Sonnenuntergang in der Ferienanlage: Die Malediven sind Partnerland der ITB. Foto: Anantara Veli

Zum 50. Mal öffnet die weltgrößte Reisemesse ITB in diesem Jahr ihre Tore. Im Zentrum der Messe stehen die Themen Sicherheit, Digitalisierung, nachhaltiges Reisen und Flüchtlinge.

Berlin - Sicherheit: So lautet das Thema, das die Reisebranche im ersten Quartal 2016 vor allen anderen beschäftigt. Nach den Terroranschlägen in der Türkei, in Tunesien und in Paris laufen die Buchungen schleppender an als noch in den Jahren zuvor. Aus Angst vor Gefahren, und auch wegen der Flüchtlingssituation, hat jeder fünfte Deutsche 2016 nicht einmal vor zu verreisen.

Auch auf der weltgrößten Reisemesse ITB (Internationale Tourismus-Börse) ist die Reisesicherheit deshalb ein Thema. „In den ersten Monaten gab es eine Verunsicherung bei den Kunden – was verständlich ist, wenn man sich die Ereignisse in einzelnen Destinationen anschaut“, sagte Michael Frenzel, Präsident des Bundesverbands der deutschen Tourismuswirtschaft vor der Eröffnung der Messe am Dienstag. Die Kunden reagierten verhaltener beim Buchen. Frenzel zeigte sich jedoch optimistisch, dass sie ihre Koffer noch packen werden: „Nie war die Fülle der Angebote so breit wie heute.“

Weniger Deutsche reisen in die Türkei, nach Ägypten und Tunesien

Eine Zweiteilung des Marktes stellte der Präsident des Deutschen Reiseverbands (DRV), Norbert Fiebig, fest. Als Folge der Terroranschläge seien die Buchungen für Ziele in der Türkei, in Ägypten und Tunesien in den deutschen Reisebüros um 40 Prozent oder sogar mehr eingebrochen. Profiteure dieser Krise seien die Karibik und in Europa hauptsächlich Portugal, Spanien, Italien, Bulgarien und Deutschland selbst. Mit einem Buchungsplus von 46 respektive 20 Prozent sind bis jetzt vor allem Kuba und Portugal Nutznießer dieser Entwicklung. Für Reisen innerhalb Deutschlands haben die Reiseveranstalter einen Anstieg von 15 Prozent verzeichnet.

2016 werde sicher ein herausforderndes Jahr für die Tourismusbranche, sagte auch Fiebig. Grund zur Verunsicherung sehe er aber nicht. „Seit Anfang Februar nehmen die Buchungszahlen deutlich zu“, sagte er. Zudem seien die Voraussetzungen günstig: Die Konsumlaune sei hoch, die Beschäftigung stabil, die Inflation gering. Die deutschen Veranstalter rechneten deshalb mit einem Umsatzplus von vier Prozent.

In Zukunft könnten Roboter Jobs in der Tourismusbranche übernehmen

Ein weiteres Thema, das in der Branche Veränderungen nach sich zieht, ist schon jetzt die Digitalisierung. 29 Prozent der Urlauber buchen ihre Reisen inzwischen über Online-Portale wie HRS oder Trivago. In naher Zukunft könnten dazu humanoide Roboter Jobs an der Rezeption oder Hotelbar übernehmen. „Auch im Tourismussektor hat es schon immer Veränderungsprojekte gegeben“, sagte der Messe-Geschäftsführer Christian Göke. „Aber die Digitalisierung hat einen völlig anderen Charakter: Man muss sich in einem ständig verändernden Technologie-Umfeld behaupten – eine völlig neue Herausforderung.“

Auch in Hinblick auf die Wettbewerbsgleichheit, so Frenzel. Hier benötige man die Hilfe der Politik: So müssten für die neuen Mitbewerber aus dem Internet – unter ihnen Vertreter der Sharing Economy wie etwa die Übernachtungsplattform Airbnb – dieselben Hygiene- und Sicherheitsvorschriften gelten wie für traditionelle Geschäftsmodelle, um diese langfristig nicht zu gefährden.

Bezüglich der Flüchtlingssituation gab er sich positiv. Schon heute hätten mehr als 30 Prozent der Beschäftigten im Gastgewerbe ausländische Wurzeln. Zur Integration der Flüchtlinge könne die Tourismusbranche in Deutschland dank ihrer Wirtschaftskraft und vielfältiger Arbeitsplätze beitragen.

Partnerland Malediven: „Große Fortschritte gegen den Terrorismus

Diesjähriges Partnerland der ITB sind die Malediven. Der Inselstaat, der zwei Drittel seiner Staatseinnahmen aus dem Tourismus generiert, machte in den vergangen Tagen nicht nur als Strand-Paradies, sondern auch als Dschihadisten-Hochburg von sich reden. Medienberichten zufolge sollen sich rund 200 Menschen dem IS angeschlossen haben – der 345 000 Einwohner-Staat hätte somit die höchste Pro-Kopf-Rate an IS-Kämpfern.

Befürchtungen, Reisen in das Land könnten wegen gewaltbereiter Islamisten unsicher sein, wies Tourismusminister Moosa Zameer am Dienstag zurück. Man habe in den vergangenen sechs Monaten große Fortschritte im Kampf gegen den Terrorismus gemacht. „Wir hatten in den letzten Jahren keine Vorfälle und sind stolz zu sagen, dass die Malediven ein sicheres Reiseland sind“, sagte er. Die Zahl in den Medien sei zudem „völlig übertrieben“. Es handle sich um eine Gruppe von 30 bis 40 Terroristen, von denen einige mittlerweile umgekommen wären. Die Malediven hätten nicht mehr Probleme mit Terroristen wie etwa Deutschland oder Frankreich.

Die Reisemesse feiert in diesem Jahr ihr 50. Jubiläum. Sie startete im Jahr 1966 auf einer Fläche von 580 Quadratmetern mit neun Ausstellern aus Deutschland, Guinea, Argentinien, Brasilien und dem Irak. 250 Fachbesucher haben sich die Messe damals angeschaut. Zum Vergleich: 2016 erwarten die Veranstalter rund 165 000 Besucher und mehr als 10 000 Aussteller aus 185 Ländern.

Die ITB findet vom 9. bis zum 13. März auf dem Messegelände in Berlin statt. Sie ist täglich von 9 bis 18 Uhr geöffnet. Mehr Infos unter: www.itb-berlin.de

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