnenschutzmittel auf Mineralbasis zu verwenden. Dass manche Besucher Korallen jedoch für Gestein halten, macht den Meeresexperten fassungslos. „Auf unserer Station staunen viele dann, wenn wir sie Korallen unterm Mikroskop füttern lassen“, sagt Vuori.

Obendrein kann man in den abgedunkelten Aquarien sehen, dass die Natur bereits seit mehreren Millionen Jahren viel effizienter Licht erzeugen kann als wir Menschen mit herkömmlichen Glühbirnen. Ein hübsches Leuchtspektakel geben nicht nur fluoreszierende Korallen ab, auch manche Quallen sind für ihre Biolumineszenz bekannt.

Den Namen des kleinen bunten Staatsfisches von Hawaii können vermutlich nur Einheimische unfallfrei aussprechen: Humuhumunukunukuāpua’a. Was übersetzt so viel bedeutet wie „Drückerfisch mit einer Schnauze wie ein Schwein“. Man stelle sich die vokalreiche Debatte um diesen Fisch vor, als es im Parlament zum Humuhumunukunukuāpua’a-Streit kam. Einige Senatoren waren der Ansicht, der durch einen Schlager populär gewordene Fisch eigne sich wegen seiner Eigenschaften nicht zum Wappentier. Er sei Einzelgänger und wenig umgänglich.

Info: Hawai’i

Anreise
Flüge ab Deutschland nach Hawaii mit www.lufthansa.com. Einreise: Die Vorabregistrierung mit EU-Pass ermöglicht bei der Electronic System for Travel Authorisation (ESTA) eine Einreise ohne Visum (90 Tage, zwei Jahre gültig für 21 Dollar/20 Euro), https://esta.cbp.dhs.gov/.

Kreuzfahrt
Norwegian Cruise Line (NCL) ist die einzige Kreuzfahrtreederei, die das ganze Jahr über vier Hawaii-Inseln und fünf Häfen anfahren darf. Im Reisepreis (ab 1594 Euro, mit Zubringerflügen aus Deutschland ab 3236 Euro) sind Mahlzeiten eingeschlossen, www.ncl.com.

Unterkunft
Wer auf Hawaii ein paar Tage verlängern möchte, wird auf sehr hohe Hotelpreise stoßen. Über das Portal Fewo direkt lassen sich Ferienwohnungen mieten. Preisbeispiel: Penthouse-Studiowohnung mit Balkonausblick auf den Waikiki Beach für 2 Personen ab 200 Euro pro Nacht, www.fewo-direkt.de.

Allgemeine Informationen
Hawaii Tourismus, www.gohawaii.com/de/.